Ausgabe 
5 (9.11.1845) 45
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Blätter die Neuigkeit geschmiedet haben, der Patriarch, der Epis-kopat, der Klerus und das Volk der Ncstorianer seyen für denanglieanischen Glauben gewonnen worden. Man hat dabei nurdas kleine Verschen begangen, daß man den Theil für das Ganzegenommen und für den ganzen Körper ein von dem Leibe losge-trenntes Haupt gehalten hat, das nicht aus irgend welchem religiö-sen Bedürfnisse, sondern bloß in der Hoffnung durch englischenEinfluß den in den Gebirgen von Kurdistan gelegenen bischöflichenStuhl von KhodjamöS zu besteigen, unter englischen Schutz getre-ten ist.

In zweiter Linie stehen die amerikanischen Methodesten, die jedoch bei den Nestorianern in Persien eben sounglücklich sind. Zwar berichten auch sie schon seit zehn Jahrennach Hause, daß sie den Episkopat, die Geistlichkeit unddas Volk gewonnen hätten, allein auch das ist unwahr.Sie zahlen zwar den Bischöfen und Priestern in der Ebene vonUrin iah einen Jahrcsgehcilt aus, in welchem Sinne sie dieselbenallerdings gewonnen haben; allein das Volk hat der BestechungWiderstanden und die unerhörten Anstrengungen, welche die intole-ranten Herren schon seit fünf Jahren machen, um die französischen La;aristcn, deren Ankunft allen ihren Bestrebungen Stillstand ge-boten, aus Persien zu vertreiben, sind nur zu ihrem Nachtheileauogeschlagcn, woher es auch kommen mag, daß sie j-üngnhin inihren Briefen an daö Comite; zu Boston diese gefährdete Missiondem Gebiete der dortigen Freunde empfohlen haben. Eben sounglücklich sind sie in Griechenland , wo das Bostoner Comitewegen der störrischen Gemüthsart der Griechen zu Athen nurnoch einen einzigen Missionär unterhält, eben jenen Herrn King,dem das Volk der hellenischen Hauptstadt neulich fast übel mitge-spielt hätte, weil er eine Broschüre geschrieben, in welcher nachdem Geiste seiner Sects die Jungfräulichkeit und Heiligkeit derMutter GottcS gelästert waren. Ueberhaupt bestebt ihr ganzesMissionspersonal zu Konstantinopcl, Smyrna, Brussa, Trapezuni,Erzerum, Abei im Libanon und Urmiah in Pcrsien aus dreißigverheir.itheten Herren, acht Damen und neunzehn aus den ver-schiedenen Localitäten stammenden Assistenten, wozu nun noch MißFidelia Fiek und Miß Harriet Lcwell kommen, von denen dieerstere ein Erzichungoinstitut zu Urmiah mit zwei und ZwanzigPensionärinnen leitet und die zweite eines zu Konstantinopel grün-den wollte, das invissen einer gewissen Concurrenz wegen nichtzu Stande gekommen ist. Es ist in der That schwer zu begreifen^was Miß Harriet Lowell neben den barmherzigen Schwestern aus-richten will, die schon mehr als hundert Pensionäre, über dreihun-dert Externe hab.n und dabei noch die Kranken ohne Unterschiedder Religion und Nat ionalität verpflegen. Die Zahl der ver-pflegten Kranken bclief sich im vorigen Jahrc auf 22,600 undWird dieses Jahr das Dreifache dieser Zahl erreichen. Dieserüberwiegende katholische Einfluß, der sowohl im Unterrichte als inder Wirlscnnkcit der Missionäre hervo-tritt, ärgert nun allerdingsgewisse Diplomaten, die von der fixen Idee besessen sind, sie müß-ten die papistisch jesuitischen Einflüsse bekämpfen. Sie fühlen, daßsie hier von einer unbekannten und unwiderstehlichen Kraft über-flügelt Werden, deren unverzeihliches Unrecht immer noch darinbesteht, daß sie eine wahre F>cundin und Beföiderin der Civilisa-^tionten

für allgemeine Gewissensfreiheit im türkischen Reiche nicht undbegnügen sich mit einzelnen Zugeständnissen, wie z. B. in der

Renegatcnfrage, weil sie wohl voraussehen daß volle Glaubens-freiheit die Erfolglosigkeit der protestantischen Propaganda unddie Triumphe der katholischen Wahrheit nur vermehren könne.Alle englischen Intriguen im Libanon gehen von diesem einenPrincipe aus.

