Ausgabe 
5 (7.9.1845) 36
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Attgsvorger

Postzeitmtg.

weite Jahreshälfte.

7. Sept. 1845.

Katholische Briefe aus Nordamerika . *)

Ncw-?jvrk, 30. Juni 18ä5. Das kirchliche OrganPresbytcriancr in dcn Vereinigten Staaten vom Monat Juni ent-hält die nachfolgende merkwürdige Anzeige:Die Generalver-sammlung der PrcSbvtericmcr empfiehlt den Donnerstag vor demvierten Sonntage des Juni als einen Tag des Fastcns und desGebetes, weil der Einfluß Gottes auf feine Kirchen im Augen-blicke vollkommen aufgehört hat." Sollen wir einen Commcntarzu diesen Worten schreiben? Nein, wir wollen dieses einem an-deren amerikanischen Blatte, demChnrchman", überlassen, denn wirkönnte» sonst i» Verdacht kommen, es fehle nnS an Liebe. Beijenem protestantischen Blatte wird das der Fall nicht seyn undwir könnten ohnedies; die Sache nicht besser auffassen, als es be-reits dort geschehen ist.

Wie, ruft der Chnrchman aus, Gottes Einfluß auf dieKirche soll suspcndirt seyn! Was will das hcißcn? Gewiß hatdieses Blatt sich in Bezug auf die Ursache des von der General-versammlung vorgeschriebenen Fasttages getäuscht, denn cS wäreunbegreiflich, wie eine so intelligente Körperschaft auf einmal sowahnwitzig werden sollte von einer Suspension des EinflussesGottes zu reden, da doch ein jedes ihrer Mitglieder wissen muß,daß Christus seinen Dienern und der Kirche versprochen hat, stetsund bis an das Ende der Zeiten bei ihnen zu bleiben.Ichwerde alle Zeit und bis an das Ende der Welt bei Euch bleibe»;da wo Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, binich mitten unter ihnen." Die wahre Existenz einer Kirche hängtalso von der Existenz des göttlichen Einflusses auf sie ab, undhat dieser Einfluß aufgehört, was soll man da von der Kirchehalten? Hat daher die Generalversammlung wirklich die in Redestehende Verordnung erlassen und ist der Zustand der presbyteriani -schcn Kirchen wirklich der Art, wie die Versammlung in diesemE, lasse ihn schildert (was Niemand besser wissen wird als die Gc-neralvcisammlung selbst), so folgt ans dcn Worten des Heilandesin nothwendiger und logischer Weise nur so viel, daß die Gläu-bigen der besagten Kirchen sich nicht mehr im Namen Christi ver-sammeln. Nach der feierlichen öffentlichen Erklärung ihrer Häupter

^) An das UniverS gerichtet und vom Katholik übersetzt.

! ist also die prcSbytcrianischc Kirche todt. Wo werden also künftig!die Blitze des Vaticans in Philadelphia ihre Kraft hernehmen,>wenn selbst Jene, welche gegen Rom am heftigsten heulen unddonnern, in einem authentischen Acte verkünden, daß Gott sieverlassen hat? Kann durch solche Menschen der Irrthum entlarvt,kann durch solche Hände der Aberglauben auSgcrcutet wcrdcn?Sind das die Kämpen, welche die Kirche umstürzen sollen, dieeinen Pascal und Fcnelon hervorgebracht hat? Ich bin sicherkein Lobrcdner Roms, ich fühle keine Sympathieen für Rom,allein Nom kann trotz aller seiner Irrthümer lebendige Beweiseaufzeigen, daß Gott noch mit ihm ist. Oder soll vielleicht dcnMängeln der römischen Taufe durch jene Männer abgeholfen wcr-dcn, bei welchen eine Suspension des göttlichen Einflusses statt-findet? Welcher vernünftige Mann möchte einer scheinbar religiösenGenossenschaft angehören, die ihrem eigenen Geständnisse nach nurperiodisch der Wahrheit des heiligen Geistes unterworfen ist, dannaber gleich einem gcilvanisirtcn Lnchnamc, der in einigen krampf-haften Windungen ein scheinbares Leben geführt, sofort wieder indie Unbcwcglichkeit des Todes zurückfällt?"

Dieses Gemälde ist getroffen und wir wollen nur noch einenPinsclstrich hinzufügen, indem wir eine Geschichte erzählen, die sichneulich zu Ncw-Aork zugetragen hat. Ein dortiger prcobytcriani-schcr Prediger war durch seinen Haß gegen dcn Katholicismus vorallen Andcrcn ausgezeichnet und cS verging kcin Sonntag, an demer nicht von den Infamien des Papstthums gepredigt hätte. DerMann glich dem alten Knox, jenem angeblichen KirchcnvlrbcsscrcrSchottlands , der einst die Kirchen zerstört und die Gräber derKönige entweiht hatte, auf'S Haar, und fehlte ihm wahrhaftignicht an gutem Willen, um die Rolle seines Patrones in ihrerganzen Ausdehnung zu spielen. Plötzlich wird dieser Unglücklichekrank und ist nun schon zwei Jahre im Zustande der Lähmung andas Krankenlager gefesselt. Was sagen nun die Presbvtcriancr, umdiesen Zustand zu erklären? Die Papisten hätten durch ihreZauberkünste Gott betrogen und diese Züchtigung vom Himmel aufihn herabgezogen! Da dieser Fanatiker in dem Tempel, in wel-chem er pcrorirtc, keinen Nachfolger fand, so ist die Kirche zumVerkauf ausgcbotcn worden, und wer hat sie gekauft? MonsignvreHugueS, der katholische Bischof von Ncw-Vork. So eben ist sieconsccrirt und für unseren Cultus bereits eingerichtet worden. So