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Augsburger
Iweite Jahreshälfte.
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44. Sept. 484S.
Die Macht des Glaubens und Gebetes.
Wir haben vor einiger Zeit begonnen, cm der gottseligenGiovanna daila Croce die Wirkung des Gebetes in den Welt-Ereignissen nachzuweisen. Jetzt wollen wir nach langer Unterbre-chung den Faden wieder aufnehmen. Der gütige Leser wird sichin Gedanken zurückversetzen in die vorangegangene Darstellungwie Maria den Funken der göttlichen Liebe in sich ausgenommen,und durch das Feuer der Prüfungen geläutert zur gebietendenMacht hcrcingercist, einen neuen Geist in ihrem Vatcrlandc (Süd-Tirol) zu wecken. Die Fülle ihrer innern Gotteslicbe drängte sichmit übcrschwcllcndcr Kreist nach außen, um durch heilige Theile»den himmlischen Bräutigam zu verherrlichen, und alle Welt mitder Liebe zu ihm zu durchdringcn. Der Haushalt wurde in denschwierigen Zcitumständc» des dreißigjährigen Krieges nur mitMühe geführt, die Kunst konnte in den unkunstmäßigcn Verhältnissen wenig gewinnen, und das angestammte Vermögen reichtenicht auS, die laufenden Togesbcdürfnissc zu decken. Daher geriet!)die Mutter Girolama ans den Gedanken, durch ihre TochterGiovanna eine Mädchenschule eröffnen zu lassen, und dadurch ihrHauSwesen zu erleichtern. Diesen klugwirthschastlichcn Einsall fühltedie Tochter mit geistiger Ucbcrlcgenhcit auS, ihn als Mittel benu-tzend, die Erziehung bcs weiblichen Geschlechtes in ihrer Vaterstadtmit einem bessern Geiste zu beseelen. Wenn auch bitter verfolgtund verleumdet, hatte ihre Tugend sich doch eine so unzerstörlichc,allgemein anerkannte Geltung gewonnen, daß die reichsten undedelsten Häuser mit Freuden ihre Töchter der Obhut und demUnterrichte Giovcinna'S anvertrauten. Sie zählte bald in die vier-zig Schülerinnen, eine sehr große Anzahl beim Bestände unzähli-ger Anstalten dieser Art in der noch nicht so volkreichen Stadt.Von den Eltern gedrängt, nahm sie auch zehn bis zwölf in Kostund Wohnung auf, sie bei Tag und Nacht überwachend, alle ihreSchritte leitend. Ihre erste Sorgfalt ging dahin, die kindlichsteFrömmigkeit in ihren Zöglingen zu wecken. Die Flammen ihrerInbrunst schlugen begeisternd i»S zarte Gemüth der Kinder, undbildeten jene unverwüstliche GlaubcnSinnigkcit in ihnen aus, die,einmal ins weibliche Herz gepflanzt, kaum mehr ausgerottet werdenkann, und in der Regel für die Tugend des ganzen Lebens ent-scheidet. Beständig redete sie ihnen zu: „O Kinder! nur keine
! Sünde! Tausendmal lieber Tod, Fegicuer, Hölle, alle Peiucn dic--!ser Welt, als eine Sünde geg>n unsern Gott!" Sie sagte dießstets mit solcher Kraft, mit einem so hcrzzermalmcudcn Nachdruckedaß viele ihrer Schülerinnen gestanden, sie hätten die erschütterndeMacht dieser Ermahnung bis in ihr höchstes Alter nicht mehrvergessen können. An Communiontagcn war sie die schönste, lehr-reichste Erscheinung, ein hinreißendes Gottesbilv für die alles be-merkenden Kleinen, strahlend im Gesichte von der Ueberfulle derinnern Scelcnsrcuvigkcit, mit der äußern Thätigkeit dem Unterrichtegeweiht im regelmäßigsten Fortgangc, aber mit allen tiesern Kreis-ten ihres SeynS versammelt und aufgesogen in ihren Gott. Eineihrer geistvollsten Kostgängcrinncn, die berühmte Pcrcgrina Sai--banti, gestand nach dem Tode ihrer Lehrerin, sie habe dieses far--bcnfrische Bild nie mehr aus der Seele wischen können, und inscdcr Versuchung sey es ihr wie ein zürnender Geist zum Siegehelfend entgegengetreten, und sie hoffe mit demselben aller Todes-furcht zu trotzen. Als sich die Nachricht vom Herandringen derSchweden verbreitete, sagte Giovanna in der Schule: „Kinder!sürchtet euch nicht! Seyd standhaft im Glauben! Wenn die ketzeri-schen Soldaten nach Novcredo kommen, so wollen wir mnthig fürden Glauben sterben, und einen ewigen Kran; im Paradiese ge-winnen!" Bei diesen Worten erglühte ihr Angesicht voll heiligenFcncrs, jubelnd wiederholte sie: .Ja, Kinder! sterben, sterben!'Und aus allen Bänken regte sich die Unruhe der Mädchen, in dieder Strahl ihres AugcS heilige Todeslust gebracht. Aus dieserSchule und Kostanstall, die viele Jahre bestand, gingen die kern-hastestcn Frauen von Novcredo hervor, die Gluth heiliger Andachtin die ersten Familien der Stadt zurücktragend, in heiliger Ehethätig, den Jugcnduntenicht der siommcn Giovanna auf ihreKinder fortzupflanzen. Um ihren Geist im Eifer für die guteSache wach zu erhalte», belebte Giovanna den schon sniher einge-führten Fraucnvcrcin dnrch ihre Theilnahme, und versammelte siealle Sonnlage Nachmittag zur frommen Lesung und Betrachtungin einer kleinen Ncbcntirchc von San Marco, mit feuriger Anre-gung der unerschöpflichen Hilfsmittel, die in der weibliche» Brustfür die Frömmigkeit und Tuscnd schlafen. AuS ihren stets berei-ten Geldspenden erhielt sie die Mittel, verwahrloste Jungsraucnaus ihrem wüsten Leben herauszureißen, und sie durch lockendeAussteuer in christlicher Ehe unterzubringen. Sie redete dieselben
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