Ausgabe 
5 (21.9.1845) 38
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obgleich die Zahl derer, die derselben beiwohnten, außerordentlichgroß war, die größte Ordnung und Stille. Die Bischöfe vonLiining und von Gruben sind längst gestorben; Caspar Maximilian ist ein längeres Leben bcschicdcn zum Heile und zur Freude Vieler.Seine bischöflichen Amtöverrichtungen begann Caspar Maximilian einige Tage nach seiner Consccration in der Kirche der Johanniter-Cvinmendc zu Münster . Hier spendete er am 17. September dasheil. Sacramcnt der Firmung und ertheilte am 19. die höhernWeihen, lim den würdigen Empfang des heil. Sacramentes derFirmung zu befördern, bearbeitete er gleich im folgenden Jahreeine Unterweisung darüber, und veröffentlichte diese mit einer rüh-renden und erbaulichen Vorrede an die Kinder.

Während nm diese Zeit in Frankreich der schreckliche Revo-lntionskricg wüthete und alles Heilige mit Füßen getreten wurde,während dieser Orkan, von Westen herkommend, immer höherhinaufzog und in Deutschland bereits große Kricgsrüstungcn statt-fanden, da war für einen kleinen Theil desselben, für das Mün-sterland eine schöne Zeit, eine Zeit der Blüthe gekommen. Desunsterblichen Fürstcnbcrgs großer Geist hatte hier ein neues,kräftiges Lebe» in alle Classen des Volkes gebracht, nnd im Landedie Wissenschaft auf eine damals seltene Höhe gehoben. Er hattedie weltliche und die geistliche Regierung in Händen und wirkte inbeiden Beziehungen wahrhaft segensreich. Mit eben so vieler Um-sicht und Klugheit, als Rastlosigkeit und Uncrmüdlichkcit suchte erden Wohlstand des durch Krieg und Unglücksfälle tief gesunkenenLandes zu heben, und Stadt und Land in jeder Weise zu ver-schönern; die größten Verdienste aber erwarb er sich durch dieVerbesserung des niedern und höhern öffentlichen Unterrichts, wel-chen er auf eine so hohe Stufe erhob, daß er seine Zeit um etwaein Jahrhundert überflügelte. Das Glück deö Landes, welches crso in jeder Weise beförderte, spiegelte sich in dem Privatleben die-ses großen Mannes wieder; es war das Leben des Gerechten vollHeiterkeit und Nnhc. Seine großartigen Bestrebungen sür Kunstund Wissenschaft wurden besonders unterstützt durch die eben sogeistvolle als fromme Fürstin Amalic von Gal litzin, welcheim Jahre 1779 nach Münster kam, um dort bloß für die Erzie-hung iyrcr Kinder zu leben. Ihr Haus, das jedem fremden gro-ße» Manne gastfreundlich offen stand, wurde der Sammelplatzausgezeichneter Personen. Fürsteubcrg, der um unser Land sohochverdiente Overbcrg, Katerkamp, Kistcmaker u. m. a.versammelten sich täglich in den Abendstunden bei der Fürstin,um sich über Kunst und Wissenschaft zu unterhalten. An diesenGesellschaften nahm auch der junge Bischof Caspar Maximilianmit seinen Vrüvcrn, den, jetzigen Erzbischof von Köln , ClemensAugust und dem am 25. Februar 182L verstorbenen Dvmcapi-tular Ficihcrrn Franz D roste Theil. Der Umgang mit diesenMännern, zu denen sich im Jahre 1800 auch der Graf LeopoldStolbcrg gesellte, bot unserm hochwürdigstcn Bischöfe die besteGelegenheit dar, seine Kenntnisse in jeder Wissenschaft zu erwei-tern nnd seinen Geist durch die Klarheit und Fülle der Gedankenseiner Freunde zu bilden. Von Fiirstenberg selbst angeleitet, konntecr in späterer Zeit, als cr zum Diöcesanbischosc berufen ward,um so besser dessen Schöpfungen erhalten und weiter fördern; unddieß hat cr stets gethan; cr wandelte auf dem Wege seines großenFreundes rnhig und geräuschlos fort, suchte den Ruhm, den dieMünstcr'scbc Diöccsc durch die treffliche Einrichtung ihrer in derschönsten Harmonie mit der Kirche stehenden Schulen und durchihre fromme und wissenschastlicl' gebildete Geistlichkeit erlangt hatic,zu erhalten und fester zu begründen.

