Ausgabe 
5 (12.10.1845) 41
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Aufmunterung zur Tugend zu suchen, und wer nicht gehen konnte,suchte sie heim mit Briefen. Stundenlang lehrte sie im Sprach-zimmer, mit Macht eindringend in die Gewissen, alle Bloßenaufdeckend', die Seelenwunden heilend. Ihr Heller Einblick in allemenschlichen Verhältnisse machte sie zum Gegenstände allgemeinerBewunderung für die Guten, d.s Schreckens für die Bösen, zurSpruchbehörde für die Staatsmänner. In Innsbruck stand umdiese Zeit Graf von Spaur an der Spitze der Negierung, undunter ihm Baron von Trojer, beide Männer von Auszeichnung,voll Gottesfurcht und Andacht. Sie unternahmen keine wichtigeAngelegenheit ohne ihren Rath einzuholen, und konnten ihre Klug-heit und Umsicht nicht genug loben. Kaiser Leopold 1 . stand mitihr in ununterbrochenem Briefwechsel, und verhandelte die wichtig-sten Geschälte seines Hauses und seiner Länder nach ihren Rath-schlägen. Ja! der berühmte Paul Hocher , erster Kanzler desKaisers, mit ihr auf das innigste befreundet, nahm keinen Anstand,zu erklären:Sie ist ohne allen Zweifel ein großes Weib! Esbegegnet mir oft, daß ich sie über eine Staatsangelegenheit umRath fragen muß. Sie gibt ihn aber so, daß ich und alle an-dern kaiserlichen Räthe meinen, das bloße Befolgen dieses Rathessey schon cln und für sich so viel als die vorliegende Sache zuGrunde zu richten. Wird der Rath aber ausgeführt, so gehtalles vortrefflich von Statten, und ich finde dann jedesmal, daß,wenn er nicht befolgt worden wäre, die Sache nothwendig hätteverloren gehen müssen!" Diese entschiedene Uebermacht ihres Ur-theiles und Hellblickes unterwarf ihr die größten Geister in Deutsch-land und Italien , die demüthig von ihr Lehre und Unterricht an-nahmen. Die vorbeireisenvcn Gesandten, selbst von protestantischenFürsten, legten ihr im Kloster zu Novercdo ihre Jnstructivnenvor, und ließen sich von ihr die beste Art der Ausführung dictiren.Alle damaligen Fürsten, geistliche und wellliche, besuchten sie undstärkten sich an ihrer Tugend und Weisheit. Die Masse vonBriefen, die von allen Enten an sie einliefen, war ungeheueraus allen europäischen Ländern, selbst von Ungarn, Siebenbürgen ,Mähren, Polen, Nußland und Dänemark , in fast allen cnropäi-schen Sprachen, so daß sie eigene Dollmetschcr brauchte. KeinBrief blieb unbeantwortet, sie schrieb mit eigener Hand oft ganzeNächte, und ihr Secretär, Franz von Kles, ein Franciscancrmönchim Kloster zu Novercdo, berühmt durch seine äußerst zierlicheHandschrift, hatte nebenbei vollauf zu thun, die übrigen nachihrer Angabe in lateinischer Sprache zu beantworten. Selbst dergemeinste Schuster und Schneider von Stciermark, Kärnthen,Ärain, Neapel und Genua sand aus ihrer reichen LiebcSfülle einefromme, rathende, aufmunternde Belehrung in der pünctlichstenBeantwortung seines oft äußerst schlecht und unleserlich geschriebe-nen Briefes. Kranke wurden heil durch ihr Gebet in weiter Ferne,verstockte Sünder auf einmal blitzähnlich gerührt, alle menschlichenGcbrcchcn erleichtert. So hatte sie schon bei L-bzeiten eine soweit verbreitete Verehrung genossen, wie sie nur wahrhaft großenund heiligen Seelen zu Theil wird. Ganz Tirol war von ihremGeiste durchdrungen, von ihren Worten erschüttert, durch ihrLeben im Glauben befestiget, und das Ausland hatte sich demüthigherangelassen, die Kraft der katholischen Frömmigkeit in den Ge-birgen anzuerkennen. Das kirchliche Princip der Katholiken, ineinem schwachen Weibe vnkörpert, war aufgewachsen wie das Scnf-körnlein, und beschattete als mächtiger Baum die umliegenden Län-der. Diese Erscheinung wirkte mächtiger auf die Erhaltung der!katholischen Religion in Tirol, als der kalte Beweis, als jedeViclgeschäftigkcit irdischer Vorkehrung. Ihre Schriften, 15 Quart-bände an der Zahl, ewig das eine Thema der Liebe Gottes behan-

delnd, mit einem Aufwande von Geist und Kraft, die kein zweitesMal in solchen Verhältnissen erscheinen möchten, siele» wie aus-fahrende Blitze ins Leben der Gesellschaft, die allbedächtige Ver-stanreSopcration in ihre Schranken zurückweisend, die Schlcußcndes christlichen Gemüthes öffnend, am wirksamsten verdammend daskaltrauscheude Gewässer der Irrlehre.

