Ausgabe 
5 (21.9.1845) 38
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Die Macht des Glaubens und Gebetes.

(Fortsetzung.)

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Während Giovanna mitten im Fieber dalag, besuchte fieeine Trientinerin, Namens Afra, eine Schwester des dritten Or-dens des heiligen FranciscuS wie sie ganz hineingezogen inswunderbare Leben der christlichen Mystik. Ohne sich wechselseitig zukennen, ohne ein Wort zu reden, fühlten sich beive Seelen blitz-schnell in einander hinein, die verwandten Flammen fuhren sprü-hend auf, zusammcngluhcnd in cinö, sie fielen sich wechselseitig ansHerz, lachend, jubelnd voll Hcrzenolust, beider Angesicht wurdeleuchtend, mit Hellem Glanz übergössen durch die plötzlich entbun-dene tiesinnerstc Seelenkraft. Vencria Simoncini und alle Gegen-wärtigen wurden unwillkürlich hineingcschlürft ins Flammenmeerheiliger Liebe, sie fingen ebenfalls zu lachen und zu frohlocken an,und unaussprechlich süße Thränen mischten sich in den Jubel deraufgeregtesten Herzen. Afra starb bald darauf, mit Givvauna imGeisterbunde verharrend, im Himmel vermittelnd, was diese aufErden für den Erlöser wirkte. Die Kranke erhob sich auf einmalvöllig gesund, und ging mit der größten Uncrschrockenheit ansWerk. Sie selbst bat in eigener Person die angesehensten Fraucuvon Tricnt zusammen, begeisterte sie in kühner Rede zur Stiftungeines FrauenvcreinS, und wußte vom Fürstbischöfe sogleich dieErlaubniß dazu zu erwirken. Ein Domherr ließ sich auf ihreihm ganz unerwartete Bitte herbei, die Oberleitung zu überneh-men, und am nächsten Sonntag eröffnete Giovanna denselben inerster feierlicher Versammlung in einer kleinen Kirche der Stadt.Sie blieb fortan mit demselben in unaufhörlicher Verbindung,brieflich, mündlich anmahnend zur That für JesuS , und stiftetedadurch unendlichen Segen besonders in den höhcrn Kreisen derGesellschaft. Denn die edelsten Frauen aus den GeschlechternMadruz, Wollenstem, Spaur. Thunn und andern waren durchden übermächtigen Geist der Jungfrau vereint worden zur Verbrei-tung ächtchristlicher Frömmigkeit trotz alles WiverstrebcnS feind-seliger Ansicht. Während dieser Bemühungen zur Steuer derAndacht und Gottesfurcht wurde sie mit drei Personen bekannt,durch deren Einfluß sie ihre ftgenrcichcn Wirkungen bis ins Herzvon Deutschland und Italien ausbreitete, und für die Ncchtgläu-bigkcit Tirols den entscheidendsten Einfluß in die Schaalc desdreißigjährigen Krieges legte. Die erste derselben war die GräsinSibylla von Lvdron, eine geborne Fugger aus dem berühmtenGeschlechte der Fugger zu Augsburg . Sie hatte ln zarter Jugendden Grafen Maximilian von Lvdron gehcirathct, seßhaft auf seinemSchlosse in Villa Lagarina auf dem sanften Bergabhangc, Rove-rcdo gegenüber, eine überaus feingewobene Seele von der empfind-lichsten Durchsichtigkeit des Gewissens und vollendeter Durchbildungin der Schule geheimer Leiven, die am schwersten auf das Men-schenhcrz drücken, weil die Abhilfe eben so selten als das Mitleidschwer zur Theilnahme zu bewegen ist. Eine Tochter Georgs Fug-gcr, der sich in Trient angesiedelt hatte, wäre sie nach der Wahlihres Herzens gern in eine heilige Einsamkeit zurückgetreten, mußtejedoch auf den Befehl ihrer Eltern im Jahre 1602 sich vcrchc-liche». Der äußere Glanz bot wenig Entschädigung für daö innereUnglück ihres Hauses und Verhältnisses. Mit der Gluth heiligerAndacht fügte sie sich ins Unvermeidliche, und lebte 32 Jahre imEhestande, kinderlos, geopfert ihrem Gott in allerlei Leiv uudDrangsal. Als ihr Gemahl nach zweijähriger Krankheit im Jahre4635 starb, setzte er sie zur Erbin aller seiner Güter ein. Da-durch zwar im Besitze eines ansehnlichen Vermögens, aber vonihren nächsten Anverwandten aus Aerger über den letzten Willen

