Ausgabe 
5 (21.9.1845) 38
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H ochwürdigstcr Herr Bischof! Wcnn der Tag sichgeneigt und Abendruhc sich über Berg und Thal auögegossen, inden weiten Räumen dieses Schlosses nächtliches Dunkel eingetreten,dann ertönte aus der erleuchteten Capelle ein ernster heiliger Ge-sang, der da von des Berges Höhe weit in die Thäler hinschwebte,»nv diejenigen, die ihn horten, wundersam ergriff und zur from-men Andacht stimmte. Und wer waren sie, welche diesen feierlichernsten Gesang anstimmten? Büßer waren cS, welche bei denFüßen Jesu Christi des Gekreuzigten ihre Sündcnschulv erkanntenund vor dem Allcrheiligstc» hingesunken im Geiste und in derWahrheit sangen:Ui^rvre moi vvus secuncium mognammikei'ic.'ai--xn limm," welche im Gefühle herzlicher undinniger Reue bekannten:l'ilii soli s>eeoavi et >n»Iuin cormnt» seci." ^) Ix,' gesündigct hatten wir gegen Gott, als unsernbesten und licbvollsteii Vater, gesündigct hatten wir gegen Gottunsern Erlöser, unsern Hohenpriester, der doch uns zu seinen Prie-stern erwählte; gcsiindigct hatten wir gegen Gott den heiligen Geist,den wir betrübet, vcr doch die heilige Pricsterwürdc unS auf dieStirne unauslöschlich gezeichnet: und darum nun tönte dieser hei'ligc und ernste Gesang in die Stille der Nacht hinaus; der Geistdcr Buszc wurde in uns selbst erweckt und erprobt, um vann auchnachhaltig ihn in den Herzen der nns anvertrauten Seelen erweckenund erhalten zu können. Gleichwie die Sonne ihre erleuchtendenund erwärmenden Strahlen aussendete im Frühjahre aus dem er-starrenden Winterschlafs der Saaten freundliches Grün hervorlocket,im Sommer mit sengendem Glänze die Aehre und die Traubereiset; so ist es auch die Liebe unserer heiligen, katholischen Mut-terlirchc, die stets sorgsam bemühet ist, vaS geistige Leben ihrerPriester da, wo es erkalten will, neu zu erwärmen und zu beleben,und sie für Gewinnung der Seelen, fürs Reich Gottes erglühenzu machen. Ihr Strahl der Liebe lockte die geistigen Blumen fürsgcistigc Leben an den Höhen des Libanon, auf dem Nonlo (^U8ii,0und in der ThcbaiS hervor, und es war dem tiefen und hohenGeiste des heil. IgnatiuS vorbehalten jene geistigen, zerstreut blü-henden Blumen des pricsterlichen Lebens zu einem Strauße zusam-menzufassen, der durch seine Farbenpracht wie durch seinen süßenaromatischen Duft gleich herrlich ist; und dieser geistliche Straußwarv nun auch uns gewunden.

Hingewiesen wurden wir auf unsere Bestimmung. Ja,Gott hat unS erschaffen mit Geist und Körper, um ihn zu liebenund zu verherrlichen; lcivcr aber daß dieses der Mensch nicht will,ja er trotzt der Majestät Gottes und spricht:ich will Dir nichtgehorchen/ und somit ist die Todsünde begangen. Und dieseBeleidigung der göttlichen Majestät muß mit der Hölle bestraftwerden. Doch nicht bleibt der Mensch auf ewig mit den gefalle-nen Engeln verdammt, die ewige Liebe erbarmte sich seiner, denner fiel nicht aus eigener Schuld wie die verworfenen Engel, son-dern durch Verführung, und drei Blnmeu werden ihm gereicht,der Tod, das Gericht und die Hölle, auf daß er in sich gehe.Ja, der Tod trat in seiner fahlen Bleifarbe, im kalten, klebendenLcrwesungsschwcißc vor unsere Augen und mahnte uns: Priesterdu mußt sterbe»! Doch das wann, wie und wo ist uns verhüllet.Hingestellt sahen wir uns vor den Nichterstuhl Gottes, um ge-wogen zu werden auf der unbestechlichen und untrüglichen Waage

Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Bannhcrjigkeit,"Psalm SV.