Am Palmsonntage 1673 erfolgte ihr Hinscheiden, welchesmit dem Geläute aller Glocke» i» Novercdo angekündigt wurde.

Das Bisthums-Jubiläum inMichstädt.

Der Katholik bringt nachstehenden vom 14. Sept. datirtcnArtikel, der als Ergänzung unserer eigenen Berichte auch von denLesern dieser Blätter gerne gelesen werden wird.

Heute gehen unsere Festlichkeiten zu Ende. Das herrlichsteWetter begünstigte uns fortwährend, so wie auch uicht die geringstepolizeiliche Störung die heilige Stimmung des Ganzen getrübt hat.Mit jedem Tage nahm die Zahl der Waller zu, cS wurde zurreinen Unmöglichkeit daß die Kirchen der Stadt sie aufnehmen,oder daß die obwohl große Zahl unablässig thätiger Priester ihrenfrommen Bedürfnissen ginüge» konnte. Der Zudrang zu den Beicht-stühlen war so groß, daß die Beichtväter selbst nur mit Mühe zuihren Plätzen gelangen konnten, auf welchen sie dann vom grauenMorgen bis in die späte Nacht verbleiben mußten. Um Mitter-nacht hat man noch Beichte gehört, und um drei Uhr in der Frühewaren 'schon die Straßen mit Menschen gefüllt und die Kirche»besetzt; so ging es zunehmend bis zum Schluhtagc, der dann Allesübertraf: 12l) Priester saßen zu gleicher Zeit Beichte und konntenbei Weitem nicht zureichen. Um sechs Uhr Abends waren dieLeute oft noch nüchtern und empfingen die heilige Commuuion.Bis jetzt ist auch eine approximative Angabe der anwesenden Pilgernoch unmöglich. Indessen hat man die nöthigen Erkundigungenbegonnen und wird ihr Resultat nebst den Predigten der Hochwür-digsten Bischöfe als willkommenes Andenken für alle Anwesendender Oeffentlichkeit übergeben. Ohne uns mit der Nennung dereinzelnen mehr oder minder bedeutenden Frcmdc» zu befassen be-merken wir nur, daß auch der königliche Regierungspräsident vonAnobach, Freiherr von Andrian, eingetroffen war und an denkirchlichen Feierlichkeiten Antheil genommen hat. Der Herr Präsi-dent hatte sich bei dieser Gelegenheit der größten Auszeichnung unddes freundlichsten Willkommens von Seiten aller hier anwesendenPrälaten zn erfreuen. Am Freitage predigte der HochwürdigsteBischof von Würzburg , und sprach über das zu dieser Feier sopassende Thema der Fortdauer des Lehr- und Pricsteramtes in derkatholischen Kirchc, und obwohl seine ohnehin nicht starke Stimmebei der ungeheueren Mcnschcmnassc die wcitcn Räume des DomeSnicht zu durchdringen vermochte, so predigte doch sein würdigesErscheinen und die mehr dem Himmel als der Erde angehörendeGestalt gleich einem in die Versammlung nicdergcsticgcnc» Engel.Am Samstage predigte der Abt des Klosters Scheuern, er hieltden Panegyricuö auf seinen Ordcnsgcnosscn den heiligen Willibaldund zeigte, wie derselbe dem evangelischen Gebote in seinem Lebenund in der Führung seines bischöflichen Amtes nachgekommen seyund wie jeder Christ, besonders aber die Bewohner EichstädtS,einem so rühmlichen Beispiele nach Maßgabe der jedem Einzelnenangewiesenen Sphäre nachzukommen hätten.

Eine ungchcurre Wirkung machte in diesen acht Tagen dieMission der Nedemptoristen, die wahre Männer des Volkes sindund durch ihre Predigten Außerordentliches leisteten. So wirkte