Münster das hell. Sacramcnt der Firmung zu spenden. Es istein erhebender und rührender Anblick, wenn der ehrwürdige Hirt,gestützt auf die Arme der begleitenden Geistlichen zum Altare fastgetragen wird und mancher erinnert sich beim Anblick des frommenGreises, des Jüngers der Liebe, der alt an Jahren aber jugend-lich kräftig im Glauben und heiliger Liebe von seinen Schülernunter die Seinen sich tragen ließ, um nur die wenigen Worte zusprechen: „Kindlcin liebet euch unter einander."
Schließlich dürfen wir nicht unerwähnt lassen, daß Theil-nahme, Mitleid und die großmüthigste Wohlthätigkeit gegen dieArmen schöne Züge seines Charakters sind; er unterstützte nichtnur alle wohlthätigen Unternehmungen zu jeder Zeit auf das be-reitwilligste und freigebigste, sondern linderte auch das Unglückvieler Familien und gab manchen Jünglingen von Talent dieMittel, sich den Wissenschaften widmen zu können.
Die Mission zu Stamsried und ihre Früchte.
(Kirchen;, s. d. k. Deutschland .)
Die Väter Nedcmptoristen von Altötting hielten zu Stams-ried in der Oberpfalz eine Mission ab. Sie fand vom 20. bis27. Juli statt. Der Decan und Pfarrer von Stamsried , derHochwürdige Herr NicolauS Märkl, hat nun einen Bericht überdieselbe und über ihre Wirkungen veröffentlicht. Im Eingangsagt der Berichterstatter: „Wie groß die Macht des religiösenGlaubens, und mit welch wunderbarer Kraft unv Salbung dervom heil. Alphons Liguori gestiftete Orden der Ncvemptoristendiese Macht zu entwickeln, und in den Gemüthern der Gläubigenden lebendigsten Bußsinn, die gottseligste Umwandlung zu bewirkenvermag, zeigten die Missionen, welche die ehrwürdigen PP. Ne-demptoristcn aus Altötting während der letzten Monate Juli undAugust im Dccanat Roding, namentlich in den Pfarreien Roding ,Waldcrbach, Stamsried, Zell unv Pcnting abgehalten haben."Dann fährt er also fort:
„Referent beschränkt sich hier auf die Misston zu Stamsried ,und verschob den Bericht, bis er von der Nachhaltigkeit der Früchtedurch thatsächliche Beweise Ueberzeugung gewann. Der für daszeitliche und ewige Wohl seiner Unterthanen gewissenhaft besorgteund frommstnnige Gutsherr von Stamsried , der Königl. Staats-rath und Minister des Innern, Herr Karl von Abcl, war es,welcher die Initiative zu den hiesigen Missionen gab, und diebedeutenden kosten der Her- und Rückreise der PP. Nedcmptoristenbcstritt. Samstag den 19. Juli hielten die ehrwürdigen Patreszu Stamsried ihren Einzug, aus innigster Achtung begleitet vonsämmtlichen Beamten des königl. Lanvgerichts Roding und Rent-amts Waldcrbach, empfangen von sehnsüchtiger Liebe der hiesigenEinwohner. Herr P. Bruch mann, Rector der Versammlungvom Allerhciligstcr Erlöser zu Altötting (ein in religiöser, wissen-schaftlicher und oratorischer Beziehung ausgezeichneter, vielseitig ge-bildeter, durch körperliche Vorzüge impvnircndcr Mann von ächtkatholischer Orthodoxie) eröffnete am 20. Juli die Misston miteiner ergreifenden Rede, welche ans die versammelte Masse vonmehr als 4000 Gläubigen den tiefsten Eindruck machte und durchdie allgemeinste Rührung die Gemüther -für die Mission stimmte.Was nun während der acht Tage dieser Gnadcnzeit der selteneVerein dcr neun durch Frömmigkeit, Seelcncifer und Rednergabehervorragenden Rcdcmptoristcn sowohl auf der Kanzel als auch imBeichtstühle leistete, gränzt an daö Unglaubliche, und war nur
