in tausend Herzen: „Komm', o Jesu, komm!" Und siehe, derBräutigam kömmt! An zwei Altären (die gewöhnliche Commu-nionbank genügt nicht mehr) wird das Brod der Engel den durchdas heilige Sacramcnt der Buße gereinigten Gläubigen gespendet.So ununterbrochen bis Mittags. Die Festprcdigt (Morgens8 Uhr) hielt der Hochwürdige Herr Pfarrer Enzlcr von Arth.Das zweite Pontifical- oder Hochamt (um halb 10 Uhr)hielt Se. Excell. der päpstliche Nuntius, der auch am Schlüsse demVolke den päpstlichen Segen sammt vollkommenem Ablaß in ge-wohnter Form ertheilte. Die in jeder Beziehung ausgezeichneteKirchenmusik, wurde in diesem Amte von zwei Orchestern auf zweisich gegenüberstehenden Gallcricn, deren jede mit einer Orgel ver-sehen ist, aufgeführt, was einen sehr guten und großartigen Effectmachte. Inzwischen strömten immer noch große Schacircn vonPilgern herbei, so daß viele derselben Nachmittags keinen Platzmehr in der Kirche fanden. Nach der Vesper, welche abermalsSe. Erccll. der Herr Nuntius hielt, predigte der Jesuit P. Dam-bcrger. Er trug mit großer Begeisterung und Wärme eine treff-lich anSgcarbeitctc, ganz auf das Fest und die Zeit passende Redevor über die Engclweihc als historisches Factum, und das Fortbe-stehen und Fortwirken dieses Wunders, wie es sich in der ganzenGeschichte Einsicdelns zeigt.
Der Abend kam. Sah man in die Kirche, so schien allesVolk in derselben versammelt, und blickte man auf den großen,Weiten Platz vor derselben, so glich er einem wogenden, rauschen-den Meere. Heftiger Regen und Wind drohten die nächtlicheProccssivn zu vcr-itcln; aber allmälig wurde die Luft milder, derRegen lies; nach; Dorf und Kloster ward beleuchtet. Die zweigroßen Transparente auf der s. g. Kramgasse erhielten Farbe undLeben. Mitte innen stand der zierliche Muttergvttcsbrunncn eben-falls überaus schön beleuchtet. Und als die große Glocke ertönte,die Trompeten schmctt-rtcn, die Fahne» und hinter ihnen der sin-gende Klerus, bei hundert Priestern mit breimcnven Wachskerzen,in'ö Dunkel hinaustraten, da schwieg das mächtige Tosen derVolkSwogcn, und Gefühle der Anbetung unv des Dankes ergriffenjede Brust. Unten auf dem Platz, der Kirche gegenüber, stand einflammender Altar, in dessen Mitte das Bildniß der seligsten Jung-frau prangte. Als der Klerus da angelangt, empfing der Diacondie Monstranz aus der Hand d,S pontificircndcn, HochwürdigcnHerrn Abtes von Krcuzlingcn, und stellte das Brod des Lebenszur Anbetung auf den Altar. Eine schöne Motette für Gesangund Instrumente l^oon P. Cvnrad Stöcklin) rauscht durch die glanz-volle Nacht; und wie dann der Cclebraut im Namen des Drei-cinigcn mit dem gegenwärtigen hochheiligen Geheimniß den Segenertheilt; da stürzt Alles auf die Kniee, und eine Stille, als wäreder weite Raum ganz öde und verlassen, bezeugt die unwiverstch-bare Macht des Glaubens über die Menschen und das lebendigsteGefühl der Anbetung. Ein solcher Moment gegenüber dem Thunund Treiben der Neu- und Ungläubigen gibt die tröstliche Ver-sicherung, daß noch nicht alles Volk seine Kniee vor dem Baalder Gottocrgcsscnhcit gebeugt, und daß der katholische Glaube jetztnoch Wunder lhut. Die gewöhnlichen Berechner von Volksmasscnsprechen von 20,WO Personen, die da beisammen waren. Nachgenauerer und nüchterner Berechnung aber glauben wir, jene Zahlauf 15,000 reducircn zu müssen. Singend kehrte die Proccssionwievcr in den Tempel, ob dessen Hauptportal der heil. NameJcsuS herrlich erglänzte, zurück, weilte eine Zeit lang vor derehrwürdigen Maricncapcllc und zog dann hinauf in den Chor der
Kirche, in welchem aus der Höhe ein flammendes Kreuz als Sie-geszeichen herablcuchtete. Ein lantum erZo beschloß die Feierdieses Tages; und „Isntum ergo" stimmten wohl viel tausendHerzen ein: 1-mtum ergo! „So Vieles also" hast Du, o Herr!deinem Volke gethan, hast hier einen Gesundbrunnen errichtet, zudem so mancher Kranke eilt, hast hier eine Burg des wahrenGlaubens erbaut, gegen welche die Hölle vergebens anstürmt, hasteinen Leuchtthurm errichtet, in welchem die fortwährend brennendeLampe der Verehrung Mariens dem mit vielen Sturmwogenkämpfenden Volke tröstend cntgegenwinkt.
