Ausgabe 
5 (28.9.1845) 39
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

mender Gewalt schrieb sie an Gallas:Friede! und wieder Friede!Jetzt ist die günstigste Zeit ihn abzuschließen, weiteres Blutver-gießen bringt uns Katholiken keinen Vortheil!" Als man ihr ein-wendete, selbst Rom wolle den Frieden nicht, und rathe zumVerfolge des Sieges, gab sie mit furchtbarer Ergriffenheit ihresGemüthes zur Antwort:Der Kaiser hat Sieg gewonnen durchdas Gebet der Gläubigen, daß er Frieden stifte, und wirkt Nvmzum Frieden nicht mit, wird es überschwemmt werden mit Blut!"Alle Glaubensmänner im Kaiserhecre und an den Gränzen derSchlachtlinie, mit denen sie in Verbindung stand, erhielten denAuftrag, mit aller Macht für den Frieden zu arbeiten.Mitdem glühenden Herzen der allerseligstcn Jungfrau Maria," rief sieaus, .mit dem Feuereifer der Erzengel werfe ich mich ans Herzmeines Gottes, bittend und flehend, daß er dem Kaiser Friedenschaffe!" Der Frieden kam leider nicht zu Stande, aber die er-schütternden Vorauösagungen der italienischen Klvsterjungfrau, diemit den deutschen Zuständen ganz und gar unbekannt war, gingenwörtlicher in Erfüllung als für die katholische Sache zu wünschengewesen wäre. Ueber zehn Jahre raste der Krieg mit Mord undVerheerung in Deutschland ohne entscheidenden Erfolg auf beidenSeiten, ohne daß sich der Siegesflug der Katholiken jemals wiederauf die Lichthöhe von Nordlingen erhoben hätte. Gallas Sternselbst erblaßte. Sein unglücklicher Zug an die Ostsee , gegen denRath der Giovanna unternommen, gefährdete selbst den Glanzseiner glorreichsten Tage. Die einsam trauernde Freundin, inunaufhörlichen Gluthschmerzcn für das Heil der Kirche, konnte ihnnicht mehr sehen auf einem Felde, dem Gott nicht mehr günstigwar, in Waffen, die ihn durch Gottes Geschick nicht mehr tragenkonnten zum Siege im Sinne der gläubigen Beter in Tirol.Sie rief ihn zurück, und befahl ihm den Rest seiner Tage inTrient zuzubringen. Durch seine Räthe zum Frieden werde erdem Kaiser noch immer nützen können, fügte sie bedeutsam bei.Gallas gehorchte, und wanderte gegen das Jahr 1646 in seineHeimath zurück, durch seine herzinnige, in so vielen Schlachtenbewährte Frömmigkeit alle seine LandSlcute erbauend, bis zu seinemAthemzuge der lutherischen Irrlehre tövtlich abhold. Er erzähltemit Zufriedenheit, nie habe er in seinem Leben eine Kirche dieserSccte betreten, nie einer Predigt derselben beigewohnt. Er ließsich zu seiner Grabesruhe die prächtige Cavelle in der St. PctcrS-vfarrkirchc zu Trient erbauen, wo die Gebeine des heiligen KnabenSimonin ruhen. Aber nicht lange genoß er die wohlverdienteStille seiner Zurückgezogcnheit; Ferdinand 111., mächtig erregtdurch de» hellsehenden Geist der Giovanna, von ihr mit einemgeweihten Kreuze beschenkt, und unaufhörlich zum Frieden bestürmt,rief ihn nach Wien , um seine klugen Rathschläge für den glück-lichen FriedcnSabschluß zu benützen. Daselbst starb er am Steinam 26. Mai 1647 im 62sten Jahre seines Lebens mit der herz-lichsten Andacht, der längsten und süßesten Gewohnheit seinesLebens. Seine Gemahlin brachte seinen Leib nach Trient zurückund setzte ihn bei in der eben genannten Cavelle mit einem bci-gestifieten Cavlan.

(Schluß folgt.)

Die Feier der Cngelweihe in Einsiedeln .

