Indessen ist der religiöse Zustand der französischen Bevölke-rung jetzt dvch viel befriedigender, als er vor einigen Jahren war.Damals hatten wir hier wahrhaftig eine Hcerde ohne Hirten.Die Männer dachten an nichts als ihr Glück zu machen, keines-wegs aber an ihr Seelenheil, und die Frauen, die aus Frankreich noch gute Gesinnungen mitgebracht hatten, verloren sie in Amerika ,weil sie dort keine Nahrung fanden. Es gab wohl katholischeKirchen, allein weil dort englisch gepredigt wurde und man sichbei einer Predigt langweilte, welche man nicht verstand, versäumteman es auch in die heilige Messe zu gehen. Die Kinder, beson-ders jene der a bcirendcn Classe, besuchten die protestantischenSchulen und ihre strafwürdigen Eltern dachten nicht einmal daransie zur heiligen Commnuivn zu führen. Es herrschte mit einemWorte unter unscren Landslcuten in religiösen Dingen eine förm-liche Auflösung.
Im Jahre 18ä2 kam indessen der Hochwürdigstc Bischof d cJorbin - Janson nach Ncw-Aork und hier wie überall warenseine Schritte von guten Thaten begleitet. Der Vinccnz von Pauloder chinesischen Kindheit versammelte die vornehmsten Franzosenum sich und redete ihnen zu, bis ihnen vor Scham das Blut indas Gesicht stieg, dasz sie noch keine eigene Kirche hätten. Nunbot der Generalkonsul die Hand, selbst der Courricr des Etats-uniS unterstützte vom Standpuncte der Nationalität aus die Sache,cine Snbscriptiou wurde eröffnet und darauf ein Grundstück an-gekauft und die Arbeiten begonnen. Seit zwei Jahren ist jetztdiese Kirche fertig und dem Cultus übergeben, und der würdigeAbbl- Lasont ist Psarrcr derselben, ein Priester, der sich mit Leibunv Seele seiner Aufgabe widmet und an die Lösung derselbensein Leben setzen wird. Lebendige Christen sind zwar unt.'r seinenSchafen noch wenige, allein cö ist doch schon wenigstens unterden Franzosen znr guten Sitte geworden, Sonntags in das Hoch-amt zu gehen. Die Damen erscheinen dort in ihren elegantestenToiletten und ihre Männer begleiten sie regelmäßig dahin. Aufdem Heimwege wird nun zwar die Predigt kritisirt und vielleichtnicht kurz und schwunghaft genug bciunden; — für diese Herrenmüßte man zum mindesten Bossuct wieder erwecken, — allein dasWort Gottes, welches Abbo Lasont mit einem Eifer, einem Tacteund einer Salbung ihnen verkündet, welche Bewunderung verdie-ne», geht an diese» Gemüthern doch nicht spurlos vorüber. DerGottesdienst wird mir vieler Würde gehalten und es ist der Grc-gorianijchc Gesang cingcsührt worden, eine Erinnerung an dasMutterland, wclchc hier cine sehr heilsame Nencrung ist, denn inallen katholischen Kirchen Englands , Irlands und Amerika'S hörtman nichts als Opcrncmcn, die von Männer- und Frauen-Chörengesungen werden.
Sie können sich cinc» Begriff von der angestrengten Thätig-keit unseres Pfarrers machen, wen» Sie bedenke», daß seine Pfarr-ki»der in einer Stadt zerstreut sind, die großer ist als Paris , unddaß er außer der Vorbereitung ans seine Predigten, den zweie»Messen, die er liest, den Beichten, die er hört und außer denübrigen gottcSdicnstlichcn Verrichtungen auch noch seine Kranken indiese», weiten Raume besuchen mnß. Doch Abbv Lasont hat auchnoch cine Schule gegründet und ist dabei von der Voraussetzungausgegangen, daß man nur dann wahre Gläubige habe» könne,Wenn sie von Jugend auf zur Religion herangebildet würden.Eines nach dem cmdcrcn hat er die Franzoscukindcr aus den pro-testantischen Lehranstalten herausgenommen und hält nun selbst17l) Kindern Schule, die ihm viel Trost gewähren. Ebenso hater für 2W Mädchen cinc Anstalt gegründet, die von zwei from-men Damen aus Paris geleitet wird, welche dieser edlen Mission
sich widmen. Diese Schule gedeiht so sichtbar und ist so sehrgeschätzt, daß selbst die Protestanten ihre Kinder gern dahin schicken.Hier in diesem häretischen Lande brauchen wir uns wenigstens mitden Chicanen der Universität nicht zu plagen und die Freiheit isthier mehr als ein leerer Name; hier wird der Priester, der dieJugend lesen lehren will, damit sie besser denken lerne, nicht imNamen des Gesetzes durch die kleinliche Eifersucht der Schnüfflerdaran verhindert; das öffentliche Vertrauen fragt nicht darnach,wo er seine Diplome und Pergamente erworben und man ist über-haupt der Ansicht, daß ein frommer Priester mehr von der Sacheversteht, und besser lesen und schreiben kann als kleine Kinder.