'1Dir allein h^bc ich gesiindiget und BöseZ vor dir gethan," Ps, 50, 5.

der göttlichen Gerechtigkeit^ und unser Herz erbebte. Mit der hl.Theresia und Brigitte, haben wir endlich hinabgcschaut in jenenewigen Feucrpfuhl, wo immer und immer die Qualen dauern,und nimmer und nimmer das Feuer erlischt und nimmer der Wurmerstirbt; ja, mit Entsetzen und mit Grausen haben wir da erschautPriester verdammt, wie sie die Verfluchungen nnd den höllischenSpott zu ertragen haben, wie ihre Seele und ihr Leib vom Feuerdurchglühet brennen, und der Fluch Gottes und das unauslösch-liche Priestermahl an ihre Stirne gebrannt ist. Und es klangwie Aeolsharfcn, und der Blick wendete von der schauerlichen Tiefesich nach oben, und eine Stimme rief uns zu: O mein Jünger,was habe ich dir gethan, daß Du Böses vor meinen Augen thunkonntest?! Es war dieses die Stimme Jesu Christi vom Kreuzeherab, der sprach: Mci» Jünger, was habe ich, dein Herr undMeister, dir denn gethan daß du mich beleidigest mit Stolz undHvffart, da doch mein Haupt mit Dörnern gekrönt ist; washabe ich dir gethan, daß du verschließest dein Herz, wo ich dochmein Herz aus. Liebe für dich öffnen ließ; was habe ich dir ge-than, daß du mißbrauchest deinen Körper zur Sünde, da meinKörper für deine Erlösung ans Kreuz geheftet ist? Undniedersanken wir vor unserm gekreuzigte» Heilande und beteten:O! sverto laoiem iu»m a peecslis nostris, et omnesmicimlaws nostrss cldv;" ja mit Eine»! Herzen und mitEinen: Munde riefen wir: O Herr! wende hinweg dein heiligesAngesicht vou unsern Sünden, tilge unsere Sündcnschulv; erschaffin mir ein neues Herz, einen neuen Geist! Die Liebe undErbarmnng des gekreuzigten Heilandes erhörte uns. Wir reinigtenim heil. Sacramcnte der Buße durch eine Lebensbeichte unsereSeelen vom Sündcnauösatzc, und der Vater nahm uns auf, wieder Vater den Verlornen Sohn, der göttliche Sohn als seinelieben Jünger und der heil. Geist als viclbkgnadigtc Priester.Im G-suhle der uns gewordenen Gnade erneuerten wir nun zuden Füßen Jesu unsere Vorsätze: das Brevier stets «lovoto undaltente zu beten, das heil. Meßopfer mit heiliger Ehrfurcht, mitAndacht und Aufcrbauung zu entrichten, nach unserm hohen Vor-bilde des göttlichen Heilandes gute Hirten und Seelsorger zu seyn,die Guten auf ihrem Wege zu erhalten und die Verirrten aufzu-suchen und zur Hecrde heimzubringen; unsern Geist und Eifer zubeleben durch Meditation und geistliche Lcctürc, dagegen aber auchzu vermeiden den Besuch von Gasthäusern und derjenigen Orteuud Gelegenheiten, wo der priesterlichen Würde und der pricster-lichen Reinigkeit Gefahr drohen könnte. Und was wir da Alleszu den Füßen Jesu des Gekreuzigten gelobt haben, heiligeGewissenspflicht soll es uns seyn, unser Gclöbniß auch treu zuhalten.

Und wem danken wir nun zunächst diese erlangten Gnadenund Segnungen? Ihnen, hochwürdigster Herr Bischof! Sie habenin Ihrer Liebe und väterlichen Sorge uns diese Exercitien berei-tet, durch die wir mit Gott ausgesöhnt zu unsern Gemeindenncugestärkt heimkehren, und auf Ersuchen und im Namenmeiner theuren hochwttrdigcn Herrn Mitbrüder bringe ich Euerhochbischöflichen Gnaden unsern gemeinsamen, tiefgefühltesten undherzlichsten Dank dar: doch nicht allein mit Worten wollen wirdanken, sondern durch Thaten als treue Hirten uns bewähren,wozu ich Euere hochbischöflichc Gnaden für uns Alle um IhrenSegen bitte."

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags-Inhaber: F. E. Krem er.