Der Pilger von Einsiedeln bringt hierüber einen längernBericht, dem wir Nachstehendes entnehmen:

Dort bei dem schönen Marmorbrunnen mit den vierzehnRöhren sammeln sich die Schaaren einen Augenblick. Wohl habenManche vier, fünf und noch mehr Tagreisen zurückgelegt; aber

siehe da, wie verschwunden ist auf einmal die Müdigkeit, deswunden Fußes wird nicht mehr geachtet, und entblößten Haupteswallen Greise, Männer, Jünglinge und Knaben auf der einen,die Frauen und Töchter aus der andern Seite der breiten, schön-gcsäuberten Kirchcnsticgc processionsweise hinan zum Hause desHerrn, zum Heiligthume seiner jungfräulichen Mutter. Es istdrei Uhr Nachmittags (13. Sept.); so eben beginnt die Ponti-fical vesper, gehalten von dem päpstlichen Nuntius, MvnsignorHieronymuS d'Andrca, Bischof von Mclitcne. Kaum hatten dieletzten Töne des so schönenSalve Regina" verklungen, als derHochwürvige Herr P. Joachim Bachmann von Mcnzingcn,Stifts-Capitular und gegenwärtig Pfarrer von Frcicnbach, dieKanzel betrat und die EröffnungSpredigt hielt; in gemüthlicher,der Feier entsprechender Rede sprach er über die Worte der selig-sten Jungfrau:Großes hat an mir gethan, der da mächtig unddessen Name heilig ist." (Luk. 1, 49.) Im ersten Theile seinesBortragcs: Wer ist Maria? schilderte der Hochwürdige Rednerdie Größe und Glorie der Himmelskönigin; im zweiten: Was istMaria dem Pilger? bezeichnete er ihre hohe Tugenden, ihre De-muth , Reinigkeit, Geduld und Liebe zu Gott und den Menschen. Aufmerksamkeit und Andacht walteten von Anfang bis zu Ende.Unterdessen war es Abend geworden. Von allen Seiten, vomEtzel, von der Schindellegi, über den s. g. Katzcnstrick und Hackenher, langten fortwährend Wallfahrter an. Ungeachtet der allseitiggetroffenen Vorkehrungen zu bestmöglicher Beherbergung der Pilgerin Gast- und Privathäusern, war doch schon vor angebrochenerNacht alles überfüllt. Jetzt hatte die bisher regnerische Witterungsich gänzlich geändert; es war ein schöner Hcrbstabend, der auchdurch die vortrefflichen Leistungen der hiesigen Musikgcscllschaft, diemusicirend durch die wogenden Straßen zog, auf rühmliche Weiseverherrlicht wurde. Die ganze Nacht hindurch erscholl Gebet undGesang von vielen hundert frommen Pilgrimen, die im Hause desHerrn ihre Nachtherberge sich erwählt hatten; namentlich war dieMuttergotteöcapclle Tag und Nacht von betenden Schaaren rings-um dicht belagert. Wahrlich, hier ertönte das Lob des Herrnund seiner gebenedeiten Mutter in mancherlei Sprachen und Ge-sängen !

Ein Viertel nach zwei Uhr verkündeten der hehre Klang derzwei größten Glocken und dann wieder zahlreiche Mörscrschüsse denAnbruch des hohen Festtages. Um drei Uhr begann der Nacht-gottcSdicnst im Chöre der Religiösen, worauf (um vier Uhr) Se.Gnaden der Hochwürdigstc Herr Abt Cölestin in der heiligenCavelle das erste P vntificalamt hielt. Während dieser hohenHandlung war das Hciligthum der Gottesmutter von zahllosenLichtern prachtvoll beleuchtet. Unmittelbar vor der heil. Capcllewar auf der Höhe einer Gallerie ein großer, herrlicher Stern! angebracht, aus dessen Mitte der Name Maria glänzend! hervorstrahltc. Vier große, hcllschimmerndc Transparente flainm-z ten auf vier einander gegenüberstehenden Gallerten mit den In-schriften:Heilig, heilig, heilig ist Gott im Saale der glorreichenJungfrau! Gebenedeit sey der Sohn Mariens, der gekommen ist,ewig zu herrschen!" Die geräumige Wallfahrtskirche war gedrängtvoll. Man sah Leute aller Stände. An allen Altären wurdenheilige Messen gelesen. Alles athmete sichtliche Andacht und heiligeFrende. Und in der That, es war ein herzcrhebendcr, »eiligerAugenblick, als des Glöckleinö silberner Ton erklang, Reich undArm auf die Kniee niederfiel, und nun der ehrwürdige, drciund-siebenzigjährige Prälat seine Hände emporhob, Denjenigen haltend,dessen Majestät Himmel und Erde erfüllt. Hohe Andacht undrmie Liebe walte» ringsum. Die Stimme heiliger Sehnsucht ruft