ihres Gemahls aus dem bisher bewohnten, lchcnSsähigcn Schlosseschimpflich hinausgestoßen, war sie in die weite Welt gewiesenohne Liebe und Theilnahme, geneckt in ihren Gefallen und Ein-künften, und innerlich dnrch die Angst ihres unbchilflichen, über-zarten Gemüthszustandes gequält. In dieser Lage wurde sie aufeinmal mit Giovanna persönlich bekannt, fand an ihr reichlich,was ihr abging, und schloß sich ganz au ihre unerschütterlicheSelbständigkeit an. Allen Aussichten ans eine zweite Ehe entsa-gend, widmete sie sich ganz dem Gebete und der Wohlthätigkeit,und entschloß sich, aus ihrem Vermögen ein Clansscnklostcr zuRovcredo zu stiften. Giovanna faßte nicht ohne vielfache Anfech-tung von innen und außen den Entschluß, selbst in dasselbe ein-zutreten, und an der Spitze heiliger Jungfrauen die Fülle derAndacht und Frömmigkeit auS diesem Mittclpuncte zartester Rein-heit überallhin zu verbreiten. Die ungeheuren Widerstandskräftewurden mit ungebrochenem Muthe überwunden, das Ztlostcr eröff-net nach ihrer eigenen geschärften Regel, und sie selbst nach demVerlaufe der ersten Jahre zur Aebtissin erwählt. Sibvlla trat alsDrittordensschwestcr in dasselbe ein, um zum Wohlthu» noch stetsfreie Hand zu haben, als Vermittlerin im Weltverkehre eine stetssehr erwünschte Stütze der Aebtissin, besonders durch ihre Fertig-keit in der deutschen Sprache und die Bekanntschaft mit den deut-schen Verhältnissen eine fast nothwendige Ergänzung derselben zurVermittlung der italienischen GlaubcnSströmung inö deulsche Volks-leben. Durch diese Absonderung halte Giovanna scheinbar sichalle Wirkungsfähigkeit für die Welt abgeschnitten, wegen diesesSchrittes selbst von ihren Freunden bitter getadelt, ja von ihrereigenen thatkräftigen Natur fast mit Gewalt zurückgedrängt in diefrühere Bewegungsfreiheit. Aber was in den Augen der WeltThorheit war, erwies sich auf dem Wege der Gnade als die rechteWeihe der Kraft für die gottgcvpfcrtc Jungfrau. Mit demSchleier ihres einsamstillcn KlostcrlebenS trat sie erst auf die ent-scheidende Höhe der Weltgeschichte als mißkannte Springfeder dermeisten Begebnisse ihrer Zeit im Sinne der katholischen Kirche .Die eingezogene Klosterzelle steigerte ihr himmlisches Licbcelcbcnauf den höchsten Grad der Einigung mit Gott, aus ihm sog siegöttliche Weisheit für die Angelegenheiten dieser Erde, lichten Ein-blick in das Uhrwerk des großen WcllkampfcS, im Geiste nulle-bend, mitfühlend den stürmenden Puls der Zeit. Das für mensch-liche Beschränktheit Unheimliche in ihr erhielt eine furchtbare Kraft,denn ihre Wirkungen ins Weite führten die katholischen Streiterblind in den Sieg, und lenkten mit Obmacht die Rathschläge derKönige. Hier ergoß sich ihr mächtiger Geist zuerst in den be-rühmten Mattia Galasso , unter dem Namen GaltaS allen Lesernder Geschichte des dreißigjährigen Krieges wohlbekannt, mit Stolzbeizuzählen den begabtesten Männern, welche Tirol in den heiligenStreit gesandt.

(Schluß folgt.)

Deutschland .

5 Von der Altmühl . Vom 17. bis )^3. August vc>.sammelten sich abermals aus dem Klerus der Diöccsc Eichstädt75 Priester zur Abhaltung geistlicher Uebungen oder Exercitien zuHirschberg bei BcilngrieS. Welchen großen höchst segenoieichcnEinfluß für Geist und Herz dieselben übten, zeigen die Worte desDankes, welche Einer auS ihrer Mitte auf Ersuche» seiner Mit-brnder an den hochwmdigstcn Herrn Bischof, Carl AugustGrafen von Ncisach, der zum Schlüsse der Uebungen hergekommenwar, richtete, und die also lauteten: