Ausgabe 
5 (14.9.1845) 37
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auf offener Gasse an, und hörte nicht auf zu bitten, bis sie er-weicht in sich schlüge» und ernstliche Besserung gelobten. Uni alleGefahr dcS NücksalleS abzuschneiden, nahm sie dieselben von derGasse mit ihren ersten Ncucthräncn weg in ihr HanS, schafftesogar Kranke dieser Art in ihr eigenes Bett, und rastete nicht,bis sie auf christliche Weise versorgt waren, trotz aller Einwen-dungen ihrer wirthschcistlichcn Mutter, die eine solche Belastungdes Haushaltes nicht gerne sah, aber ihre unwiderstehliche Toebtergleichwohl gewähren lassen mußte. Dadurch wurde ihr Einslnßaus die Bevölkerung der Stadt und Umgebung bald unermeßlichgroß, eine Art öffentlicher Macht, der »ichtZ widerstehen konnte.Dnrch ihr mächtiges Einfahren ins Her; Ader Priester wirkte sie!auf dessen bessern Theil der Geistlichkeit unendlich wohlthätig ein,!ihre Sitten reinigend, die verborgenen Funken der geistlichen Bc-Ircblsamkcit lockend, sie durchglühend zu kühner Wcltvcrachtnng imKampfe für den Erlöser. Sie war auch in jeder öffentlichen Nothdie Fürsprecherin für ihre Vaterstadt, die betend- Mittlerin zwischenGott und ihren Mitbürgern, von NathSwcgen dazu erlesen undersucht. Am schönsten trat sie iu dieser Eigenschaft 1(> aus,wo eine grimmige Pest in Rovcredo und im ganzen Lägerthalecinrisz, sie allein nicht cntmuthiget in der allgemeinen Angst undVerivirrung. Alles flüchtete auf das Land, in einzelne abgesperrteBitten, die Aerzte verließen ihren Dienst, die Priester warfen sichin schmähliche Flucht, die Angesteckte» starben ohne den Trost derheiligen Sacramcnle, selbst ihre Mutter erkrankte an der herr-schenden Seuche, ohne daß eine lebende Seele sich ihrer angenom-men hätte. Die Siraßcn standen verödet, keine weibliche Personzeigte sich auf dcnselben, die Furcht und herzlose Abwehr desUebels hatte alle Herzen versteinert. Giovanna, damals gerade27 Jahre alt, in ihrer schönsten Leibcsblüthe, lächelte allein vollseliger Zufriedenheit unter den Bildern des Todes umher, ihreMutter pflegend mit eigener Hand, und sie gesund betend, dieStraßen aus und ci» den Männern Muth einsprechend, die baldgezählten FranciScancr von Arco, die ihr Leben dem Tode für dieStadt Novcredo darboten, mit den feurigsten Ansprüchen ermun-ternd. Die rührendsten Gesichter vom ewigen Gcisterfrühlingc imHimmel uniglänzten die Glückliche, die Wohlgcrüche einer bessernWelt umströmten sie, daß sie den Jammer der Erde nicht fühlte,mitten im Leichcngestanke laut anfsang zum Preise ihres Gottes,Tag und Nacht hingeworfen an sein göttliches Herz, daß er dieStadt befreie vom schrecklichen Uebel. Und in der That, die Pesthörte Plötzlich auf, und das liebliche Bild der pcstabwehrcndcnJnngfrau lebte unvergeßlich fort im Andenken der Geretteten.Die FranciScancr, die TvdeSgctrenc», fandcn ein eigenes Klosterzum Danke für ihre Dienste in der Stadt, und wurden von die-ser Zeit an die GcwisscnSsnhrer der Giovanna, mitvcrwickelt inihre Leiden, Thcilnehmcr an allen Arbeiten für den Glauben inTirol, die Mittler der Ordcnsverbreituug nach Deutschland , stetsvon ihrem muthigcn, rastlos auf die Ehre Gottes sinnenden Geistegeleitet. AuS dicsen segcnrcichcn Wirkungen für ihre Vaterstadttrat sie allmälig in weitere Kreise über, Tirol mit ihrer Gottes-liebc umschlingend, Italien und Deutschland mit der Macht deskatholischen Glaubens zur Einheit durchdringend. Sie verband sichzu diesem Zwecke mit der Wittwe Vencria Simoncini, einemWeibe ganz eigener Art, die nach dem Tode ihres Gemahles,nach der Versorgung ihrer Kinder sich ganz den Eindrücken derGiovanna hingab, leise, still ihre Befehle ausführend, Tag undNacht gedrängt zur That für tun Erlöser, »»verrückt das hciligeZiel im Auge, durch Schmähungen stärker, durch Verfolgungenangefeuert, im Gebiete der Giovanna trotzbictcnd allen Künsten des

