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Zweite IahreÄhlilfte.
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Postzeitung.
R«. Nov.
Das Blut des heiligen Januarius .
(Ans Hurters „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bandchen.)(Fortsetzung.)
Gehsn wir nun zurück in die Zeiten, um die ältesten Zeug-nisse über diesen Vorgang alnul'ö'en. Die Marteracteu des hnli-gen Januarius und seiner Gesägten, aus diesen die ältesten Bre-viere, beschreiben denselben gerade so wie er noch jetzt wahr-genommen wird. „Eine vornehme Sache," heißt es im achtenLesestück des Breviers für das Fest des heiligen JanuariuS, „istauch sein Blut, welches geronnen in einem Glasfläsccch^n aufbe-wahrt wird. So wie man es in die Nähe des Hauptes desMärtyrers bringt, wird es ans wunderbare Weise flüssig, und bisauf den heutigen Tag sieht man cS dann Blasen werfen, als wärees so eben vergossen worden," — das älteste Zeugniß mit Znt-bestimmung reicht an acht Jahrhunderte hinauf. Im Leben desheiligen Percgrinus, des schottischen Kö.iigS Malcolms Sohn,liest man: „Der heilige Percgrinus kam auch nach Neapel zu demcrlanckten Wunder des heiligen Blutzeugen Januarius. Dortwerden zir»i GlaSfläschchen mit dem Blut des Heiligen aufbewahrt.Es ist stcmhart. Werden aber die Fläschchen dem Haupt desBlutzeugen genäl ert, so wird das Blut mit einem gewissen schäu-menden Brodeln alsbald flussig und die Fläschchen bleiben unver-sehrt." — Daß wenigstens Haupt und Blut aufbewahrt werden,berichtet kein Jahrhundert später der sicilianischc Kartäuser Maral-duS. — Aencas SilviuS zählt in seinem Commentar zu den Redenund Thaten König Alfonso's vier schenswerthe Dinge in Neapel auf. „Als fünftes," sagt er, „wenn es Jemand vernehmen will,würde ich beifügen, jenes heilige Blut des heiligen Januarius,welches bald geronnen, bald flüssig gezeigt wird, obwohl es vor12V0 Jahren für den Namen Christi vergossen worden ist." —Das älteste neapolitanische Druckwerk sind wahrscheinlich die ?an-cZeotgo muclicmglos kiluttli-iei Silvaliei, herausgegeben im Jahr1474 von dem königlichen Leibarzt Ängclo Cato. In der Zueig-nungsschrist an König Ferdinand von Aragonien zählt derselbe zuNeapels Schätzen auch das Blut des heiligen Januarius . „Wassoll ich," sagt er, „von dem Blnt dieses Märtyrers sprechen, wel-ches zu Neapel mit größter Ehrerbietung aufbewahrt wird? WeicheWunder immer unter den Augen der Vekenner Christi in unserer
Zeit vor sich gehen mögen, wäre cincS leuchtender, unläugbarcr?Von dem Haupt entfernt, wird das Blut hart, in dessen Nähegebracht, wird eS flüssig, eben so,- als wäre cS an diesem Tagtvergossen worden." — Aehnliches bezeugt der genuesische Dog!Frcgoso, welcher vom Jahr 1473 —- 1483 als Flüchtling zuNeapel sieb aufhielt. — Robert Gaguin erzählt in seinem Mecider Chroniken, oder Grschichtespirgel von Frankreich (.Vlii-viiLkIivstcirial ciiz kVaneo): am 3. Mai 14S5 habe König Carl VIll.in Begleit vieler Carvinäle, Erzbischöse, Bischöfe und Prälaten inder St, Januarskirche der Messe angewohnt, darauf sey ihm Hauptund Blut des Heiligen gezeigt woilxn, letzteres stcinhart; kaum esaber einige Zeit auf dem Alrar gestanden, habe cs alobald sich zuerwärmen und zu sleßen begonnen, gleich Blut, welches so ebeneinem lebendigen Menschen wäre entzogen worden.
Am ausführlichsten spricht darüber einer der merkwürdigstenMänner am Anfang des 16ten Jahrhunderts, der berühmte FranzPico, Fürst von Mirnndola, nämlich der gleichnamige Vetter vonjenem, welchen Scaliger das Monstrum der Gelehrsamkeit genannthat. Derselbe gab im Jahr 1502 ein Werk heraus: cle liclczet orclino creclencli. Darin findet sich folgende Stelle: „ZuNeapel , in der Campagna, werden die Uebcrreste d-s BlutzeugenJanuariuS aufbewahrt. Ein Gefäß enthält sein Blut, welchesfrommer Sinn nach seiner Hinrichtung aufbewahrte. Stellt mandasselbe in die Nähe der Glieder, so fängt es gleichsam zn schäu-men an und wird flüssig und kehrt in den frühern Zustand desBlutes zurück; entfernt man cs an einen andern Ort, so gerinntes wieder und wird fest, und nimmt die Gestalt an, wie Blutsie haben muß, das vor vielen Jahrhunderten vergossen worden.Doch geschieht dieses nicht immer; denn so bald jener Gegend irgendein Unfall droht, oder Ruhestörung cS hindert, so deutet eS durchsrine Unbeweglicbkeit die bevorstehende Plage an, wie die Landes--bewohner aus langjähriger Erfahrung wisftn. Ich habe mit mei-nen eigenen Augen dieses feste und seiner Natur gemäß schwarzeBlut bei der Annäherung an das Haupt roth, flüssig werden,Blasen werfen gesehen, gleich als wäre cö unmittelbar der Aderentströmt. Ich wiederhole es: ich habe es mit eigenen Augengesehen und habe mich vollkommen überzeugt, daß dieses auf natür-lichem Wege unmöglich so sich zutragen könne. Denn für denPhilosophen ist es eine ausgemachte Wahrheit, daß Etwas, waö