Niemand gewinnt bet diesem Verfahren der Engländer mehrals das griechisch russische Schisma. Da die Freiheit sein Todseyn würde, so benutzt es die ihm vergönnte Frist nach Kräften,um die unter sinem Joche seufzenden Völker desto fester zu kne-beln und allerwärts Schutz- und Trutzbündnisse zu schließen. Sohat der griechische Patnarch jetzt die Gültigkeit der Taufe bei dcrrnichtunirten Armeniern anerkannt, eine Concession, welche von derSt. Petersburger Synode dictirt worden ist und die zwei getrenn-ten Kirchen einander näher bringt. Andererseits haben der grie-chische und armenische Patriarch mit dem Oberrabbiner der Judenden ganz eigenthümlichen Vertrag abgesctl> sscn, daß Keiner vonihnen Proselytcn aus der Religionsgemeinschaft deö Andern auf-nehmen solle, ja sie haben sich sogar das Recht der gegenseitigenÄnslicferung vorbehalten, ein lächerlicher Contract, durch welchender Begriff der religiösen Einheit und Wahrheit in Frage gestelltwird und der unter der Maske eines gottlosen Indifferentismusnichts Anderes bezweckt, als den Pros.lytismus im Allgemeinen zuunterdrücken. Ein junger Jsraelite, den ein dunkles Gefühl zumChiisteuthume hinzog, kam bald darauf zum griechischen Patriarchenund wurde von ihm im Namen der ebengedachten Convention auf-gefordert, beim Judenthume zu bleiben. Da jeroch dieser Grundden jungen Mann nicht befriedigte, so führte ihn dieselbe Hand,die ihn zur Erforschung der Wahrheit geleitet, jetzt zu den lateini-schen Missionären und der Jsraelite, der nicht schismatisch weidendurste, wurde nun katholisch.

Trotz aller dieser Rücksichten auf jene nordische Macht, die imOriente den Ucbertritt von einer Religion zur andernnicht dulden will, stehen die Angelegenheiten des griechischenPatriarchen nicht zum Besten. Er hat zwar von dem Hvspodarder Wailachei, Bibesko, einen mit sechs Pserden bespanntenWagen zum Geschenke erhalten, weil er zu der ziemlich skanda-lösen Ehescheidung und Wiederverchelichung dies-s Fürsten seineEinwilligung gegeben, allein sein geistlicher Credit ist rarum umnichts gebessert worden. Da er unter dem Ministerium Risa gewähltworden ist, so benutzen seine Mitbewerber diesen Umstand, ihn mitdieser heicklen Cabinetsfrage in Berührung zu bringen und es istleicht möglich daß er bald einen Nachfolger erhalten wud, eine Ab-setzung, die ihn nicht nur der mit seiner Würrc neulich veebundenenpolitischen Ehren berauben, sondern auch der Wuth s.incr Gläubiierpreisgeben wird, welche die zur Bcfö!ve?ung seiner Wahl vorge-schossenen Geldsummen noch nicht zurückerhalten haben.

Frankreich .

An den geistlichen Exercitien, welche jedesmal im Herbste fürdie Priester am Sitze ihres Bischofes abgehalten werden, warddieß Jahr abermals mit gesteigertem Eiser Theil genommen.Auch die Vischöse wohnten meistens denselben bet. In der DiöceseMontpellier z. V. fanden sich ungefähr 409 Priester zu den

ist. Diese Männer obgleich NeP^ Uebungen 'ein- die Zahl der Tyeilnehmer aus dem

liberalen Poln.k, ...ter^utzen d.e französischen Bestrebungen Valcnce stieg über 20»

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