Widerstandes und der Lüge. Sie zogen miteinander durch dasLoppiothcil ins Gebiet der Sarcci, stiegen von Riva nach Tennohinauf, von dort über'S Gebirg nach Tionc, und hier umbcugcndheraus nach Campo im Gebiete von Stcnico, mit der wehrlosenUnschuld gottvertrauender Seelen, mit dem Herzen voll glühenderLiebe, die alle Hindernisse überwand, alle Fehlnrthcile der Welt-linge zu Schande» machte, und den, Erlöser diente in Noth undKälte, in Hunger und Durst, bei guter und schlechter Aufnahme,den Gott ihrer Seele preisend mit unaufhörlichen Seufzern.Uebcrall gründeten sie Frauenvrreine, und gaben Unterricht imGebete und in der Betrachtung. Giovanna, welcher die Machtdes Wortes überwiegend zu Gebote stand, hielt Anreden in denVersammlungen mit erschütternder Wirkung auf die Gemüther,selbst widerspenstige Piarrer zu Thränen rührend. Der PfarrerBetta in Bordecjndicaricn ging ihnen treulich zur Seite, und setztedas angefangene Werk mit Umsicht und Eifer fort, während seinerlangen Seelsorge mit Giovanna ans das innigste verbunden zumHeile der verwahrlosten, weitabgelegcnen Thalbewvhncr. Die letz-tere konnte diesen Jugcndauözug nie mehr vergessen, mit besondererLiebe blieb sie diesen rauhen Thälern zugewandt, und als sie selbstnicht mehr persönlich erscheinen konnte, sandte sie Bilder, Kreuze,Hciligthümer, die mit heilbringender Kraft durch alle Gemeindengingen, und tausendfachen Segen stifteten. Dadurch wurde in die-sen äußersten Südwcstgegenden von Tirol der erloschene Eifer wie-der angezündet, und besonders das weibliche Geschlecht geweckt zuunberechenbarem Einfluß auf die Erneuung der Familien in An-dacht und Gottesfurcht. Bald darauf wanderte sie mit ihrer Frcun-din nach Trient , in die reiche Residenz der Fürstbischöfe auS demHause Madruz, die damals unermeßlichen Reichthum entfalteten,in vier aufeinander folgenden Männern ihres Geschlechtes fast erb-lich in ihrer geistlichen Fürstenwürde. Hier schwand die wehrloseJungfrau in den Augen Wcltlichgcsinnter mit ihren muthigcnPlänen zur Reformation der Sitten in völlige Ohnmacht zusam-men, Angesichts des prangenden Hofes mit allen Anflügen einerüppigen Zeit, Angesichts der Kirchcnprälatcn, die fctteingcpfründetwenig Geist zeigten einer plcbcischen Jungfrau sich zu unterwerfen,Angesichts eines Adels, der durch Macht und Reichthum alle übrigeAvelömacht in Tirol verdunkelte. Selbst die berechnenden Jesuiten ,ihre standhaften, zurückgezogenen Freunde, mißriethen ihr das Auf-treten, weil nach ihrer Ansicht keine Hoffnung aus Erfolg leuchtete.Aber die Einsame, Zurückgestoßeue blieb allein unverzagt, bauendauf den Gott in ihrer Brust, auf die Flammen der Licbe, diestärker als der Tod die Welt überwindet. Sie dachte an dasWort des Fr-r Tomasv, daö er einst im Eifer des Geistes übersie gesprochen:O mein Gott! Wie viele Verfolgungen wirddiese Seele leiden! Barmherzigkeit! Barmherzigkeit! mein Gott undmein Herr! Strase die Verfolger nicht, erwarte sie zur Buße,betrachte und durchvringe sie mit dem Blicke deiner Milde!" DieGebetseufzcr des Hingeschiedenen gingen wörtlich in Erfüllung,Giovanna wnrde zwar lövtlich krank vor Schmerz, aber der Glaubeverließ sie nicht, daß sie durchdringcn würde zur Ehre ihres Gottes.(Fortsetzung folgt.)

Deutschland .

Einweihung einer neuen Kirche in der DiöcescPaßau.

Auf dem hohen Wollaberg (Diöcese Paßau) mit seiner rei-zenden Nuudsicht zwischen dem Baver- und dem Böhmcrwcilde,