Die Zeit der großen Bewegung am Ende des vorigen und

im Anfange dieses Jahrhunderts, die Zeit, wo in Deutschland eine kalte Alles läugncnde Philosophie sich immer mehr Geltungverschaffte, verlebte Caspar Maximilian in treuer Erfüllung derPflichten seines hohen Amtes und im Kreise der genannten Freunde.Die Gefangennehmung des Papstes Pius VI. durch die Franzosenim Jahre 1798 und dessen Tod in der Gefangenschaft zu Valencemachten auf ihn einen tiefen Eindruck, und ihm war die tranrigeEhre beschicken, am 8. November 1799 im Dome zu Münster für den Verstorbenen das feierliche Seelenamt zu halten. Dochhatte er bald die Freude, für die Wahl Pius VII . Gott zumDanke das heil. Meßopfer darbringen zu können. Noch eine Be-gebenheit kam hinzu, welche geeignet war die Münsterlcindcr, na-mentlich diejenigen, welche an der weltlichen und geistlichen Re-gierung des Landes bisher Theil genommen hatten, in dieser sosehr bewegten Zeit zu beunruhigen. Der Fürstbischof MaximilianFranz, welcher durch den französischen Rcvolutivnskrieg aus derResidenz Bonn verdrängt, seinen Wohnsitz zuerst nach Mcrgentheimund dann nach Wien verlegt hatte, war in der Nähe dieser Stadtauf dem Schlosse Herzendorf 1801 den 27. Juli am Schlagflußgestorben. Die Nachricht kam am 4. August durch einen Couriernach Münster und verursachte hier eine allgemeine Bestürzung.In der so trauervvllen Zeit," sagte der Gencral-Vicar von Für-stenbcrg in einer öffentlichen Ankündigung,welche der größte Theilder Welt seit einigen Jahren erlebt hat, verschonte die göttlicheVorsicht dieses Hochstift mit den Drangsalen, nnter welchen soviele andere Länder geschmachtet haben. Sie hatte den in Gott ruhenden, weiland Durchlauchtigsten Kurfürsten Max Franz, unserngnädigsten Fürsten und Herrn 'zu Ihrem Werkzeuge gewählt, umdurch dessen Weisheit und Patriotismus den größten Theil derdrohenden Gefahr von uns abzuwenden." Am 28. August wurdeim Dome zu Münster von dem Weihbischofe unter Assistenz seinerbeiden vorgenannten Brüder Franz und Clemens das feierlicheSeelenamt gehalten. Das Domcapitel zu Münster , dasselbe wel-ches von Gott an die Gränzscheide der alten und der neuen Ord-nung der Dinge gestellt war, übernahm gleich nach erhaltenerTodesnachricht die weltliche Regierung des Landes und ernannteFiirstenberg zum Capitels-Bicar, um die Diöcese in geistlichenDingen wie bisher zu regiere». Man glaubte einer Säkulari-sation des Hochstifts nur durch eine schleunige Wahl eines neuenFürstbischofs entgehen zu können. Die Wahl wurde bereits am9. September, nachdem zuvor der Wcihbischof Caspar Max, assi-stirt von seinen Brüdern die Heilige-Geist-Messe gehalten hatte,vorgenommen und fiel auf den Erzherzog Anton Victor , Bru-der des Kaisers von Oesterreich, welcher sogleich als neuer LandcS-sürst feierlich verkündigt wurde. Der neugewähltc Fürst trat, wiebekannt, die Regierung nicht an, vielmehr hörte Münster am 3.August 1802 auf ein sclbsistcindiger Staat zu seyn.

Indessen behielt das Münsterland seine geistige Eigenthümlich-keit; es behielt die vortrefflichen Fürsteuberg'schcn Institutionen,und blieb von dem frivolen Unglauben der Zeit unberührt. Cas-par Maximilian und sein Bruder Clemens August, der auf Für-stenbergs Wunsch am 18. Januar 1807 zu dessen Coadjutor nndam 9. Juli desselben Jahres, da Fiirstenberg wegen Altersschwächesich gänzlich von den öffentlichen Geschäften losgesagt hatte, znmCapitclS-Vicar einstimmig vom Dvmcapitcl erwählt wurde, Ware»es, welche in dieser wichtigen UcbeigangSpcrivdc unter vielen undmannichfachcn Wcchjelfällcn des Krieges die Münstcr'sche Kircheviele Jahre hindurch regierten.

(Fortsetzung folgt.)