stände die ihm gebührende Achtung zu wahren; — Ihr werdeteS endlich, beim Anblicke des traurigen Falles eines Mitbruders,erwägen, daß auch die Würde des Priestertlnims und Seclsorger-cimtcs nicht sichert vor den schwersten Fehltritten, und Ihr wer-det es darum fortan desto weniger mangeln lassen an jener demPriester so unentbehrlichen Wachsamkeit über sich selbst, werdetum so besorgter seyn, durch Gebet und Anwendung der von derReligion so reichlich uns gebotenen Heils- und Tugendmittel oftdie Gnade zu wecken und zu erneuern, die Euch im Sacrcnnentcder Priesterweihe gegeben ist. Ja, geliebte Brüder, Wir erwar-ten es von Euch, — das wird geschehen, und der Feind, derden Abfall eines Priesters immer als einen besondern Triumph fiirseine Sache zu betrachten pflegt, wird sich auch dieszmal getäuschthaben.
IlebrigcnS empfehle» Wir den Abgefallenen, der einst EuerMitpricster war, Euer», Gebete. Flehen wir zu Gott, dasz da,wo die Sünde groß ist, vie Gnade desto großer sey, damit derVerirrte, der die Kirche Gottes auf so traurige Weise verlasse»hat, recht balv die Schwere seines Unrechts erkenne und gebessertin ihren Scbooß zurückkehre. In dieser Hoffnung geben WirEuch i» väterlicher Liebe Unsern bischöflichen Segen, -j- PetrusLeopold, Bischof, vclt. Hcffncr.
II. Petrus Leopold u. f. w. au den gewesenen Dcconund Pfarrer Unseres BiSthnms, Herrn Adam Winter zu Al-zey. Auch nach Ihrer Erklärung vom 25. vorigen Monats, inwelcher Sie, wie Sie sich ausdrücken, vou der römische» Hierar-chie sich lossagten, hatten wir immer noch einige Hoffnung gehegt,daß Sie, gerührt und erschüttert durch die eben so liebevolle alsernste Ermahnung Unsers Ordinariats vom 1. dieses Monats,die Ihnen varin gegebene achttägige Frist zu gewissenhaftem Nach-denken über Ihren gethanen Schritt benutzen uud zu besserenGesinnungen zurückkehren würden. Wir mußten aber leider so^wohl aus dem Inhalte, als aus dem Tone Ihres Anwertschrci-benö an unser Ordinariat vom 9. dieses Monats die Wahrneh-mung machen, daß unsere Hoffnung grundlos war, indem Siedarin Ihren Austritt aus der katholischen Kirche wiederholt aus-gesprochen haben. Hierdurch haben Sie sich aus der katholischenKirche selbst ausgeschlossen, uud erklären Wir daher, daß Sienach den kanoniscben Satzungen in die I^xeoinmunieatio, latssLvilwiitiuiZ, verfallen sind. In Beziehung auf Ihre weiterenSchritte müssen Wir Sie Ihrem eigenen Gewissen überlasse».
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Der Fürstbischof Melchior vollbrachte einen in unsernAugen bedeutungsvollen Act, indem er alc-bald nach seinem Regie-rungsantritte die zu Brcslau bestehenden weiblichen Kloster mitseinem Besuche erfreute. Zuerst, am 24. Jnli, besuchte er dasKloster der Ursulincrinnen. Nachdem derselbe, berichtet dasSchlcsischc Kirchcnblatt, von der Frau Oberin Namens desConvcnlS chrfurchtvollst und von den klemmen Mädchen der unter-sten Elcmentar-Schulclassc kindlich begrüßt worden, sangen an 600im Nefectorüim versammelte Schülerinnen ein znm Empfang desOberhirtcn gedichtetes Danklicd, von dessen Schlußversc derselbeVeranlassung nahm, in liebevollster Weise zu den kindlichen HcrzmWorte der Belehrung und Mahnung zu sprechen, die gewiß einengesegneten, bleibenden Eindruck zurückließen. Am 6. August daraufverherrlichte der Fürstbischof in demselben Kloster die Feier einerfünfzigjährigen Ordcnsproiession mit seiner Gegenwart. Er wurde'
