Ausgabe 
5 (31.8.1845) 35
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Während so der Bischof Hugueö seinen Nlerus, seine Gläu-bigen und alle Dissidenten erbaut, unter welchen er im Rufe derHeiligkeit und des hohen Verdienstes steht, ist der anglicanischcBischof von New-Iork für die ganze Stadt ein Gegenstand desAergernisses geworden. Ich erwähne dieser Geschichte nur darum,weil die Justiz bereits darüber entschieven hat. Mr. Onderdonkwar nicht nur ein Fcinv des Cölibatö der Geistlichen,^ seinGlaube gab ihm ein Recht dazu, sondern die freie Forschungund das freie Leben hatten ihn förmlich zum musclmämnschenPolygamen gemacht. Unter den übrigen Geboten Mahomcdshatte er jedoch wieder eine Auswahl getroffen, denn der Weinhatte besondere Gnade gefunden vor seinen Augen. Auf die Klagemehrerer Prediger' hin hat nun die Versammlung der protestanti-schen Bischöfe Mr. Onderdonk abgesetzt unv am 20. dieses Mona-tes nach einem zweitägigen Wahlkampse Mr. Potter an seine Stellegewählt. ES traten bei dieser Wahl die beiden bischöflichen Par-teien auf und wir können somit ihre Kräfte nach derselben bemessen.Die Statuten der Sccte bestimmen nämlich, dasz der BisthumS-Candidat von der Versammlung der Geistlichkeit vorgeschlagen,dann aber von sämmtlichen Laienabgcordneten der Pfarreien geneh-migt werden muß. Die Majorität des Klerus ist puseyistisch,denn der Puscyismuö hat in Amerika gerade schon so viel Grundund Boden gewonnen wie in England , und sie wählten daherAnfangs einen Kandidaten aus dieser Schule. Nun aber kamendie Laien, welche die Ansichten ihrer Pastoren nicht theilen, dennsie sehen nicht ohne Grund in dem Puscyismus eine Hinneigungzum PapismuS, und verwarfen den Hochwiudigcn, welcher vorge-schlagen war. Mr. Pottcr, dem das Verdienst gebührt, daß erein vollblütiger Auglicaner ist, wurde darauf zum Bischöfe gewählt.

Doch es ist Zeit, daß ich Sie nach so ärgerlichen Geschich-ten wieder erbaue und ich will Ihnen daher Einiges von denKlosterfrauen deö heiligen Hcrzenö (clu sulliü ocieui) erzählen.Diese Ordcnsfraucn haben acht Häuser in den Vereinigten Staaten und eines in Canada, in welchen su> der Erziehung der weiblichenJugend sich widmen. Kein Land bevnrfte in der That diesesOrdens mehr als Nordamerika , denn die hiesigen Pensionate warennur Schulen der Eitelkeit, des PianoS und des Tanzes und be-günstigten die natürlichen Neigungen der Manchen, statt daß siedieselben auf den rechten Weg hätten leiten sollen. Sie könnensich einen Begriff davon machen, wenn ich Ihnen eines der Festebeschreibe, die in diesen Pensionaten gefeiert werden. Die Zög-linge wählen sich alle Jahre eine Maikönigin, nicht die bravste,sondern die schönste; diese erhält dann Ehrcndcunen, Pagen, unvwird auf einem Throne gekrönt, alles im Beiseyn einer zahlreichenSippschaft von Verwandten und Freunden. Nach dieser Ceremonie,rn welcher die frühreife Cogucttcrie die schönste Gelegenheit findet,sich bestens zu entwickeln, kommen Komödien und Polka's, in wel-che» jene glänzen können, welche bei der Wahlhandlung ohneWürde und Amt geblieben sind. Die Ordcnöfraueu des heiligenHerzens wissen besser was Erziehen hnßt und ihre Pensionate be-finden sich in einem sehr blühenden Zustande. Selbst protestanti-sche Eltern übergeben ihnen oft ihre Töchter, so groß ist dasVertrauen, dessen diese heiligen Seelen genießen. Die gegenwär-tige General-Supcriorin deö Ordens in Amerika ist MadameHardey, eine Jrlanderin; in gleich hoher Verehrung aber stehtDie Frau von Kcrsaint, von der die ganze Ordcnsgenossenschastnur mit Thränen der Bewunderung im Auge sprich:. Tochtereines Admirals von Frankreich vereinigte Frau Hcnrictte von Kcr-saint in ihrer Person Alles, womit man in der Welt eine glän-zende Carriere macht, und die Welt wurde darum von nicht ge-

