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oft im Freien, und gaben sich allen Arten von geistlichen Schwär-mereien hin, welche sie mit dem Namen „Inspiration" belegten.Derjenige welcher spricht, beschwört die Zuhörer, von ihren Sün-den abzustehen und malt ihnen die Hölle schrecklich aus. Dannwirst sich jeder auf die Erde unter einem Strome von Thränen.Eö wälzt sich einer auf dem andern, Männer, Frauen und Kin-der; man schläqt sich die Brust daß sie brechen möchte; jeder ruftmit lauter Stimme seine Sünden, deren er sich schuldig fühlt.Der Vorstand geht dann unter ihnen herum, und legt seine Lip-pen an die Ohren der am meisten Exalrirtcn, indem er ihnen denGeist cinbläst. Dann, wann der Vorstand verkündigt daß Gottdie Sünden vergeben habe, brechen alle in ein abscheuliches Gebrüllaus, das sie religiös.':: Gesang nennen. Man könnte sie für Be-sessene halten, aber es ist eine Methodisten-Versammlung, Schülerdes ehrwürdigen Pritschard, des intimsten Nathgebers der KöniginPomarc. In den Vereinigten Staaten sind die Methodisten unlerdem gemeinen Volke sehr verbreitet. Sie haben ihre Kirchen inden Städten; doch jährlich versammeln sie sich in der Mitte derWälder, wo sie Zelte aufschlagen und da arrangircn, was manLager-Versammlungen (ciamp-^lLotinF!,) nennt. Da finden nunalle Ausschweifungen statt und die dort statthabende Wcibcrgcmcin-schaft ist eine Thatsache.
Die Quäcker sind eben so originell wie die Methodisten;aber ihrer großen, exemplarischen Sittcnrcinhcit wegen kann manihnen ihre Sonderbarkeiten verzeihen. Die Secte der Quäckeroder Zittcrer hat England zum Geburtsland im Jahre 1647, undder Stifter dieser Secte war Georg Fox, Schuhmacher zu Lcice-stcr. — Sie siedelten 1(Zl<> nach Amerika unter der FührungWilhelm Pcnn'S über und nahmen das Land ei», das j-tzt Pensylvanien heißt. Es sind etwa 300 000 in den Vereinigten Staaten und sie machen sich durch ihre auffallende Kleidung dort bemerkbar.Die Männer tragen Hüte mit breiten Krempen und ein schwarzesKleid nach französischem Schnitte; die Weiber unterscheiden sichdurch eincn Anzug, der an den unter dem Dircctorium erinnert,und bilden so eine ständige Maskerade auf den Straßen. DieQuäcker dutzcn die ganze Welt und nehmen nie den Hut ab.Sie verwerfen alle Sacramcnte, allen äußern Cultus, die ganzekirchliche Hierarchie. — Was ihre Ceremonien anbetrifft, so ver-halte» sie sich anfangs bei ihrem Gottesdienste stille und unbeweg-lich, indem sie den hl. Geist erwarten. Bisweilen zeigt der G.istkeinen guten Willen zu kommen, nnd dann herrscht eine oder zweiStunde» la»g ci»e solche Stille daß man einen Grashalm fallenhören würde. Plötzlich erhebt sich ei er der Anwesenden, ein Mann joder eine Frau. Das cvnvulsivische Zittern seiner Glieder kündigtdie Ankuuft des Geistes an. Er spricht dann aus dem St greifeund andere folgen ihm, so daß oft fünf bis sechs predigen; zu-weilen geht man auch auseinander, ohne daß einer Lust gehabthat den Redner zu machcn.
Die orthodoxen Quäcker begnügen sich mit ihren Predigten;aber es gibt auch Disscnters unter ihnen: daö sind die Tänzer.Diese letzten haben sich etwa 59 Meilen von New.-Uork aus an-gesiedelt und besitze: viel Ackerland. Die Gemeinde besteht auskräftigen Männern und Frauen und ersitzt sich nur durch Proscly-tenmachcrei. Die Hciralh ist untersagt und es besteht keine Ge-meinschaft zwischen den beiden Geschlechtern, die sehr weit ausein-ander wohnen. Den Tag über leben sie eben so getrennt und be-sorgen ihre Arbeit nach ihren verschiedenen Geschäften und nur amSonntag kommen sie in einer Kirche zusammen. Ihr r.ligiöser
Cultus besteht im Tanzen, Springen und im Kreiseherumdreheuunter Gesang, und ihr Gottesdienst — man möchte ihn lieber Ballnennen — dauert so lange bis sie ermüdet zu Boden sinken.Die Tänzer sind sehr reich und cS gibt immer Bewerber, die mihre Republik aufgenommen werden wollen.
