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geht es aber, früher habet Ihr unsere Kirchen niedergerissen, und
jetzt segnen wir die eurigcn!
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Ncw-?jork, 31. Juni 1845. Sie verlangen sü'r dieKatholiken ihren Unterdrückern gegenüber die Freiheit wie inBelgien . Mit eben so viel Recht könnten Sie indessen die Frei-heit wie in Amerika verlangen und wir möchten wirklich einmalsehen, wie dann der „National" gegen diese Musterrcpublik geifernwürde, der er doch sonst alle seine Sympathiccn zuwendet. Inden Vereinigten Staaten ist die Kirche wahrhaft frei und der Ka-tholicismus macht unermeßliche Fortschritte, Dank diesem Regi-ments der Freiheit. Uebcrall erheben sich neue Kirchen und esvergeht keine Woche, in der ich nicht in den religiösen Blätterneine neue Grundsteinlegung oder die Consecration einer Kirche er-wähnt finde; denn auch katholische Zeitungen gibt es in den Ver-einigten Staaten und Canada, und meines Wissens haben Ncw-Aork, Philadelphia, Baltimore, Pittsburg, New-Orlcans, Mont-real und Qucbcck Blätter, welche ausschließlich religiöse Fragenbehandeln und besonders eine sehr gewandte Polemik gegen die pro-testantischen Blätter handhaben. Die Blätter dieser drei letzterenStädte werden in französischer Sprache geschrieben und auch Ncw-Aork thäte ein periodisches Blatt iu dieser Sprache Noth, um aufdie französische Bevölkerung einzuwirken, welche der Courricr desEtatS-uniS an der Nase herumführt. In Ermangelung eines eige-nen religiösen Blattes findet indessen die Kirche eine mächtigeStütze in einem der verbrcitetstcn politischen Blätter von New-Aork, dem Herald, der jeden Montag eine der am Tage vorhergehaltenen katholischen Predigten veröffentlicht. Diese Predigtenhandeln alle von höchst zeitgemäßen Gegenständen, deren Erör-terung eben die Umstände erfordern, z. B. von der Suprematiedes Hapstcs, der reellen Präsenz, den Gebeten für die Abgestor-benen u. s. w. und die lichtvolle Behandlung dieser Gegenstände,die von einem thcilweise protestantischen Auditorium schon einmalgehört worden ist, wird von Häretikern und wahren Gläubigenoann auch noch einmal gelesen. Nichts kann aber auch dem Eiferder katholischen Geistlichkeit Schranken setz n und die glänzendenErfolge, welche sie bereits errungen, flößen den Predigern derdcssidircnden Secten einen nicht geringen Schrecken ein. Wenneinem tieferen Blicke schon jetzt der Augenblick nicht mehr verbor-gen ist, in welchem England katholisch seyn wird, so bedarf eseines viel geringeren prophetischen Geistes, um jetzt schon voraus-sage» zu können, daß ehe fünfzig Jahre vergehen, sich in Nord-amerika die Mehrheit der Bevölkerung der Sonne der Wahrheitzugewendet haben wird. Ucbrigens führt nicht der Proselytismnöallein dieses Resultat herbei, denn die Auswanderung wirst unauf-hörlich ganze Ströme ncncr Einwohner nach Nordamerika , diegrößtcnthcilö Jrländcr, d. h. Katholiken sind. Diese Männeropfern nun wohl ihre Nationalität, aber nicht ihren Glauben auf,und von den 400,000 Seelen New-Zjoa'ks gehören bereits l 50,000ihnen an. Der Jrländcr, der über den Ocean geht, wird fürsein Exil durch eine gewisse Wohlhabenheit entschädigt, denn inAmerika gehört das Elend zu den Ausnahmen, während es inIrland die Regel ist. UcbrigcnS ist eine gute Stiefmutter immernoch nicht im Stande das Gedächtniß der Mutter zu verwischen,die wir verloren haben, und Sie müssen mir erlauben Ihnen hier!die Geschichte eines Kindes des grünen Erin zu erzählen, die ichselbst erlebt habe.