um 9 Uhr an der Klostcrpforte vom Convent und mehreren Prie-stern ehrfurchtvollst empfangen, wohnte dem Hochamte bei, sprachden Segen über die Jubilarin während der Litanei, betrat nachdem Schlüsse des I e Lizum den Hochaltar und sprach aus derFülle seines reichen Gemüthes zur Jubelbraut Worte der Erbau-ung und Erhebung, die auf alle Anwesende» den tiefsten Eindruckmachten. Er wies darauf hin, daß dieß Fest mit dem Feste derVerklärung des Herrn zusammcntrcffe und darin seine schönste Be-ziehung finde; daß die Jubelbraut, von Liebe zum Herrn geleitet,hier vor Zahren ihre Hütte aufgeschlagen nnd das Heil inChristo im stillen Frieden der Einsamkeit gefunden habe. NachBeendigung dieser Jubelfeier suchte der Fürstbischof das Kloster derE lisa bc !h i n erin nen heim. Er wurde in der Klosterkirche vondem versammelten Convcnte der Jungfrauen erwartet und chrfurcht-vollst empfange». Nachdcm die bei Ankunft eines Bifchvfö übli-chen Gebete verrichtet worden, begrüßte der Fürstbischof amHochaltar den Convent mir dem Gruße: „Der Friede sey mitEuch!" uud schloß daran herzliche Worte seiner Theilnahme fürden Orden, der unserm göttlichen Heilande vorzüglich auf seinemKreuzwege nachfolge und so scgeureich wirke. Nach Erthcilung desapostolischen Segens begab sich derselbe in das Nefectorium, wo!die Frau Oberm ihre Huldigung darbrachte und eine der geistli-chen Schwestern ein Wcihgcdicht sprach. Der Obcrhirt erneuertehier den Ausdruck seiner Theilnahme nnd huldvollsten Gewogenheitfür diesen wohlthätigen Orden und besuchte dann die Wohnungender Jungfrauen, die Apotheke und die Krankensäle, in deren größ-tem zwei arme kranke Kinder den allvcrehrten Kicchcnfürstcn, derauch hier als Vater unter seinen Kindern erschien, in einfachenWorten begrüßten, worauf derselbe nicht nur zu diesen Kindern,sondern auch zu allen Kranken sich wandte und zu Allen gcist undgcmüthvolic Worte der Belehrung, der Mahnung und des Trostessprach, die, vom Herzen kommend, auch Aller Herzen tief ergriffen.Segnend und gesegnet schied er aus dieser Zufluchtstätte der Leiden.
Bedrängnisse der katholischen Kirche .Die Nachrichten aus Pole», schreibt das Iournal deBru rclleS,werden von Tag zu Tag betrübender. Seit der Rückkehr des Kaisersnach St. Petersburg ist in diesem Lande eine Schaar von Beamten undPspcn eingetroffen, welche den Auftrag haben, die vom Kaiser entworfe-nen Maaßregeln auszuführen. Die Popen legen bereits Hand an dasWerk, sie durchziehen das Land, um die Bauern zur russisch -griechischenReligion zu bekehren. Eine gnte Zahl katholischer Pfarreien ist schonaufgehoben uud ihre Kirchen den Griechen zugewiesen. Die Ukase, welcheden Psarrer» verbieten, außerhalb ihres Bezirkes die Sacramente zu spen-den, und ihre Predigten einer vorgängigen Censur unterwerfen, werde»mit Strenge vollzogen. Ucbcrtrctung derselben hatdie Deportation nachSibirien zur Folge. Die russischen Missionäre schämen sich auch der nie-drigsten Ränke nicht, um die Polen griechisch zu machen, und wenn die In-trignc nicht ausreicht, nehmen sie zur Gewalt ihre Zuflucht und rufenmilitärische Hilfe an. Die Soldaten treiben die Bauern wie Heerdenin die griechischen Kirchen, und dort werden sie in Masse in die Verzeich-nisse der Gläubigen eingetragen. Die so bekehrten sind dann für immervon dem Schvoße der katholischen Kirche ausgeschlossen. Die russische Regierung weiß, daß die Religion eine unübcrsteigbare Scheidewandzwischen Nnßland und Polen anfgcrichtct hat und daß, so lange Pole»katholisch bleibt, ras Nationalgefühl in diesem Lande niemals erstickenwerde. Kein Mittel wird verachtet, um jene Scheidewand niedcrtureisien.
Vcraimvorrlichcr Redacteur: L. Schönchen.
WerUgS - Inhaber: F. C. Kr cm er.