ersten Reise nach dieser Krankheit, im Jahre 1839, war überallfestlicher als je; die eine Pfarre wetteiferte mit der andern, demehrwürdigen Greise ihre Liebe zu erweisen und ihre Treue gegendie katholische Kirche an den Tag zu legen. Auch die Landleuteaus der Umgegend von Münster suchten, als er von der Reisezurückkehrte, diese Gelegenheit zu benutzen, ihre Verehrung gegenihn öffentlich zu zeigen, sie empfingen den verehrten Oberhirteneine Stunde vor Münster und begleiteten ihn in großer Anzahl zuPferde bis zu seiner Residenz. Und welche frohe Bewegung warnicht, als der Hochwürdigste Bischof am 13. Juli 1343 seinfünfzigjähriges Priester-Jubiläum feierte! Es kamen nicht alleindie Geistlichen aus allen Gegenden der Dioccse in großer Anzahl,sondern auch viele Laien, um dem allverehrten Jubilar Glück zuwünschen. Die Geistlichkeit widmete ihm als Ehrengeschenk einStammcapital zur Errichtung eines Convictes für solche Jünglinge,welche sich dem Studium der Theologie widmen wollen, und dieVertreter der Stadt Münster sprachen bei den verschiedenen zuEhren des Obcrhirten angeordneten Festlichkeiten ihre Achtungund Liebe gegen ihn und ihre Anhänglichkeit an den katholischenGlauben mit Entschiedenheit und wahrer Begeisterung aus. DieBewohner Münsters namentlich sesselte der hochw. Bischof schon inihrer Jugend an sich; alle. Kinder nämlich besuchen U,n seit Jah-ren am Tage ihrer ersten hl. Communion, um seinen Segen zuerbitten. Der würdige Oberhirt, ein wahrer Jugendfreund, em-pfängt sie stets mit der größten Liebe, ertheilt ihnen freundlicheErmahnungen und schenkt ihnen zum Andenken ein Bild oder einGebetbuch. Diese Bücher und Bilder werden in vielen Familiensorgfältig aufbewahrt, und haben für sie als Andenken an einender wichtigsten Tage des Lebens und als Geschenk des verehrtenOberhirten doppelten Werth.
Was die Leitung der Diöcesan-Angelegenheiten angeht, so.ließ Caspar Maximilian diese in dem ruhigen und geregeltenGange, in den sein längst verstorbener großer Freund Fürsten -bcrg sie gebracht, und suchte dessen weise Einrichtungen in Bezie-hung auf Kirche und Schule in jeder Weise zu erhalten und zufördern; er belästigte die Geistlichen nicht mit unnützen Schreibe-reien, und besordcrte nie übermäßige Bureau-Arbeiten, aber ervernachläßigte auch diese nicht, wohl wissend, daß auch die äußernVerhältnisse der Kirche namentlich die Vermögens-Verwaltung ge-regelt sein und bleiben müssen; er erließ zu diesem Ende am 1.September 1837 eine Verordnung wegen einer zweckmäßigen Ge-schäftsführung, und befahl darin allen Geistlichen und Rirchen-bcamten sich pünctlich hiernach zu richten, um sowohl die nothwen-dige Ordnung in den Geschäften bei der bischöflichen Nehörde, alsbei jeder Pfarre und Kirche zu erhalten. Eine andere dahin zie-lende Verordnung wegen Ausnahme von Inventarien über die Ar-chive bei den Kirchen und sonstigen geistlichen Anstalten wurde be-reits am 17. Juli 1832 erlassen, und bezweckt neben der Erhal-tung und Sicherung der Einnahmen und Gerechtsame dieser An-stalten auch die Aufklärung der Kirchen - und Landeögcschichtc.Indessen war ihm dieses immer nur eine, wenn gleich wichtigeNebensache, die Seelsorge dagegen, wie es die göttliche Sendungfordert, die Hauptsache. Fast die ganze Geistlichkeit wuchs unterseinen Augen auf; er hat sie nicht nur gesinnt, ihren Prüfungenbeigewohnt und sie zu Priestern gcwcihet, sondern er besuchte sieauch von Zeit zu Zeit und beobachtete sie in ihrer Amtsthätigkeit.Durch Wort und That wies er sie bei jeder Gelegenheit auf ihrenBerns hin, für das Seelenheil der Anvertrauten zu sorgen, undführte namentlich dicserhalb die Synödalreden wieder ein, in denenentweder er selbst oder andere bewährte Männer, jedoch immer in
seiner Gegenwart, die Geistlichen auf ihre wic>,l^>.. > , ^>..,imerksam machten und zu einem wahrhaft priestcrlichcn Leben undWirken mahnten. Die Seclsorgc lag ihm so ant Herzen, daß eralle Geistlichen, auch diejenigen, welche vermöge ihres VencficiumSnicht dazu verpflichtet waren, veranlaßte, so viel möglich daranTheil zu nehmen. Auch wurden unter seiner Regierung mehrereneue Pfarren errichtet und an vielen Orlcn das Pfarrwescn neuorganisirt.
