Ausgabe 
5 (7.9.1845) 36
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fragte, erzählten mir die Kinder lachend diese Geschichte und sag-ten, der Groom sey ein großes Thier, wenn ihm diese elendeBlume so leid thue. Dieses Alter kennt kein Mitleid I Ich fürmeine Person theilte diese Heiterkeit nicht und betrachtete Patrikmit solcher Bewegung, daß das arme Kind darüber ganz außerFassung gericth und weinend das Zimmer verließ. O Gefühl vollerSlcrne, der Du den Onkel Tobn, den Lieutenant Lescvre, denEdelmann aus der Bretagne und den Pastctcnbäckcr von Versailles so unübertrefflich geschildert, was würdest Du aus dieser Geschichtegemacht, und Du guter Ludwig XVI. , der Du einst die Blumedes Kartoffelkrautes stolz in dem Knopflochc Deines Königrockesgetragen, mit welchem Entzücken würdest Du dieses Kind in DeineArme geschlossen haben!

Der Mariencnltus in Rom .

(Aus dem dritten Bändchen von Hurter'SGeburt und Wiedergeburt.")

Es ist oft gesagt und in neuester Zeit als ausgemachteSache wiederholt worden, daß in Rom über der Mutter derSohn, über Maria der Erlöser, wenn nicht beinahe vergessen,doch in den Hintergrund gestellt werde. Ihr, wird gesagt,seyen die meisten Kirchen geweiht, zu ihren Festen vereinige sichdie vorzüglichste Feierlichkeit, zu deren Verherrlichung werde dasMeiste aufgewendet, ihr Bild an den Straßenecken und an Ge-bäuden am häufigsten gefunden, zu ihr am vcrtrauensvollestcn inden Kirchen gefleht, die laurctcmische Litanei am inbrünstigsten ge-betet, ihr Lob schalle des Abends in Gesängen vornehmlich durchdie Straßen, durch ihren Namen wolle der Arme zur mildenGabe bewegen unv als Bcthcnrung und Ausdruck des Staunenssey er im Gespräch am öftersten zu vernehmen. Beherrscht vondieser Meinung, wenn gleich nicht in ähnlichem Grade darüberentrüstet, wie manche Andere, kam ich nach Rom unv glaubte,in mancherlei Wahrnehmungen eine Bestätigung derselben zu fin-den. Auch ich war anfangs geneigt, dafür zu halten eine solcheHintansetzung des Erlösers zu Gunsten seiner jungfräulichen Mut-ter lasse sich gar nicht in Abrede stellen; eine Vernachlässigung,welcher, wenn sie wirklich statt fände, ein wahrer Christ das Wortdoch niemals reden könnte. Allein auch hierüber wollte ich nichtsofort urtheilen, sondern sehen und hören. Allererst erlaubte ichmir gegen einen deutschen Geistlichen meine Besorgniß zu äußern,daß eine solche Hintansetzung schwerlich zu mißkcnnen sey. Dieservermochte aus längerer, unbefangener Beobachtung dieselbe zulösen, er bewies mir, daß auch diese Anschuldigung aus jenerOberflächlichkeit hervorgehe, die in Unfähigkeit, Alles sorgfältigzu beobachten und mit einander in Verbindung zu bringen, als-bald mit einem fertigen Urtheil in Bereitschaft stehe.

Auch das gemeine Volk in Rom , bemerkte er mir, kenneden Unterschied zwischen Christo, der Fülle der Gnade, und Ma-ria, der Fürbitterin um Gnade, gar wohl; und wenn auch derenName in seinem Mund häufiger vorkomme, und wenn auch durchdie Maricnfcstc die Erinnerung an sie lebhafter angeregt werde, sodürfte ich mich vollkommen überzeugt halten, daß Niemand in Rom so unwissend sey, entweder Mutter und Sohn auch nur gleich zusetzen, oder das, was dem Sohn allein gebühre, auf die Mutterübertragen zu wollen. Schon daß abwechselnd durch die Kirchendas ganze I.rhr hindurch das Sanctissimum ausgestellt sey, erhalteden Glauben an den Erlöser und die Anbetung desselben und daSVcrtranen auf ihn stets durch das ganze Volk lebendig.

