Ausgabe 
5 (16.11.1845) 46
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leerer Raum sich befindet, die Wärme einer Hand folglich schwer-lich bis dahin dringen kann, und auf jeden Fall ein sehr unsicheresMittel seyn würde. Wohlunterrichtete (v. h. nicht über die Sacheselbst, sondern in omni seibili et aonnullig sliis sogenannteAufgeklärte) haben mich versichert, das Wunder werde bloß durchchemische Mittel bewirkt, daher es auch oft so lange daure; aberfehlen könne es nie, wenn die Flasche nur immer brav geschüt-telt (das aber wird sie nicht, sondern bloß gewendet) werde.Wenige Leute, selbst wenige Priester, sind im Geheimniß, und esgibt unter den letztern vernünftige Leute, die steif und fest an dasWunder glauben."

Elise von der Recke wollte zwar die flache Verständigkeit an5tin Vorgange ebenfalls üben, aber ihre pretiöse Nervenschwächevereitelte das lobwürdige Vorhaben, sie konnte es in der Kirchenicht aushalten und mußte sich zurückführen lassen. Doch gereichtees ihr zur trostreichen Beruhigung,den Erfolg eines Experimen-tes nicht gesehen zu haben, dessen Geheimniß leicht zu errathensey." Dafür gibt ihr Begleiter, Völliger, in einer Anmerkungein Zeugniß, dessen Gewicht sicher ihm selbst nicht einleuchtete.Er sagt nämlich- .das größte Wunder an diesem Wunder seywohl das, daß es bei dem Mitwisser, so Viele? (woher aberwußten der Hr. Hofrath dieses?), die damit zu thun haben,seit so vielen Jahrhunderten stets unverrathen geblieben sey."Also immerhin ein Wunder, und zwar allerdings dieses (ohne daßder Herr Hofrath es auch nur zu ahnen vermochten) unbestreitbardas größere, darum schwerer zu glaubende! >

Der, wie durch mancherlei Geisteswerke so auch durch seineWahrheit in der Hermes'schen Sache bekannte königlich PreußischeStaatsrath Rehfues, hat in seinemGemälde von Neavel" diesenVorganz durch fade und höchst vergriffene Spässe zu beseitigenversucht.Bekanntlich," sagt er,wiederholt sich dieses Wunderseither beinahe jedes Jahr einigemal, und Viele haben versucht,!s natürlich zu erklären. Indeß ist es, wie vorauszusehen war,Keinem gelungen; denn wenn der Himmel einmal ein Min derthun will, so ist es natürlich, daß er es einrichtet, um nicht vonjedem Zweifler erklärt werden zu können. Freilich gibt cS derVorwitzigen genug, die, wenn sie's auch nicht erklären können,dennoch nicht glauben wollen; und es hat uns daher manchmalgeschienen, als ob die Art von Wundern, welche die Siamesenvon ihrem Heiligen, Pra Ariaharici, erzählen, die beste sey, weilsie alles Nachgrübeln schon von selbst verbietet." Dann wieder:Ich will mich nicht mit Erklärungen abgeben, wie das Wundergeschieht; denn darum ist es ja eben ein Wunder, weil man esnicht erklären kann. Genug ist es, zu bemerken, daß in Neapel auch noch andere Leute steif und fest voran glauben, als nur derPöbel?" An einem andern Ort sagt er:Es mag wohl seyn,daß die Weiber im Einverständniß mit den Priestern sind." (Wel-chen Dienst würde er der Wahrheit erwiesen haben, wenn er auchnur von ferne hätte andeuten wollen wie und zu welchemZweck dieses Einverständmß bestünde?)Es gibt wenige Wunder,tue der Welt etwas genutzt hätten. Dieses gehört auch unter dieunfruchtbaren; und es ist nicht abzusehen, warum der Heilige nichtlieber jedes Jahr durch eine zchnfältige Ernte seinen frommenNeapolitanern ein Liebreichen gibt." Dann wieder:ManWeiß, wie oft das Blut des heiligen Januars in Neapel flüssigwird; aber Niemand weiß, wie das zugeht, außer den Wenigen,welche der Himmel zu diesem Wunder gebraucht. Ich habe selbstgesehen, wie die Flasche in der Hand des Priesters that, undkann mir nur eine Erklärnng denken, welche, glaube ich, nochNiemand gemacht hat. Wie, wenn jene trockene, dunkelrothe