Aus dem Eiser für die Seclsorgc ist das Interesse hervorge-gangen, welches er immer für die mit der Kirche in enger Ver-bindung stehenden Schulen bewiesen; auf allen seinen VisttationS-reisen widmete er den Elementarschulen und Gymnasien seine beson-dere Aufmerksamkeit, er besuchte sie nicht bloß, sondern ließ auchPrüfungen abhalten, und cS machte ihm immer die größte Freude,wenn er Lehrern und Schülern seine Zufriedenheit mit ihren Lei-stungen bezeigen konnte. „Wir ermähnen euch, ihr Schullehrerund Schullehrcrinncn," spricht er in seinem an die Divccsancngerichteten Hirtenbriefe vom 4. April 1826, „vergesset es nicht,daß euer Amt eines der allcrwichtigsten und ehrwürdigsten aufErven ist! Nicht nur oberflächlich müsset ihr euch hieran erinnern,sondern ihr müsset die Würde und die Wichtigkeit eures Amtesoft wiederholt so beherzigen, daß ihr davon ganz durchdrungenund aufs neue zum Eifer und Fleiße, euer Amt treu zu verwal-ten, erwecket werdet." In demselben Briese crmahnt er auch dieEltern, auf jede mögliche Weise für guten Unterricht und guteErziehung ihrer Kinder zu sorgen: „Diese, sagt er, werdenewig eure Freude und Ehrcnkronc seyn, wenn sie geworden sind,was sie seyn sollen."
So sehr unser Hochwürdigstcr Bischof auch von jehcr gestrebthat, im freundlichen Einverständnisse mit den Staatsbehörden dieInteressen der Kirche zu fördern, so hat er doch dieser nie etwasvergeben, vielmehr deren Rechte sowohl in früheren Jahren alsArchidiacvnus als später als Bischof immer gewahrt. Sein segens-reiches Wirken für Kirche und Staat wurde von Sr. Majestätdem Könige dadurch anerkannt, daß ihm im Jahre 1840 derrothe Adler-Orden erster Classe verliehen wurve. DenAdler-Orden zweiter Classe hatte er schon im Jahre 1332 erhal-ten. Auch des Großhcrzogs von Oldenburg Königl. Hoheit ließihm bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Pricsterjubiläumö denGroßhcrzoglich Oldcnburgischcn Haus- und Verdienst-Orden miteinem Glückwunschschreiben überreichen.
Die höhere Weihe empfängt endlich das Wirken des allver-ehrten Obcrhirten durch sein würdevolles frommes pricstcrlichesLeben. So lange cs scinc Gesundheit erlaubte, brachte er an allenSonn- und Feiertagen im Dome das hl. Meßopfer dar, hielt anden höchsten Festen selbst das Hochamt, begleitete die Proccssionenund trug am heiligen Fronlcichnamötagc, so wie bei dcr großenProcession das heiligste Sacramcnt. Jetzt, da er dieses, wenngleich ungern, seiner Kränklichkeit wegen unterlassen muß, siehtjmcm ihn dennoch oft an Sonn- und Feiertagen zur großen Er-I bauung der Diöcesancn im Dome beim öffentlichen Gottesdienste,j nicht allein des Morgens beim heiligen Opfer, sondern auch desNachmittags bei der Predigt. Es ist in Westfalen , im Nhcin-lande und darüber hinaus allgemein bekannt, mit welcher Würdeund innerer Andacht er stets alle geistlichen bischöflichen Functioncnzur Erbauung aller Anwcscndcn vcrrichtct, wie er hierbei keineMühe und Anstrengung scheut, sondern immer unverdrossen undbereitwillig zur Ehre Gottes und zum Heile dcr Menschen ist.Noch in den letzten Jahren konnten ihn Altersschwäche und kör-perliche Leiden nicht abhalten, am heil. Psingstfcste im Dome zu