ringer Verwunderung ergriffen, als sie sich in der Blüthe ihrerJugend in c-'n Kloster zu O.uimper begrub. Dort war sie indessenihrer Familie noch zu nahe und sie wollte mit Niemanden mehrVerkehr haben als mit dem Himmel. Darum war sie die Erste,welche sich stellte, als die Rede davon war ein OrdenshauS desheiligen Herzens in den Vereinigten Staaten zu gründen. Schonlänger als zwölf Jahre ist sie jetzt in Amerika und wenn ein Hausgegründet ist, begibt sie sich sogleich an einen anderen Punct, umdort ein anderes zu gründen und wählt aus diese Wcisc sich selbststets die schwierigsten und anstrengendsten Posten. Schon mehrals zwanzigmal wollten ihre Genossinnen sie zu ihrer Supcriorinernennen, allein sie hat sich stets geweigert, diese Stelle anzuneh-men und befindet sich gegenwärtig in Canada, wo sie armen Kin-dern Schule hält, während sie die Sorge für die reichen ihren?Kloster anvertrauten Töchter Anderen überläßt.

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Italien .

CanonisationSproceß einer Schäferin.

Es schwebt gegenwärtig in Rom der CanonisationSproceßeiner frommen Schäferin, Gcrmainc Cousin, aus Toulcnse.Sie ward 1579 von frommen Eltern geboren, verlor ihre Mut-ter früh, und wurde von einer lieblosen Vase zur Hcerde geschickt,als sie kaum zu laufen vermochte. Unter harten Leiden jeder Artwuchs sie auf, aber sie sah in Allem die Hand des Herrn nndgewann Armuth und Verachtung lieb. Weit von der Dvrfkirchchütete sie ihre Schafe, aber jeden Morgen ging sie zur heiligenMesse, überließ unterdcß die Hecrdc der Obhut Gottes. JedenSonntag suchte sie zu communicircn, und ihre Andacht zur gött-lichen Mutter war so groß, daß sie stets beim Läuten des engli-schen Grußcs sogleich ans die Kniee siel, selbst wenn sie im Wasserstand, um ihr Gebet zu verrichten. Sie galt in ihrer kindlichfrommen Lebensart nicht nur für eine Betschwester, sondern dieBase hielt sie auch für untreu, da sie es für unmöglich hielt, daßdieselbe mit dem wenigen Brod, das sie erhielt, leben könne, unddoch theilte sie davon noch andern Armen mit. Die Base drohteihr daher mit einem Stocke, wenn sie nicht bekenne, und durcb-suchte ihren Schrank; doch statt einen Vorrath von Brod oderEßwaaren zu finden, lagen duftende frische Blumenkränze darin,zu einer Zeit, wo überall nur Schnee und Eis blühte. Bon nunan hieß man sie nicht mehr die Betschwester, sondern die Heilige.Im Jahre IliOl starb die Schäferin und wurde iu der Kirchebegraben; drei Jahre später starb eine andere aus gleicher Familie,ihre Base, und man wollte die Grusl der Heiligen öffnen, umdiese ihr beizugesellen. Als man den Stein abhob, fand man denLeichnam der Schäferin, als ob sie erst gestern gestorben wäre.Die Spate des TodtcngräbcrS traf sie in'S Gesicht, und dasrothe Blut quoll hervor, als wenn das Leben gar nie von ihrgewichen wäre; mit einem frischen Kranz auf dem Haupte und miteiner Kerze in den Händen, lag sie da und wurde von Allen gleicherkannt. Man enthob sie und setzte sie aus, bis 1t)45. Dabegab cS sich, daß eine adelige Frau den Anblick des Leichnamsnicht ertragen konnte; sie befahl, ihn zu entfernen. Doch nichtlange nachher erkrankte ihr Kind, sie selbst wurde von einem har-te» Uebel befallen, alle Hilfe der Aerzte war umsonst. Da riethihr der Gemahl, sie solle die Heilige um Verzeihung bitten, daßsie dicflbe verstoßen. Sie thaten es in gemeinschaftlichem Gebete,worauf die Schäferin in unbeschreiblicher Schönheit ihn?n erschienund ihre und des Kindes Genesung ankündigte, was vollkommen