Ausgabe 
5 (12.10.1845) 41
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

5»SS - ^i/.,

«'

.^M««M»«^

^ V" /

MO^^^l!^.7-///^

" ^/^^M

Augsburger P-stzeitung.

Iweite Jahre-Hälfte. ^ ^T. Bet. ^G^S.

Die Mission zu Stamsried und ihre Früchte. !

(Schluß.)

Wie bewunderungswürdig der unermüdliche Eifer der from-men Väter für das Seelenheil ihrer Mitbrüdcr, so erstaunlich wardie ausharrende Geduld und Theilnahme der Gläubigen. DieSorgen für das Zeitliche vergessend, nur noch um das Heil ihrerSeele bekümmert, verließen Alle ihre häuslichen Arbeiten, undströmten zu den Predigten und Gcneralbeichten. Die reifen Korn-Aehren riefen sehnsuchtig der Sichel: allein Niemand hatte nocheinen andern Sinn, als an seiner Seele ewige Früchte zu ernten.Eltern und Kinder, Hausväter und Mütter, Knechte und Mägde,Gläubige aus allen Ständen strömten zu den Predigten, heiß-hungrig nach der Speise des göttlichen Wortes, die ihnen inneuer, kraftvoller besonderer Würze geboten ward. Die Mengeder Andächtigen mehrte sich täglich, so daß an einig/n Tagen dieVersammlung auf 15- 16,000 Menschen stieg; denn der Rufvon dem außerordentlichen Segen der Mission zog sowohl von denbenachbarten Städten Cham , Ncunburg, Nötz zc. als auch vonden weitesten, 6 Stunden entfernten Gegenden, selbst von Böh-men , Thcilnchmer herbei. Allenthalben und immer herrschte diegrößte, nicht durch den geringsten Vorfall gestörte Ruhe. Ausallen Gesichtern sah man nur andächtigen Ernst und die Spureninnerer Ergriffenheit.

Zwei und drei Tage lang harrten die Andächtigen auf dieBeichte in unglaublicher Geduld, und die Kirche war die ganzeNacht mit Büßern gefüllt, die entweder im Gebete verharrten,oder dort blieben, um den nächsten Morgen die Ersten an denBeichtstühlen zu stehen. O eS war biö zu Thränen rührend,wenn jeden Abend bei dem feierlichen Ertönen der großen Airchcn-glocke, welche eine Stunde nach dem Gebeteder Engel des Herrn"gezogen ward, in der Stille der Nacht der ganze Ort u>d alleUmgebung hinsank auf die Kniee, laut betend für die Bekehrungder Sünder. Da die PP. Nedcmptoristen nur die Beichten derPsarrgcnosscn annahmen, so wurden die zahllosen Fremden so vielmöglich von den hiesigen Pfarrgeistlichen und von den zur freundliehen Aushilfe Hieher gekommenen Pciestern zur Beichte gehört.Es haben die meisten der Pfarre Angehörigen (wenige ausgenom-men) Gcneralbeichten abgelegt, und die Zahl der Communiccmten

mit Einschluß der Fremden beträgt gegen 5l)öl). Den regenVußgeist, und die frischen Vorsätze der Besserung suchte unserHvchwürdigstcr Herr Bischof Valentin zu befestigen, welcherSonntags Den 27. Ju!i nach Stamsried kam, und die versam-melten Diöccsancn in einer eben so k> ästigen als väterlichen, ge-müthvollen Rede zur Bewahrung der MissionS - Gnaden, zurStcmdhaftigkcit im Guten, zum Ausharren bis ans Ende ermunterte.

Die Wirkungen der Mission sind wunderbar. VieljährigeAdultericn und concubinarische Verhältnisse sind aufgegeben; unge-rechtes Gut wird in den Pfarrhof gebracht, zur Zurückgabe andie Eigenthümer; die bittersten Feinde bieten sich die Hand, undlangjährige Processe heben die Gegner auf. Fluchwortc undschmutzige Gespräche, Zottenlicder werden von den Guten gehin-dert. Bußgcist, GebctSliebc, andächtige Stille während dcö kirch-lichen Gottesdienstes, Nächstenliebe, bescheidener und ruhiger Sinn,Mäßigkeit und Milde sinv in rührenden Zügen sichtbar. Dieledigen Leute vereinigen sich zu einem Tugendbunde; die Büßerstehen an Sonn- und Feiertagen gedrängt an den Beichtstühlen,und die Andächtigen halten an diesen Tagen in der PfarrkircheBetstunden biö zum späten Abend. In den Gasthäusern herrschtRuhe nnd Ordnung und sie sind geleert um die gesetzliche Stunde.Seit der Mission hielt kein Wirth mehr eine Tanzmusik.

Diese wohlthätige Umwandlung, diese Beruhigung des mitGott ausgesöhnten Gemüthes, diesen innern Hünmclsfriedcn aner-kennend, und in seiner Süße suhlend, war das ganze Volk auchcntglüht vom Dank gegen ihre geistigen Wohlthäter. Wie Kin-der von einem geliebten Vater, so trennten sich die Beichtkindervon den lieb gewordenen Vätern unter Schmerz und Thränen.Der heiße, aufrichtige Dank drückte sich aus in festlichen Triumph-bögen, durch welche die Scheidenden den Sieg über die bekehrtenHerzen erkennen sollten, durch Blumenguirlanden, womit man ihreNeisewägcn schmückte, durch Blätter und Blumen, womit man ihrePfade bestreute, durch Anreden und Gesänge der Jugend, durchdie rührendsten, unter schmerzlichem Schluchze», die Luft erschüt-ternden Rufe der tausend Zungen:Vergelt Gott Alles tausend-mal!" Unter diesem Rufe begleitete das Volk die Scheidendenweithin, und konnte sich kaum von den Priestern trennen, die ihmso viel Gutes thaten.

Noch immer füllen sich die Augen der Gläubigen mit Thränen,