Ausgabe 
5 (14.9.1845) 37
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den Styrer und Tyrolcr Alpcn stund über 200 Jahre ein kleinesKirchlein, längst nicht mehr ausreichend für die inzwischen mächtigangewachsene Bevölkerung der Pfarrei Wollabcrg, und bereits sobaufällig, daß es nicht mehr länger den abwechselnd aus allenRichtungen anbrausenden Stürmen und Wettern hätte Widerstandleisten können. Im April vorigen Jahres wurde cs bis auf denThurm niedergelegt, und mit einem von des Königs Majestät auf dieStiftnngSconcurrcnz-Casse angewiesenen Kostenbetrag zu 18,000 fl.,mittelst freiwilliger Hand- und Spanndienste der Pfarrgcmeindenach einem allerhöchst genehmigten Plane aus unübertrefflichemfeingearbeiteten Granit im gothischen Vaustyl neu erbaut. Sostund der großartige, in den erhabensten Formen vollendete Baufertig, geziert mit neuer Uhr von Manhart in München , classi-schem Hochaltar vom vewährten Bildhauer Ansclm Sickingcr inMünchen , mit neuen Seitenaltärcn, deren Bilder unter Leitungder königlichen Akademie der bildenden Künste in München von denKünstlern Adler und Barth daselbst trefflich ausgeführt, dann mitKanzel, Betstühlen und sonstiger Einrichtung Alles neu, und nachübereinstimmendem Plane von Meisterhand gefertigt, als am 25.v. M. gleichzeitig mit den ersten Sonnenstrahlen sein neues har-monisches Geläute und der hundertfältig in den Bergen wicdcrhal-lendc Donner der Geschütze das hohe Namens- und Geburtsfestdes LcmdcsvaterS und zugleich das Fest der Heiligung dieses Tem-pels für den Dienst des Herrn verkündete, zu deren Vollzug derHochwürdigste Herr Bischof Heinrich von Pafzau am Abend vor-her von Ehrfurcht und Liebe herzlichst begrüßt, seinen feierlichenEinzug in Wollaberg gehalten hatte. Schon um 5 Uhr Morgensbegann der Kirchenfürst umgehen von einem zahlreichen Klerus, imBeistyn vieler Festgäste und einer unübersehbaren Masse von An-dächtigen, unter sichtbarer Freude und Rührung über die Schön-heit und Großartigkeit des neuen Tempels, dessen Heiligung, undreihte derselben ein Pontificalamt mit 'l'o veum und eine Kanzel-rcde an, so voll des göttlichen Geistes, der feurigsten Gottes-,Königs- und Vaterlandsliebe, als hätten sich alle Flammen, dieeinst am Psingstfcst über den Häuptern der Apostel schwebten, überdiesem ächt apostolischen Haupte vereinigt. Kein Auge blieb trocken,als der Bischof, selbst tief ergriffen, zunächst Gott, dann unsermruhmwürdigen Könige für das Zustandekommen dcö so eben neugc-weihten herrlichen Tempels dankte, und dabei nicht nur selbst dieheißesten Segenswünsche für des Königs und der Königin Majestät,für den Stamm der Wittclsbacher in den innigst gefühlten herz-lichsten Ausdrücken darbrachte, sondern auch das Volk 'verpflichtete,mit jedem Gebet in diesem Gottcöhause auch das Gebet zu ver-einen für das angestammte Regentcnhaus, für den gesegnetenStamm der Wittclsbacher, welcher mit Muth und Krast demVaterland das unschätzbare Gut der heiligen Religion der Vätergeschirmt und erhalten hat. Anch den k. Stellen und Behörde»,welche mit so viel Eifer als Pietät die Interessen der Religion,und wie diesen Bau, so andere gleich großartige Bauten fürZwecke des Cultus gefördert, und endlich der wackern Pfarrgc-meinde, welche vhngeachtet des totalen Hagelschlazes im vorigenSommer alle Hand- und Spanndienste zu diesem großen unddurch die Oertlichkeit erschwerten Baue unentgcldlich und eifrigstgeleistet hat, drückte der Bischof den wärmsten Dank unter rüh-renden Segenswünschen aus. Am Mvrgen darauf weihte derBischof nach einer höchst erbauenden Pontificalmcsse den neuen Kirch-hof, spendete das heilige Sacrament der Firmung, nahm dieAufwartung und Danksagung der Behörden und der Vertreter derPfarrgemeinde an, und trat, begleitet von dem Ehrcngclcite, wiebeim Einzüge unter den heißesten Segenswünschen von Tausenden