Ich vernahm die gegebenen Aufschlüsse gerne, unterließ abernicht von deren Triftigkeit durch eigene Beobachtung mich zu

überzeugen. Die erwähnten Ausstellungen des Hochwürdigstcn -^abendem Bemerkten nicht geringe Bestätigung. Eine solche Ausstellung,welche in der betreffenden Kirche Jedesmal ^0 Stunden dauert,zeigt schon in der äußern Anordnung, daß hier das Höchste j?chfinde, was dem Glauben des katholischen Christen kann dargebotenwerden. Ich habe während dieser Feierlichkeit eines Abends nachder St. Pctcrskirche mich begeben. Sie gewährte einen imposan-ten Anblick. Auf dem Hochaltar, über den hundert Lampen umdie Lonlessio der Apostclfürstcn, stand unter einem Wald bren-nender Wachskerzen das hochwürdigstc Gut. Dnrch jede Scitcn-capcllc verbreitete eine einzige Lampe ein unsicheres Liebt, undhinauf in die hohen Wölbungen und hinaus bis zum Eingangzerrann der Lichtglanz in das Dunkel. Hunderte von Beternknieten, in Andacht versenkt, an dem Geländer der <>c>nfessio,viele andere zerstreut in den gewaltigen Schlagschatten, welche diePfeiler warfen. Dieß, vierzig Stunden ununterbrochen dauernd,gemahnt Jeden an die Nähe dessen, welcher der Qncll und dasZiel seines Glaubens ist. In ähnlicher Weise findet diese Aus-stellung in jeder andern Kirche statt. Nun gibt cS wohl Niemandin Rom , der noch als Glied der Kirche gelten wollte, welchernicht mehrere Male während des Jahres durch die Anbetung, dieer dem Sanctissimum erwiese, lebendig dar.in erinnert würde, wersein Haupt, wer der Quell des geistigen Lebens, wer der Grundseiner Zuversicht sey. Außerdem besteht ciue sehr zahlreiche Erz-bruderschaft vom cillccheiligsten Altarssacrament, die zur immer-währenden Anbetung desselben sich verpflichtet hat. Hiezu sendetsie unausgesetzt, Tag und Nackt, das ganze Jahr hindurch, einigeihrer Glieder in die Kirche, welche an der Reihe ist. Eine Erör.terung über den Glauben an die wesentliche Gegenwart Christi imAltarSsacrament kann in dieser Schrift nicht durchgeführt, wohlaber die Sache von dem katholischen Standpunct aufgefaßt undhicnach das Urtheil gesällt werden: daß vermöge dieser Einrichtungdem Sohn eine ganz andere Stellung und ein ganz anderes,unendlich höheres Verhältniß zu dem Gläubigen angewiesen werde,als der Mutter. Demnach würde jene Anschuldigung schon hic-! durch entkräftet.

Wahr ist es, daS Gebet, welches bei den kirchlichen Feier-lichkeiten zweiten Ranges, zumal bei den Abendandachten, amöftersten in den Kirchen gehört wird, und welches der Italienervon zartester Jugend an spricht und kennt, ist die LauretanischcLitanei, in welcherdie reinste, keuscheste, unbcileckte, licblicbc,wunderbare Mutter, die weiseste, ehrwürdige, mächligc, gütige,getreue Jungfrau, die Königin der Engel, der Patriarchen, derPropheten, der Apostel, der Märtyrer, der Beichtiger, der Jung-frauen, aller Heiligen," bei jeder dieser Eigenschaften und beiallen andern Auszeichnungen, die ihr beigelegt sind, um Fürbitt:angefleht wird. Wie sehr aber die jedesmalige Wiederholung des!Bitte für nns" zu jedem Ausdruck der Verherrlichung sie derl Dauer des Gebets nach hervorhebt, so tritt sie doch wieder zurückder Stellung nach, die sie in der Litanei einnimmt, und demGewicht der andern Seufzer nach. An Christus, an die Drei-einigkeit wendet sich das Hilft rufende Herz zu allererst; vonChristo, von der Dreieinigkeit hofft es Erhörung, hofft es Erbar-men; hier allein findet es den Quell der Gnaden, leren Lc^ .Maria bloß ist; cS weiß dieß, cS ist dessen fest überzeugt, n.,>,mal seufzt cS darum, und erst nachdem es sich Bahn gemach: :nachdem es vorgedrungen ist an den Thron der Allmacbi u"dGnade, sieht sich gleichsam um und erblickt Maria, wie ein«:von dem Schwerte des SchmcrzcnS durchbohrt unttr dem ,so nun von Glorie umzogen an jenem stehen; es nimm: sie gleich-