möglich durch den sichtbaren Beistand des göttlichen Geistes, dermit ihnen und durch sie wirkt. Von der frühesten Morgenstunde5 Uhr bis Abends 7 Uhr hörten die Patres mit bcwundernswertherGeduld neun Tage hindurch die Beichten dcr Büßer, und erlaub-ten sich nur um Mittag eine kurze Stärkung durch ein einfachesMahl. Sämmtliche Predigten wurden unter freiem Himmel voreinem festlich decorirtcn Altar auf dem großen Marktplatze gehalten.Täglich hielten die Missionäre drei, immer länger als eine Stundedauernde Predigte», und an den drei Tagen der allgemeinen Cvm-munion in der Kirche noch drei besondere Vortrage, jedesmal vor,bei und nach dieser heiligen Handlung. Die unsäglichen Anstren-gungen wurden noch erschwert durch die drückendste Sommerhitze,und obschon die Patres in der Gluth ihres Eifers vom Morgen biszum späten Abend im eigentlichen Sinne vom Schweiß der aposto-lischen Arbeit träuften, so waren sie dabei doch immer des fröhlich-sten und heitersten Sinnes, Gott dankend für die besondere Theil-nahme und Bekehrung der Gläubigen, nur das Wort im Munde:„Alles Gott zur Ehre! Wenn dcr Herr nur unsere Arbeit segnet!"Wirklich sprach Gottcs Geist aus diesen Aposteln. Die Schriftstelle(Act. 4, 31.) erfüllte sich von Neuem: „Alle waren mit dem heil.Geiste erfüllt, nnd sie redeten das Wort Gottes mit Zuversicht."Die Wirkungen des göttlichen Geistes durch den Mund dieserPrediger waren außerordentlich. Was David sang (Ps. 103, 30.),bewährte sich hier: „Sende herab Deinen Geist, und sie werdenneu geschaffen; umwandeln wirst Du die Gestalt der Erde." Ja,eine neue Umwandlung zeigte sich in den rührendsten Zügen. DerUnterricht über Beicht und Buße, über Ziel und Ende des Men-schen, über Todsünde und Aergerniß, über die Fleisches- undZungen-Sünden, über Tod, Gericht und Hölle erschütterten dieGemüther, zeigten dem Sünder den Abgrund seines Verderbens,und schreckten ihn auf zur ernstlichen Besinnung und Selbsterkennt-nis;, zur redlichen Buße und Besserung. Als die tiefcindringlichepredigt vom Gottesraube stattfand, und der Redner die versam-melte Schaar von 15,000 Menschen zur Abbitte der Frevel vordem Allerheilie-sten Sacramcnt in «iner, das Innerste erschütterndenWeise aufrief, da stürzten die Tausende demüthig auf die Kniee,unter einem Thrcincnstromc schluchzend, ja bei der Steigerung desAffcctS laut wehklagend, so, daß die kräftigste Stimme des Pre-digers erstickt ward. O cs war eine feierliche, ergreifende Scene,bei welcher selbst dcr Ungläubige die Macht des Glaubens erken-nen muß; da wurde das Felsenhcrz weich, und auch der verstock-teste Sünder ward ernst und zitterte. In allen Gemüthern warbei der Kreuzprcvigt der neue Bund mit Gort durch den Erlöseram Kreuze geschlossen, und die Gelübde der Besserung schalltenbei dem fragenden Aufruf des Predigers aus tausend und tausendZungen mit dem lauten, von Thränen besiegelten: „Ja, Ja,Ja," zu dem versöhnten Himmel empor. Die beruhigenden Pre-digten über Gottes Barmherzigkeit, über die Hilfe Mariens, überdie Kraft des Gebetes und das Leiden Christi, gössen wieder denBalsam des Trostes in die zerknirschten, wunden Herzen. DieSchlußrede des P. Rector von der Beharrlichkeit im Guten setzteden vorigen Sieden die Krone auf, und befestigte in den Gläubigenden Vorsatz standhafter Besserung, welchen die Menge in lautemSchluchzen und Weinen kund gab.
(Schluß folgt.)
Verantwortlicher Redatteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.