Ausgabe 
5 (9.11.1845) 45
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sich nach Fergola's Untersuchungen das Gegentheil herausstellt, dieMauer-Nische wirklich kälter, als die Domkircbc, so könnte dochder Unterschied der Temperatur nicht so bedeutend seyn, um einenflüssigen Stoff in ganz kurzer Zeit in den Zustand des Gcronncn-seyns zu verwandeln. Mache man den Versuch mit dem feinstenOel, und sehe man, ob in einer neapolitanischen Kirche je eine soniedere Temperatur eintrete, die das Oel zum Gerinnen bringenkönne. Der Engländer Weedall stillte dergleichen Versuche an.Er setzte ein Glasgesäß mit Gallerte aus Kalbsfüßen mit einemThermometer über eine F »erwärme von 73- 75 Grad Fahren-heit, und mußte sie'ns Viertelstunden drehen, bis sie zu zerfließenbegann; bei steigender Wärme von 60 36 Graden bedürftesie 35 Minuten, bei 105 Graden (32 ^ Reaumnr, also einerTempcraturhöhc, die zu keiner Zeit in der Kirche vorkommenkann) 15 Minuten. Bei 78 Graden wird Butter nur in fünfViertelstunden, und erst auf der Oberfläche weich, und bloß bei100 ^ ivg vergeht er in 12 Minuten völlig. Eis dagegenWurde bei 68 Grad seine Festigkeit nicht lange bewahren, docheben so wenig, und betrüge es an Gewicht bloß eine Unze, in12 Minuten vollständig zergehen. Hiebei ist dann nicht zu über-sehen, daß alle diese Stoffe bei gleichem Wärmegrad unabweichlichin gleicher Zeitsrist sich verändern, indeß bei dem Blut des heil.JanucrriuS hierin die größte Verschiedenheit bemerkt wird, und derWärmegrad auf die Zeit des Flüsstgwerdcns keinerlei Einfluß übt.Wie endlich soll man es erklären, daß die Flüssigkeit das Einemaldas Fläschchcn füllt, ein Andermal nicht?

Fergola läßt seinen Beobachtungen den Satz folgen: Einhermetisch verschloss ncs, jedem chemischen AgcnS und jedem nußernEinfluß unzugängliches Fläschchcn ist auf zwei Dritthcile seinesRaums mit einer harten Substanz angefüllt; wie kommt es nun,daß diese, in die Nähe eines andern Körpers (der Reliquien desHeiligen) gebracht, unter verschiedenen Modalitäten, j^tzt den glei-chen Raum einnehmend, dann das Fläschchcn füllend, doch ohnees zu zersprengen, flüssig wird gleich Waffer, dabei niemals dasFläschch n trübt? Hierauf entgegnit er:als Ranon der Physiksteht fest: man darf zu Erklärung der Naturerscheinungen keineandern, als wahrhaftige Gründe und deren nicht mehr, als zurErklärung nothwendig sind, beibringen."

des heiligen Januars die Nacht durch aus's sorgfältigste bewache»,und es würde das Flüssigwerden dennoch vor sich gehen, würdenJene wohl alsdann die Nichtigkeit der Thatsache anerkennen?Lieber würden sie das Wort der Juden wiederholen: die Wächterhaben geschlafen, sie hoben von den Priestern sich überlisten lassen.Aber in der Octave der Translation bleibt das Blut immerwährendvon Mittag bis drei Uhr auf dem Hochaltar des Doms, nur ver-hüllt, und zeigt sich Jedesmal beim Enthüllen geronnen und wirdneuerdings flüssig. Wer schleicht denn am hellen Tage hinein,um die Operation des Füllens des FlaschchenS vorzunehmen?"Fergola schließt dieses Eapitel mit den Worten, welche sich auchmit vollem Recht auf di^ gelahrten Wundcrzerklärer des Neue»Testaments anwenden lassen:Wer die Wahrheit der Wunderläugncn will, sieht sich ;u tausenderlei Tollheiten gezwungen."(Fortsetzung folgt.)