Köln , 15. September. Am heutigen Tage feierte derPfarrer zu den heiligen Aposteln und Ehrcndomhcrr, Herr Geist-mann, sein fünfzigjähriges Pricstcrjubilcium. Die wirklich großeThätigkeit, welche derselbe für Schule und Kirche so wie für Armeentwickelte, und sein anspruchloscS, zugängliches Wesen hatten ihmunter dem Kölner Volke eine große Popularität erworben, so daßdie Theilnahme an diesem Feste sich über die Gränzen der Pfarr-Gcmcmde zu den heiligen Aposteln erstreckte. Am Vorabende desFestes, dem 14., wurde ein schöner Fackclzug nebst Serenade ihmgebracht, wobei das katholische Militär, dessen Seelsorger in Er-mangelung eines eigenen Geistlichen Herr Geistmann ist, eben-falls sich bethciligte. Um neun Uhr fand ein solennes Hochamtstatt; der Herr Jubilar als Celcbrant wurde dabei von seinenjetzigen und ehemaligen Caplcincn bedient, und einer von ihnen,Pfarrer Horn von Eschweiler , hielt die Festrede. Se. Erzbischöf-liche Gnaden, die der Feier die Ehre der Gegenwart, mit demDomcapitel, schenkten, hielten am Schlüsse ebenfalls eine denOberhirtcn wie den Gefeierten ehrende Anrede und überreichtenihm das Diplom der Ernennung zum Erzbischöflicheu GeistlichenRathe gcl Iicmoi-es, — das erste Beispiel eines solchen Titelsin der Erzdiöcesc. Ferner ward der Gefeiertc, der bereits denrothen Adlerorden vierter Classe besaß/ mit dem rothen Adlcrordmdritter Classe beschenkt. Untcr mehreren von der Psarrgemcindeund einzelnen Verehrern ihm gewidmeten schönen Festgaben zeichnetesich ein schöner vom Officiercorps ihm gewidmeter Becher aus.Das Schönste bei der ganzen Feier war die allgemeine Ueberzeu-gung daß der eben so anspruchslose, als eifrige Seelsorger soviele Beweise der Verehrung mit vollem Rechte verdient. Dieschöne byzantinische Kirche, durch die rastlosen Bemühungen desaltersgrauen aber noch jugendlich thätigen Jubilars jetzt vollstän-dig rcstaurirt, war auf's Herrlichsie geschmückt und vermochte dieMenschcnmassc kaum zu fassn. (Katholik.)
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Zu Brixcn versammelten sich, außer dem Klerus der Fürst-bischöflichen Residenz, beiläufig 40 Priester, um an den Geistcs-übungcn Theil zu nehmen, welche gemäß der Anordnung des Fürst-bischofs vom 4. bis 8. August daselbst stattfanden. Die zwei Je-suiten Wcningcr und Singer aus Innsbruck leiteten dieselben.Der greise Fürstbischof begann in eigner Person die heilige Feier,segnend die mit ihm in Christus dem Herrn versammelten Söhne,und hcrabrufend über sie die Gnade des heiligen Geistes. Gut ge-wählt und tief ergreifend waren die Vorträge der P. P. Jesuiten ,und die Anwesenheit des Oberhirtcn steigerte den Eifer der Zuhörer.
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