Masse Eis wäre? welches man bekanntlich in Neapel weit b»sser zubehandeln versteht, als in Archangel. In der Hand deö Priestersvergeht eS zuverlässig, besonders wenn er die Flasche (die er garnicht berührt) recht fest hält und andächtig dazu betet. Am be-quemsten aber wird tS seyn, zu glauben." Am bequemsten,wenigstens am leichtesten für Hrn. Rehfues wäre es gewesen, dieSache mit Eis sogleich nachzumachen, uud sein ki'^x« durch dieWelt zu rufen. Daß doch oft die größten Spitzköpfe auf dasAUcreinfachste nicht verfallen können!

Der Franzose Misson versichert in seinen Reisen, den Vor-gangdieses angeblichen Wunders" Zweimal gesehen zu haben.Er läßt uns die Wahl zwischen einem wirklichen Wunder oderdem plumpsten Betrug (le tour le >>ius Zrossier). Indeß,sagt er, mache cS in der katholischen Kirche größeres Aufsehen,als irgend Etwas. Hr. Paschal zähle es zu den Kennzeichen derwahren Religion. Um aber als Gelehrter jeden ehrenrührigenVerdacht, als pflichtete er diesem bei, von sich abzuwälzen, führter aus HorazenS fünfter Satyre des ersten Buchs jene Stelle an,wie heidnische Priester das Volk wollten glauben machen, sie wüß-ten Weihrauch ohne Kohle zu schmelzen. Kein volles Jahr-hundert später sagt Dupaty: ,,Er zwar habe dciö Flüssigwerdenebenfalls gesehen; aber es gehe ganz natürlich damit zu." Desgeringfügigen UmstandeS jedoch, das Wie etwas näher zu bezeich-nen, enthebt er sich gänzlich. Am Ende fügt er bei:Seit eini-ger Zeit ist dieses Wunder in Mißkredit gekommen; vermuthlichwird es bald ganz aufhören. Wahrscheinlich wird eS mit Nächstemauf der Welt nur ein einziges Wunder noch geben: die Welt."

Auch einige Lügenbcrichte oder läppische Witze englischerReisender mögen folgen. Addisson fertigt die Sache mit der Be-nennung einestölpelhaften Schwankes" ab. Middleton heftetseinen Lesern Folgendes aus seiner Einbildungskraft auf:Währendin der Kirche ein paar Messen gelesen werden, machen sich dieübrigen Priester insgesammt mit dem Fläschchcn viel zu schaffen;es ist in solcher Weise aufgehängt, daß, während ein Theil,Dank der Wärme der Hände oder der Beihilfe anderer Mittel, zuzerrinnen beginnt, die Tropfen auf den leeren Grund eines andernFläschchcns hinabfallen." Nicht ehrlicher berichtet der DoctorMoore in seinem View et' soeiet^ »Nil HIanlier8 in ltuli,Il_,ett. 64, der Priester gebe sich viele Mühe das Fläschchcn zuerwärmen und zu streicheln. (Rein unmöglich, da er dasselbe garnicht berühren kann.) Ein neuerer englischer Reisender, wel-cher unter dem Namen EustaciuS sogenannteClassische Reisen"herausgegcben hat, obwohl Katholik, erklärt nicht, sondern fertigtbloß ab:Niemand," sagt er,gibt sich die Mühe nachzuforschen;man setzt voraus, vic Thatsache rechtfertige sich durch sich selbst;die Neapolitaner behelfen sich des Grundsatzes der alten Deutschen:heiliger und ehrerbietiger ist eS, von den Göttern zu glauben, alszu wissen."

(Schluß folgt.)

Die Bekehrungen in England .

t Katholik )

Obgleich die Rückkehr Newmciu's zur katholischen Kircheschon längst vorausgesagt worden und Jedermann da-auf gefaßtwar, so hat dennoch dieser Schritt, als er endlich geschah, aufden anglicanischcn Klerus und das Publicum eine unerhörte Wir-kung hervorgebracht. Noch am Tage vorher, ehe der berühmteTheologe die große That vollbrachte, wiegte sich die englische Presse