wenn die Pfarrgcistlichen zur Bewahrung dcr Missionsfrüchte beiihren öffentlichen Vorträgt» cm die Bußpredigten dcr Mission,und an die Gelübde dcr Besserung erinnern. O möchten die er-freulichen Früchte — durch standhafte Beharrlichkeit der Gebesser-ten — Segen für die ganze Umgegend bleiben!! — OcftereRenovationen dürften dcr Mission die nachhaltige Wirksamkeitsichern. Die geistlichen Orden unserer Tage fördern so mächtigals ersprießlich mit ihrer rühmlichen Wirksamkeit das geistige undreligiöse Wohl des Volkes; allein der Orden der PP. Ncdcmpto-risten scheint in nnscrer frivolen Zeit besonders von Gott berufen,den ticfgcsuukencn Glauben aufzurichten, und das in sinnliche Lüsteund Genüsse versunkene Volk zur bußfertigen Sinnesänderung undzu christlicher Sclbstvcrläugnung zu erheben. Wahrlich die katho-lische Kirche feierte in den Missionen unsrer Gegend herrlicheTriumphe durch die sonderbare Macht des Glaubens. Wer hier-über anders urtheilen oder die innere heilige Kraft dcr Missionbezweifeln möchte, versuche es selbst zu seiner Heilung, die Geistes ^Übungen einer solchen Mission mitzumachen. Das innere Lebenin Gott und Christus, die hicdurch bewirkte Besserung der äußerenSitten wurde gewiß das Eigenthum jimer Gemeinde werden, wocS den PP. Rcdcmptoristcn gegönnt ist, auszustreuen den Segenihrer Mission, an die Gott augenscheinlich seine Gnaden heftet.Wo die Mission nichts mehr fruchtet, hat die alte Schlange ihrenThron aufgeschlagen.
Die Macht des Glaubens und Gebetes.
(Schluß.)
Gleichzeitig war Giovanna durch den berühmten Jesuiten Alberto Albcrti in Italien thätig, der ein zartes, von aller Eitel 'keit freies Wesen mit erstaunungSwürdigcm Reichthum von Gelehr-samkeit verband. Alberto nahm sich der Giovanna an, als siearm und hilflos in dcr Welt lebte. Er sah sie selten, aber standin fortwährendem Briefwechsel mit ihr, als sein Wirken unermeß-lich weit aufgriff, wie andere Menschen es kaum möglich findenkönnen. Während er durch alle größern Städte Italiens zog alseifernder Prediger, in Graubündcn und Valtclin gegen die nachItalien vordringcnde Irrlehre mit dcr größtcn Gefahr seinesLebens, und unzählige Werke religiösen Inhalts auf Befehl dcrBischöfe im Puncte ihrer Ncchtglänbigkeit prüfte, schrieb er nochselbst viele und bändcreichc Bücher der verschiedensten Art; so daßseine Vielseitigkeit und GeschäftSgcwandthcit gleich sehr bewundertwurde. Mit den großartigen Ansichten dcr Giovanna vollkommeneinverstanden, von ihrem Geiste getragen, durch ihre F!ammen-briesc cntzündct, ging er ganz in ihre resormircnden Bestrebungenctn, und vernichtete in der Lombardie die Anhaltspunctc dcr Pro-testanten zur Verbreitung ihrer Lehre durch die Verbesserung derverdorbenen Sitten. Insbesondere reformirte er den abenteuerlichenGeschmack der Prediger in Italien , ihn zurückführend ans dienatürliche Einfachheit des Styles und Vertrages ganz im Geisteseiner Freundin, die selbst so laut und so nachdrücklich gegen diesePrcdigcrunfugc geeifert. Er schrieb ein eigenes Werk gegen dieAsterzicr dcr italienischen Frauen, welche schon der verkannte Bar-tholomco Saluzzo als Hciuptrcizmittel der Wollust so erschütterndund mächtig angegriffen hatte. Er vertheidigte seinen Orden, dender bekannte Kaspar Scioppius , ein Anhänger der herrschendenIrrlehre, als staatcnzerstörcnd angegriffen hatte, so nnwivcrsprech-lich, daß dcr letztere aus Gram über seine Niederlage starb. DieWechselbeziehungen zwischen Giovanna und Albcrto bildeten sich bis
in die kleinste Einzelnheit des Lebens aus, und bestätigten oftüberraschend die Macht des Geisterbundes, die beide zum Kampfefür die Wahrheit in der Trunkenheit heiliger Gottcsliebe verband.So lebte er zum Beispiel zur Pest in Cremona gerade so wieGiovanna in Rovcrcdo. „Ich bin unendlich fröhlich," schrieb eraus dcr pesterfüllten Stadt an seinen Bruder, „und ganz trunken-von meinem Gott. Die Pest ist meine Vertraute geworden, ichdenke nicht einmal an ihre Gefährlichkeit. Ich bin so sorglos, soheiter im Geiste als befände ich mich in der gesunden Sicherheiteines Landhauses zur Unterhaltung. Und doch erdrückt mich dcrtägliche Beichtstuhl fast, ich laufe Tag und Nacht den Krankennach, ich bettle für die Armen von der eine» Thür znr andern,um besonders die unglücklichen Mädchen, früher schändlichem Ge-werbe verfallen, in eigenen Schutzhä'usern unterzubringen. MeineZelle ist ein Trödlcrladen voll zusammengebettelter Kleidung fürdie Armen!"
