Ausgabe 
5 (31.8.1845) 35
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

--

eintraf. Von nun cm wurde sie bekannter und besucht von allenOrten. Ueber alle ihre Lebensunistände, Unvcrweolichkeit undWunder wurden die genauesten Untersuchungen aufgenommen, undcS steht in Aussicht, daß die Schäferin, wie sie den Lohn ihrerTrene im Himmel erhalten, auch auf der Erde als eine Heiligebekannt und verehrt werden soll.

Evangelischer Missionseifer.

Die Verhältnisse und das Wirken der englischen MissionSge-scllschaft auf Neu-Sccland veranlaßte im englischen Parlamente eineDiScussion, die nicht weniger als drei Tage andauerte und denBeschluß eines UntcrsuchS veranlaßte, obschvn das Ministeriumsolchen mit aller Krast zu hindern suchte. Aus dc» Verhandlun-gen hat sich herausgestellt, daß die Londoner Missionogcscllschaftdie Niederlassung europäischer Kolonisten auf Nen-Seeland auf jedemögliche Weise zu hindern suchte. Der Plan war kein anderer,als ein ausschließlich aus Eiugcbornen bestehendes Reich zu grün-den, dessen Regierung iu den Händen der Missionäre liegen sollte.Was man an der schönen Anstalt der Jesuiten auf Paraguay alsdie Schattenseite dargestellt hat, das suchte der englische Missions-vercin zu verwirklichen, ohne seine Lichtseite ohne die christlicheLiebe und Aufopferung uneigennütziger Missionäre. Nicht bloß dieNiederlassung von Europäern wollte man hindern, sondern auchdie politische Oberhcrrlichkeit der englischen Krone über das Gebietder Colonic. Die Missionäre suchten die Eingeborncn mit Haßgegen die Europäer zu erfüllen, was ihnen so wohl gelang, daß im März l. I. zu einem gräßlichen Kriege zwischen den Ein-geborncn und Ausländern kam, wie der Capitän des SchiffesMidlothian aus Sidncy »ach London berichtet. Die englischeFahne wnrdc niedergerissen, die Stadt Kororika niedergebrannt,100 Eingcboruc und 20 Engländer auf dem Schlachtfeld getövtct,die niedergelassenen Engländer muhten sich flüchten, Sir R. d'Oyleyschrieb »ach England:Die Kolonie Neu-Sccland ist für England verloren, wenn nicht die Pest neun Zehntheilc der Eingeborncnwegrafft."

Man dürfte sich mit Grund verwundern, wie die MissionS-gcscllschaft im Stande war sogar die Obcrherrlichkcit Englands wenigstens übcr dcn Thcil von Ncu-Sccland zu verhindern, wosich englische Colvnistcn niedergelassen hatten, wo England einenGouverneur ausgestellt hatte, und im Augenblick, wo es einerGesellschaft bcsondcrc Privilegien zur Benützung dieses Landes er-theilt hatte. Aber die Sache wird begreiflich, wenn man weiß,daß Lord Glcnelg, Chef dcS ColonialwcscnS, eines der einflußreich-sten Mitgiicdcr der Missionogcscllschaft ist, nud noch viele anderesolche Beamte ihr angehören, die alle darauf bedacht waren, die

rium hat zwar anscheinend gesiegt; aber dieser Sieg sieht einerNiederlage vollkommen gleich. Man darf das Wirken dieserMissionäre, die nur auf Ehre und Stellen bedacht sind, nursich selbst überlassen, der Laus der Dinge wird sie erreichen.Diese Missionäre sind auch iu Asien gleich beliebt. Man ist sc>darauf bedacht ihrer los zu werden, daß man ihnen in Syrien an einigen Orten für baarcs Geld keine LcbcnSmittcl gab, um siezum Verlassen des Landes zu nöthigen. Zu Saphct und Abbejahat man sie mit Gewalt fortgetrieben. Dennoch beziehen dieseHerren schöne Besoldungen, in dem Grade größer, als zahlreicherihre Familie wird. Um einige Früchte des MissionSeiserö in denobligaten Berichten ausweisen zu können, stellt der Herr Missionär einen heidnischen Bedienten an, droht ihm dann mit Fortjagen,wenn er nicht in die Predigt komme, und so ist der Convertirgemacht. Solche Bekehrungen kosten je »ach Umständen verschie-den sieben Piaster des TageS oder dcn Hauszins, oder wiezu Jerusalem den Titel eines BisthumS-Architekten, um nichtszu bauen, oder dcn Titel eines MissionS-Dvlmctschers, um nichtszu dolmetschen. Ein ernsteres Eingehen in die protestantischenMissionen des Orients würde die erbaulichsten Scenen anö Tages-licht bringen. Wer behauptet dieß? Nicht ein katholischesBlatt, sondern diePresse" von Paris .