Ncw-Vork, 31. Mai 1845. Ich habe Ihnen am 22.Einiges über die französische Kirche von New-Zjork geschrieben.Es ist dieses indessen nicht der einzige Tempel, der in dieser Stadtunserer heiligen Religion geöffnet ist, denn eS gibt jetzt in New-^Zjork und den Vorstädten siebzehn katholische Kirchen und nochmehrere sind im Baue begriffen, Dank dem bewunderungswürdigenEifer unseres Bischofs.
Monsignore Hugues ist der zweite Prälat auf diesem bischöf-lichen Stuhle und er folgte Monsignore DuboiS nach, einem fran-zösischen Priester, den das SchreckenSregimcnt aus unserem Va--terlcmde vertrieben und die Emigration zum Missionäre gemachthatte. Bischof HugueS ist ein Isländer und seit seiner fünfjäh-rigen Regierung hat das von seinem Vorgänger vorbereitete Feldschon hundertfältige Frucht gebracht. Seine Diöccse umfaßt denganzen Staat New-Zjork, der so groß ist wie Frankreich under durchwandert denselben unaufhörlich, taufend, firme»d, bekeh-rend und predigend. Seine Rede ist so ergreifend, daß selbst dieProtestanten begierig darauf horchen und seine Worte wahrhafteWunder hervorbringen. Im Angenblickc ist er mit dem Baueciues Seminars beschäftigt, um die Zöglinge des HciligthumS in> dasselbe aufzunehmen und seine Begierde eS zu vollenden ist so^glühend, daß er selbst den Maurern an die Hand geht, die Kelle! ergreift und jeden Arbeiter an den rechten Platz stellt, um einWerk zu fördern, dessen Baumeister der Vischos selbst ist. Ebenso!hat er, als ein zweiter Moritz von Snlly, selbst seine Kathedrale!gebaut, ein gothisches in gutem Geschmacke ausgeführtes Gebäude,!das im Mittelvnncte der Stadt liegt.
Das Bedürfniß eines Seminars war ein wahrhaft dringliches,idenn die Kirche wird in diesem Lande erst dann feststehen, wen»!sic sich auf einen eingeborenen KleruS stützen kann, allein bis jetzt^hatten wir hier nnr französische und irländische Missionäre. DerBischof hat im Ganzen nur 165 Priester, die in der ungeheuerenDiöccse zerstreut sinv und diese Zahl ist dermaßen unzureichend,daß er Protestanten, welche religiösen Unterricht und Erlenchtung! verlangen, oft lange warten lassen muß. Durchschnittlich bewirktjeder Geistliche drei Bekehrungen im Jahre. Ich habe dieses ausdem Munde des Hochwürdigsten Bischofs selbst und dieses Resultat^ist kein geringes, wenn man bedenkt, daß diese Bekehrten keine! einfachen im Naturzustände befindlichen Wilden sind, die ihr Augegern dem Lichte öffnen, sondern skeptische, leichtsinnig dahin lebende^Menschen, die seither in allen Vorurthcilcn ihrer Erziehung befan-!gcn waren. Wilde gibt es im Staate Ncw-Iork dermalen ebenso wenig als wir in Frankreich noch Druiden besitzen und eS istdadurch den Missionären mancher Trost entzogen, denn zwischenIowas , die von Zeit zu Zeit einen Mensche» fccsscn, und über-müthigen Kaufleute» mit weitem Gewissen kann einem Seelsorger!dic Wahl nicht schwer fallen, wenn eS ihm freigestellt würde, diese^odcr jene zu seinen Schasen zu wählen.