So stand das schwache Weib in Südtirol zwischen Gallasund Alberto in der Mitte, die crusrcgende, belebende, rathendeGeistes- und Gotteökraft, mit der Hand des einen die irrlehrigeSchwedenhilfe niederschmetternd, mit dem Geiste des andern Ober-Italien allem Herandrängen der Irrlehre verschließend, beide ver-einend in den Flammen ihrer gottgeborncn Andacht, in Deutschland die Stifter und Vertheidiger des LutherthumS entmuthigend, inItalien die Franzosen und Schweizer , ihre unnatürlichen Helfers-helfer und Verbündeten, bekämpfend , dadurch die Lebensverbindungzwischen der deutschen und italienischen Nation in Gott und Kircheerhaltend. Alberto überlebte die Giovanna um drei Jahre, erstarb nämlich in Rom 1676 am 3. Mai. Sein Abscheiden stellteabermals jenes überraschende Zusammentreffen dcr Zeitumständc her-aus, die wir so oft an diesem hochgestellten verzückten Betern undBeterinnen zu bemerken Gelegenheit haben. Sie wurden nämlichgrößtcnthcils im Frühlinge der Erde entrückt, im Dufte dcr Erden-blüthe hinüberschlummcrnd in den ewigen Gcifterfrühling, derschon auf dieser Welt so mächtig in ihren Seelen getönt hatte.Sein Tod war sanft und leicht, wie ein Hereingreifcn dcr voraus-gegangenen Freundin, um seine Seele zum Mitgenusse Gotteshinüber zu nehmen in die Sonne ewiger Klarheit.
Der dreißigjährige Krieg war nun überstanden, er hätte diekatholische Religion vernichten sollen, und siehe! die Religion waraus ihren eigenen Tiesen, durch den heiligen Geist, den keineErdenmacht hemmen kann, wieder belebt, geläutert, entflammtworden. Für den Abfall vom Glaube» in Deutschland , für dieBlutsaat des unmenschlichen Brudermordes trat reichliche Entschä-digung ein durch die tiefere Innerlichkeit, Andacht und Sittcnrcin-heit der katholischen Länder, die durch die Geißel Gottcö gemahnt,durch die Begeisterung der Frommen fortgerissen, mit Herz undLeben dem Geiste dcr Kirche sich anschlössen, denkend, fühlend,wirkend in Eins, mit dieser Einheit dcr gegenüber wühlenden Zer-rissenheit des Protestantismus vollkommen gewachsen. Dcr errun-gene, katholischcrseitö mit so viel Vorgefühl dcr Zukunft, mit soheißen Thränen hcrbeigcbetete Friede legte sich heilend auf alleLebens- und Kirchenvcrhältnisse, und die Frommen wirkten mitdem Flammcncifcr ihrer gvticrfülltcn Brust fort am heiligen Werkedcr Wiedergeburt ihrer Hcimath in Glauben und Tugend. Soinsbesondere Giovanna in Tirol! Ihre Wirksamkeit hatte sie mitden ersten Staatsmännern, mit den höchsten Kirchcnfürstcn in heil-same Verbindung gebracht, und sie benutzte Dieselbe mit dcr ge-wissenhaftesten Sorgfalt znr Ausbreitung ihrer Grundsätze. IhrKloster in Noveredo wurde eine Wallfahrtsstätte, zu der Hohe undGeringe mit Andacht pilgerten, um sich Scelcntrost, Licht und