Deutschland .

Von der Donau . Noch sind es nicht volle fünf Jahre,seitdem das adeliche Gut W. an der Donau durch Kauf aus den Handeneines adelichcn Gutsbesitzers in die eines bürgerlichen übergegangen ist.Als Letzterer das Gut angetreten hatte, da entstanden zwischen ihm undder Gemeinde nach und nach nicht weniger denn vierzehn Processe.Ganze vier Jahre wurden dieselben mit großer Erbitterung und beider-seits nicht »»bedeutenden Kosten fortgesetzt. Das einschlägige königlicheLandgericht war fortwährend mit diesen Parteien beschäftiget, aber alleBemühungen waren umsonst. Es wollte kein Vergleich, keine Aus-söhnung zu Stande kommen. Endlich fand sich der sehr würdige Land-gerichtS-Vorstand bewogen, dcn erst neulich dahin versetzten Functionär

St____.... mitdemAuftragczu betrauen, scineKräftein dieser odiosen

Sache zu versuchen, um endlich einmal eine Versöhnung zwischen demGutebesitzer und der Gemeinde zu bewirken. Mit Freude, aber inncremLangen übernahm derselbe dieses höchst mühsame Geschäft. Im Ver-trauen auf Gottes Beistand, der ein Gott des Friedens ist, begann erdie Verhandlungen mit einer eindringenden herzlichen Anrede an dieParteien. Schon vorher hatte er mit voller Andacht dem heiligen Meß-opfer beigewohnt nnd scin schönes Vorhaben der Fürbitte des opfernde»Und sieh da! sein inbrünstiges Gebet sand Er-

Priesters cmpsohlcn.

Ansicdlung von Engländern zu hindern und der MissionSgescllschaft! hörung, sein wohlgemeintes FricdenSwort erweichte die Herzen. Beide

Parteien wcintcn Thrcincn der Freude und reichten sich die Hand zurVersöhnung. Alle Processe wurden ausgeglichen und seitdem leben diebisher sich Feindlichen iu ungestörtem Frieden und in schönster Einigkeit.Am darauffolgenden Tage wurde zur Danksagung, auf allgemeines Ver-langen, in der sehr schön gelegenen Capcllc dcö Dorfes ein feierlichesHochamt abgehalten, bei welchem kein Herz uugcrührt und kein Augedie Missionsgcscllschaft zu dieser Stelle gekommen und war ihr! ohne Thränen blieb. So viel kann ein Beamter wirken, wenn eraus noch andern Gründen ganz dienstbar; er nnd seine Nachfolger iGercchtigkcitoliebe mit wahrer Gottesfurcht vereiniget. Ehre diesemwirkten dcn europäischen Colonistcn entgegen. Das AuSbrcchcn der!braven Manne! er hat zu Stande gebracht, was man früher füroffenen Revolution gegen die Rcgieruug vermochte endlich die Auf-!unglanblich gehalten hätte! Möchte er noch recht viel Gutesmcrksamkcit dcs englischen Parlamentes zu fesseln. Das Ministe- wirken! (Sion.)___

alle Gewalt zu verschaffen. Die ColvnisativnSgescllschast thatSchritte, um sich mit der MisuonSgcscllschaft gütlich abzufinden,diese aber wies jedes Ancrbictcn von sich. Die Colonisten mußtenden Eiugcbornen das Land abkaufen und ihre Herrschaft anerken-nen; im Grund aber waren cS die Missionäre, die alles lenkten.Capitän Hobson, der erste Gouverneur dieser Kolonie, war durch

Peramwvrtlichcr Rcda-teur: L. Schönchen.

Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.