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Augsvurger
Zweite Jahreshälfte.
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Postzeitttng.
S8. Sept. R845
Aus dem Leben des hochwurdigsten Bischofsvon Münster ,
Caspar Maximilian, Neichsfreiherrn Droste zuV i scherin g.
(Fortsetzung.)
Caspar Maximilian nahm während dieser vcrhä'ngnißvollcnZeit die bischöflichen Verrichtungen nicht allein für die DiöccscMünster, sondern auch iür die Katholiken in Holland , und als181V der Wcihbischof von Köln , Clemens Angnst, Freiherr vonMcrle, Bischof von Bethseida, starb, auch siir die Erzdiöccse undeinen Theil von Belgien mit großer Aufopferung und apostolischemEifer wahr; und hat außer für die genannten Districte auch fürdie Diöccscn Noucn in Frankreich und Osnabrück die heiligenOcle am Grü> cndonncrstage und aus dieser und der Diöccse Triermehr als einmal im Dome zu Münster die Priester gcwcihct.Dazu war er seit 180») Archiriaconus von WinterSwick, nndhatte in dieser Eigenschaft die geistliche Gerichtsbarkeit über dieKirchspiele Borken, Hcydcn, Ram-dorf, Nacsfcld, Recken, Weseke ,Vclen, Geschcr, Schcrmbeck und Erle im Amte AHaus ; überDingdcn im Amte Nocholt; ühcr Holtwick und Ostcrwick im AmteHorstmar ; über das ganze Amt Rhcinc-Bcvergcrn; über Hcrbcrnim Amte Wcrnc, nnd über Altcnbcrgc, Grcvcn, Hembcrgen,Nordwalde, Rinkcnrodde und Sendnihorst im Amte Wolbeck . Erverwaltete dieses Archidiaconat, bis die Circnmscriptions-Bulleüber die preußischen Diöccscn vom 16. Juli 1821 sämmtlichehier bestehenden Archioiaconatc aufhob.
Unterdessen waren nach der Säcularisation des Hochstifts diepolitischen und kirchlichen Verhältnisse. immer trüber geworden;Napoleon hatte sich zum Alleinherrscher von Frankreich gemacht,Italien und einen großen Theil von Deutschland unter seineHerrschast gebracht und den Papst, der sich seinen gewaltthätigc»Handlungen standhaft widersetzte, am 5. Juli 1809 in strengeGefangenschaft bringen lassen. Viele Bisthümcr waren in demneu gebildeten weiten französischen Reiche erledigt, der ganze kirch-liche Organismus gehemmt. Napoleon erkannte, daß sein Reichso nicht bestehen konnte, aber er wollte nicht den von JesuSChristus bestimmten Weg gehen, sondern mit frevelndem Mulheseinem eigenen Wille» folgen. Als der Papst seinen ungerechten
Forderungen anch in der Gefangenschaft mit heroischer Standhafttigkcit widerstand, und bei allen seinen Drohungen nach JesuLehre kein Zeichen der Entmuthigung und Schwäche kund gab,sondern festhielt an den göttlichen Gesetzen, da glaubte er durcheine zahlreiche Versammlung von Bischöfen seinen Willen durch-setzen zu können. Er berief zu dem Ende alle Bischöfe seinesReiches, so fern solche nicht in den Gefängnisse» bewacht wurden,auf den 9. Juni 1811 nach Paris . Es erschienen 104 Präla-ten, nntcr ihnen auch der Wcihbischof von Münster , nnd eröffne-ten am 17. Juni mit einem großen äußerlichen Glänze die Ver-sammlung. Die Abänderung der bestehenden Kirchendisciplin rück-sichtlich der Bestätigung und Institution der Bischöfe war dieHauptaufgabe dieses sogenannten Conciliums. Man hattc schonmchrcre Berathungen gehalten, und sich am 26. Juni versammelt,um den Entwurf einer Adresse an den Kaiser, der den sämmt-lichen Bischöfen am 39. eine Audienz geben wollte, zu prüfen.Als diese verlesen und besprochen war, da erklärte freimüthig derBischof von Jericho : „er vermisse in der Adresse dasjenige, wo-mit daö Concilium den Anfang machen müsse. Er glaube nämlich,daß es die Pflicht der Bischöfe sey, die feierliche Audienz, welcheder Kaiser dem Concilium ertheilen wolle, und welche vielleichtdie Einzige sey, die das Concilium als solches haben werde, sogleichzu benutzen, den Kaiser ganz ausdrücklich und dringcndst zu bitten,daß der Pcipst in völlige Freiheit gesetzt werden möge. Geschähedieses nicht sogleich bei der Audienz und würde dieser Augenblickversäumt, so würde sich vielleicht späterhin keine so günstige Gele-genheit wieder darbieten."
Dieser Antrag wurde sogleich von vielen Bischöfen unterstützt;fand jedoch auch leider von einige» heftigen Widerspruch, aber erwar Veranlassung einer engern Verbindung der gulgcsinntcn Bi-schöfe niit dem Oberhaupte, vielleicht auch, daß die angesagteAudienz nicht statt fand. Es war durch diesen von Vielen unter-stützten Antrag, gesprochen im Augenblicke, da die StaatSgcfäng-nissc mit Geistlichen angefüllt wnrdcn, die ganze Versammlung aufihre Stellung und Aufgabe hingewiesen, und die Mehrzahl derversammelten Prälaten setzte» von jetzt an den ungerechten kirchcn-widrigcn Eingriffen und Forderungen einer sonst unwiderstehlichenGewalt einen unerschütterlichen Mnth entgegen. Napoleon erreichteseine Absicht nicht; man erklärte sich für incompctcnt, die Kirchen-