die Heimreise an. Ein solch Fest der christlichen Frömmigkeit undtreuesten Loyalität zugleich, durch keinen Mißton, keinen Unfallgetrübt, so erhebend, daß selbst dir größten VoliSmasscn, vondessen Erhabenheit getragen, im Jnbel höchster Freude jenen wür-digen Ansta-d behaupteten, der jeder zur Ordnung mahnendenSchranke entbehren kann, erscheint und verdient bekannt zu werden,als eine crsrenliche Kundgabe des unwandelbaren guten alten Sinnesim lieben Vaterlande, den der Allmächtige auch fortan segnen underhalten wolle. l^Kirchcnztg. f. d. k. Deutsch!.)

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Mai»;, 18. Aug. Der Katholik schreibt: Unser Hoch-würdigster Bischof hat so eben die nachfolgenden zwei Verordnun-gen erlassen:

I. Petrus Leopold Kaiser, Bischof von Mainz , andie gestimmte ehrwürdige Geistlichkeit der Diöccse. Wir glaubenEuch, geliebte Mitarbeiter und Brüder im Herrn, die amllicheAnzeige nicht vorenthalten zu dürfen, daß ein Mitglied unseresDiöcesanklcrus, der bisherige Dccan und Pfarrer Winter inAlzey, von der katholischen Kirche abgefallen ist. Derselbe hatUns, nachdem er erst wenige Wochen vorher, unterm 5. Juni,über die Umtriebe der neuen Scctirer in seiner Gemeinde mißbil-ligend an Uns berichtet hatte, unterm 25^ vorigen Monats denvon ihm gethanen Schritt selbst angezeigt, und Wir haben darauf,als er auch auf die von Seiten Unseres Ordinariats an ihn er-gangcne Mahnung sein Beharren in seiner Vcrirrung in einemSchreiben vom 9. dieses Monats bestätigt hatte, solche Maaß-regeln ergriffen, wie sie sowohl die Schwere des Vergehens, alsdie dringlichen Umstände der dortigen Pfarrei, in welcher übri-gens das beklagenswerthe Beispiel des Hirten die GlaubcnS-trcue der Gemeinde keineswegs erschüttert hat, er-forderten. Die Ercommnnicativnscrklärnng fügen Wir in unten-stehendem Abdruck bei.

Es wäre wohl überflüssig, geliebte Brüder, mit Euch davonzu reden, wie ticfschmcrzlich dieses in Unserm BiSthume Gottlob!so seltene Ereignis; unser Herz berühren mußte. Lieber wollenWir Euch sagen, daß beim Gedanken an die begangene Untreuedes Einen Uns. nichts besser aufzurichten vermag, als der Hinblickauf Eure Treue, die Ihr im Augenblicke des Kampfes Euch nichtals Miethlinge erfinden lasset, die da fliehen oder zum Feinde über-gehen, sondern die Ihr vielmehr den beispiellosen VcUockungs- undVerführungskünstcn verkehrter Menschen mit Entschiedenheit undBesonnenheit entgegentretet, und Euch dadurch einen gegründetenAnspruch erwerbet sowohl auf linsern freudigen Beifall, als anchauf die Liebe und das Vertrauen Eurer Psarrgenosscn.

Darum hegen Wir sogar die tröstliche Hoffnung, daß selbstin diesem, an sich so bedauerlichen Falle, das Böse sich als eineVeranlassung zum Guten erweisen werde. Denn Ihr, geliebteBrüder, werdet es erwägen, welches schwere Aergerniß ein Prie-ster aus unserer Mitte so vielen gutgesinnten Gläubigen gegebenhat, und Ihr werdet deßwegen nun um so sorgfältiger in EucrmWandel, in Enern Amtsverrichtungen, in Eucrm Hauöwescn,Alles vermeiden, woran das ohnehin schwer geärgerte Volk An-stoß nehmen könnte; Ihr werdet es erwägen, welche Schmachder Abgefallene, so viel an Ihm ist, durch das Beispiel seinerApostasie auf unsern geistlichen Stand gehäuft hat, und Ihr wer-det Euch dadurch um so lebendiger angetrieben fühlen, durch dievollkommenste Reinheit und Tadellosigkeit Eures Lebens, durchdie genaueste Beobachtung des klericalischcn AnstandS und durchdie gewissenhafteste Führung Eures heiligen Amtes dem Priester-