Die katholische Kirche und die Secten imOrient

Konstantinopcl, 27. September. ") Aus Demuth undUmsicht hebt die katholische Propaganda nicht alle Tagesereignissehervor, welche unsere Missionäre stärken und trösten, sie vcrmcidet vielmehr, so weit dieses in ihren Kräften sieht, den äußerenGlanz eines Ruhmes, der das Hciligthum entweihen oder Ver-dienste, die einer höheren Belohnung würdig sind, mit dem Rubinevor den Menschen aus gleiche L nie stellen würde. Zudem würdenlange Listen von Bekehrungen in einem Lande, das gesetzlich dieFreiheit des Gewissens noch nicht besitzt, leicht zu eben so vielPrvscriptlonslistcn in den Händen der Fei de der Kirche werden,welche stets aus ihre Wirksamkeit lauern und derselben hemmendentgegenzutreten suchen. Europa kennt darum nicht alle Fortschrittedes Glaubens im Oriente und der größte Theil des Guten, wel-ches die Missionäre wirken, bleibt und kannt. Anders geht freilichder Protestantismus zu Werke, denn dieser s tzt die Trompete anden Mund und verkündigt Ersoige, die er nicht errungen hat.Daher mochte es denn kommen, daß neulich durch franzö>ische unddeutsche Zeitungen die Nachricht gelaufen ist, der Patriarch,Weiter ist es Kanon der! der Episkopat, die Geistlichkeit und das Volk derKritik:Die Cautelcn, welche eine Gesellschaft anwendet, um eine Nestorianer seyen zum anglicanischcn Glauben über-Thalsache gegen Betrug sicher zu stellen, müssen gewisse Gränzen getreten. Die Katholiken können indessen darüber rudig seyn!hcrbm, über welche hinaus dieselben nicht geben dürfen, denn sonst S)enn die Kirche Heirrichs VUI. und der Königin Beß, iv.lchcmüßte man Cautelcn gegen die Cautelcn verlangen, was in's End-! zu Hause immer mehr altert, hat bis jetzt das Geheimnißlose getrieben werden könnte, und alle moraiische Gcwißh.it ver-i noch nicht gefunden, sich nach außmhin zu verjüngen oder garNichten, die Gcsellichast auflösen müßte. Unter solchem Skepticis-! neu zu gebären. Im vorigen Jahre hat sie allerdings bei denmuS könnte kein Sohn sich sür rechtmäßig erkennen, kein Vertrag türkischen Nestoricrnern zwei Pred'ger, Renegaten des Pu--giltig, gar nichts mehr gesichert seyn." seyismus, unterhalten, allein diese beiden Arbeiter im WeinbergeAber," fährt er fort,möchten die Nationalisten am Endeides Herrn bekümmerten sich wenig um Die, welchen sie das Evan-cinwenden: wäre es nicht denkbar daß die Priester von San ^gelium predigen sollten, sondern gericthen dn, Sendlingcn desGermano mittelst falscher Schlüssel Nachts die Capellc aufschlössen,! Methodismus in die Haare und daö Resultat des Kampfes war,das Fläschchcn aus dem Rcliguarium herausnähmen, und Men- daß beide alle Achtung in den Augen der Bevölkerung verlorenstruum, oder irgend cine chemische Zubereitung, in dasselbe göffn und das Feld räumen mußten, aus welchem die Dominicaner vonund es bewerkstelligten, daß am folgendin Tag zu bestimmtes Mossul und die Capuciner von Mardin friedlich wie seitherStunde das Blut flüssig werde?" Fergola beantwortete dieß fortarbeiten. Der Ncstorianischc Patriarch, den der englische Ge-mit dem Sprüchlein:Betrug dauert selten lange," und zum sandte unter seinen besonderen Schutz genommen hat, belicht zwarTheil mit denjenigen Gründen, welche in Betreff einer Sache, die seinen monatlichen Gehalt fort, allein er steht in der Stadt Mos-unter den verschiedensten>ngshäuscrn und unter Zusammenwirkens sul allein, verlassen und voll Verlegenheit, daß er nicht wenig-vicler Personen während mehrerer Jahrhunderte immer statt gcfun-Ostens einige Seelen gekapert, die er für seine Hceide ausgebenden hat, alsbald auch mir sich darboten.Trüge man indeßkönnte. Dieß ist die ganze Geschichte, woraus die protestantischensagt Fergola weiter,der Einwendungen der Ungläubigen größere!-

Rechnung als sie verdienen, ließe man die Mauernischen im Schatz! .) Uz Univcrs nach der Uebertragung desKatholiken."