Patrik O'Cvnnor lebt des festen Glaubens, cr stamme voneinem der alten irischen Könige ab nnd wie cS sich nun auch mit^der Authenticität dieses erlauchten StammbaumcS verhalten mag,!
so viel ist gewiß, daß der Gedanke daran und an seine gegen-wärtige niedrige Stellung ihn tief niederdrückt. Das Feld, wel-ches cr bebaute, sagte er mir, sey in alten Zeiten mit dem be-nachbarten schönen Schlosse durch Heinrich II. seinen Vorfahrengenommen worden und so müßten die Nachkommen im Schweißeihres Angesichtes jetzt das Land umpflügen, über welches ihreAhnen einst geherrscht. Patrik also war zwölf Jahre alt und dasälteste von sechs Kindern, die in einer Erdhütte von Connaughtmit Vater, Mutter, Großmutter und Urgroßvater vegetirten, keinanderes Bett als eine Streu von Hcn und Stroh und zu Tisch-genvsscn zwei Schweine hatten, die mitten unter ihnen schliefen.Diese Schweine müssen sehr schmutzig gewesen seyn, wie VictorHugo sagt. Der Vatcr, der allein arbeiten konnte, bebaute einkleines Kartoffelfeld, um seine Familie damit zu erhalten, denn inIrland essen die Reichen unter den Armen zwei- oder dreimaltäglich von diesem gesegneten Knollengewächse. Patriks Familiewar indessen nicht so glücklich und der Garten brachte kaum so vielhervor, daß die zwölf Einwohner der Hütte sich einmal im Tagesättigen konnten. Nahm daher der Vorrath ab, so fastete derVater mehrere Tage um seinen Kindern keinen Abbruch thun zumüssen. Patrik, dem diese schmerzhafte Enthaltsamkeit wehe that,wollte seine Portion oft mit dem Vater theilen, doch vergebens.Da faßte das Kind den Entschluß seiner Familie nicht mehr zurLast fallen zu wollen und da es schon oft Haufen von Emigrantengesehen, die ihr Dorf verließen und nach einem Lande zogen, woman, wie cS hieß, sein Glück machen konnte, verließ er Nachts dieHütte und machte sich auf den Weg nach Dublin , wo cr auf einemnach Amerika segelnden Schiffe als Schiffsjunge Aufnahme fandund in kurzer Zcitfrist auf dem Pflaster von New-Aork stand.Es gibt hier nun mehrere Wohlthätigkcits-Gesellschaften jederNation, die ihre Landslcutc unterzubringen und zu unterstützensuchen und Patrik kam durch Vermittelung einer solchen im ver-flossenen Jahre als Bedienter in eine französische Familie, die sichseiner annahm. Trotz der guten Nahrung, Kleidung und Be-handlung dachte indessen das arme Kind immer noch an Irland und besonders lebendig wurde die Erinnerung in ihm, wenn cr —eine Kartoffel sah. Doch nur trauriger Art sind die Erinnerun-gen, wclchc dicscr Anblick in sein Gedächtniß ruft: wie viel erfreu^licher war doch die Zeit, als er mit dieser köstlichen PflanzeBlüthe» seiner Schwester Kränze wand oder daraus Sträuße fürdie heilige Jungfrau band. Patrik muß also diese seine theuereBlume wieder haben und sehen, allein cr lcbt in cincr großenStadt und weit entlegen ist das Feld. FlugS reißt cr also indcm kleinen Hofe seiner Herrschaft ein paar Steine auf und pflanztin die Zwischcnränmc das Fragment einer Kartoffel. Jeden Mor-gen beschauet nun Patrik so eifrig wie ein Botaniker die Fort-schritte, wclchc scin Liebling in der Vegetation gemacht, jedenAugenblick, den er von seiner Arbeit abbrechen kann, bringt crbei der Pflanze zu und verliebt sich förmlich in dieselbe, wie derGraf von Charncv in seine Picciola. Und in der That die Blät-ter entwickeln, die Knöpfe bilden sich, Morgen des TageS wird diegeliebte Blume sich entfalten. Patrik träumte in dicscr Nacht vondcr blassen Blumcnkrone, seiner Mutter, seinem Dorfe, von denSpielen seiner Kindheit. Allein o weh! am andern Morgen istAlles fort, Blume», Knöpfe, Blätter und Wurzeln. Die Kinderdes Hauses, die im Hofe gespielt, haben die arme Pflanze ausgc-risscn, weil ihr Spielplatz dadurch entstellt worden war!
An demselben Tage — es war gestern — spcistc ich in die-ser französischen Familie und bemerkte, daß Patrik, dcr uns andcr Tafel bediente, tief betrübt war. Als ich nach der Ursache
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