Nun gibt es noch eine Secte, die sehr von der vorigen con-trastirt, nämlich durch ihre Verachtung der zeitlichen Güter. Vorzwei Jahren hat ein gewisser Miller zu predigen angefangen daßdie Welt bald untergehe und man nur an sein Seelenheil nochdenken müsse. Es war sogar der 24. April 1844 als der fest-gesetzte Weltuntergangstag bezeichnet, an welchem Tage alle Men-schen in den Himmel erhoben wurden, bevor die Erde zu seynaufhörte. Der Betrüger lud alle auf einen Berg ein, um danndem Himmel näher zu seyn. Denn in Amerika gibt es keinenBetrüger, der nicht auch Betrogene fände. Bald darauf sah manin allen Magazinen New-Uorks lange weise Röcke unter der Benen-nung: Himmelfahrtsröcke. Jeder Gläubige mußte damit angethanseyn, um mit Anstand und Grazie in den Himmel zu kommen.Man führt Kaufleute an, welche Tafeln aushängen hatten, woraufstand: „Wegen des baldigen Weltuntergangs bekommt man hierAlles gratis!" Die Vorübergehenden gingen hinein, und nahmensich ohne zu zahlen, was sie brauchten. An dein verhängnisvollenTage waren an mehr als 2t> Orten die Berge mit Menschen an-gefüllt und warteten auf die Himmelfahrt; als aber der Abend kam,mußten sie alle sich nach Hanse begeben, ohne gen Himmel gefah-ren zu seyn. Sie schämten sich nun freilich sehr. Miller aberfindet sich seit dieser Zeit mit dem Ausspruche ab: „Unglücklicher-weise habe ich mich in der Zeit geirrt." Aber viele von denPrvsclyten sind noch nicht cnitäuscht und wollen kein Eigenthummehr besitze», indem sie glauben, die Welt werde demnächst unter-gehen. Wir fügen hier eine Anekdote dieser Art bei. Ein Mann,der ein Anhänger dieser Secte war, übergab sein Vermögen seinemSohne unter der Bedingung daß, wenn die Welt nicht unter-ginge, er das Vermögen ihm wieder zurückgeben sollte. Nun willaber der Sohn die ihm übcrgebcnen Güter nicht mehr zurückgebenund es ist daher bei den Gerichten in Ncw-Aork ein Proceßanhängig.
Ich würde nun auch noch von den Mormoniten spre-chen, die sich eine Stadt bauten und darin apogryphischen Urkun-den gemäß leben, von denen sie sagen daß sie mehrere tausendJahre vor Moses geschrieben worden seyen; — von den Phalcn-steriancrn, die 5 Cvlonien in den Vereinigten Staaten haben undm jedem immer mehr Falliments erleiden; — von den „Ungläu-bigen", die sich selbst diesen Namen gaben uud ihre Lehren überallpredigen und von allen, die sich sür Jnspirirte halten und ans denStraßen ihre P-cdigen und Gesänge ausschreicn. Doch es drängtmich zur Eile :u',d so große Mannichfaltigkeit wird endlich monoton.Ich habe ja bloß zeigen wollen, wohin der Mensch kommt, wohiner sich verirrt, wenn er nicht mehr eine Autorität in religiösenund kirchlichen Sachen anerkennt.
Köln . Es ist jetzt bestimmt, daß auch in unserer Erzdiöccsegeistliche Exercitien für den DiöcesanklcruS gehalten werdensollen. Der erste Cursus wird bereits am 21. dieses Monats fürdiejenigen Geistlichen, die Sc. Erzbischöflichcn Gnaden um dieselbengebeten haben, beginnen.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.
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