in Illusionen und die Times sah in dem Umstände, daß er seineFellowftelle am Orielcvllcg aufgegeben, nur den Wunsch des Be»theiligten von der Universität auszuscheiden, wie er schon drei Jahrefrüher die St. Maricnpfarrci aufgegeben hatte, um jede Kollisionmit den Vorständen der verschiedenen Kollegien zu vermeiden, welchedie studircnde Jugend von seinen hinreißenden Predigten fern zuhalten suchten. Es scheint indessen, als habe Mr. Newman seinGlaubensbekenntnis; früher abgelegt, als er selbst ursprünglich esbestimmt hatte und Gott hat sich, entgegen den Plänen der Men-schen, dieser begnadigten Seele früher geschenkt, als sie selbst dieAbsicht hatte sich ihm hinzugeben. Nach einem vor uns liegendenBriefe hat er am 9. Octvber das Glaubensbekcnntniß abgelegtund am 10. in der Frühe aus den Hände» eines katholischen Priesters zum erstenmal die heilige Kommunion empfangen.
Mehrere seiner Freunde waren Ihm auf diesem Wege schonvorausgegangen und er selbst hatte ihnen den Rath dazu gegeben.Nach Mr. Georges Ward war Mr. Charles Bridgesvom Orielcollcg der Erste, welcher der katholischen Wahrheit dieEhre gab und am 29. September entsagte Mr. Dalgairns,der zu Littlcmvre Newman'S Schüler gewesen war, in dem Klostervon Aston-Hall dem Glauben, den s,in Lehrer einige Tage späterabschworen sollte. Am 2. Octvber wurde Nererend AmbrosSt. John zu Prior-Park in den Schooß der katholischen Kirche aufgenommen und am 9. October traten Reverend Stanton vomVrascnosc-Collcg und Reverend Frcdertk BowlcS vom Ereier-Collrg zu Littlemvrc mit Ncwman zur katholischen Kirche -»rück,Was wir trotz einiger gegcntheiligen Gerüchte verbargen können.Unter den Personen, di' s.itdcm tn den Schvoß der katholischenKirche aufgenommen worden sind, wird ferner ang»siihrt ReverendAlbany Christie, der zu demselben Kolleg w!e Newman ge-hörte. Zwei andere Geistliche haben ihre Entlassung aus di seinKollegium genommen, es scheint jedoch, daß nur Einer von ihnenes vethan hat um katholisch zu weiden; aus dem Exeter -Collegist in derselben Absicht Reverend Edgar Estcourt ausgetreten.Auch Reverend I. Walker vom Brasenose-Colleg, mit welchemdie öffcnllichcn Blätter sich mehrfach beschäftigt, gehört jetzt zu denKindern der Kirche. Di,ß sind die Mitglieder der Universität undanglicamscheu Geistlichkeit, welche seit drei Wochen die unserigengeworden sind. Viel zahlreichere Bekehrungen haben indessen unterden Laien stattgefunden, mehrere ehemalige Pfarrkindcr von New-man, ganze Familien, sind katholisch geworden und die Zabl Derer,welche sowohl innerhalb als auherdalb der Reihen der Geistlichenim Begriffe stehen Newman'S Beispiel zu folgen, soll sehr bedeu-tend seyn. Bis gegen Ende des Jahres werden wir darüber imKlaren seyn und wir wollen darum auf alle die in englischen Blät-tern umlaufenden Gerüchte kein besonderes Gewicht legen.
Betrachten wir nun alle jene ausgezeichneten Männer, dieseit Mr. Sibthorp allmälig zur katholischen Kirche zurückgekehrtsind, so drängen sich nnS vorzüglich zwei Erwägungeil auf. Dieerste ist die, daß, während in Deutschland alles Gest'rel von derKirche sich abwendet, in England gerade die ausgezeichnetsten undtiefsinnigsten Theologen, Männer, die Jahre lang gemeinsam an ^der Regeneration der anglimnlschcn Kirche gearbeitet, nach lang-jährigen Studien und Forschungen zu dem Resultate gelangt sind,daß die katholische oder, um u >6 des Ausdrucks zu bedienen, dierömische Kirche die -inzigc ist, in welcher sich Wahrheit, Gnadeund Heil finden. Der andere nicht weniger merkwürdige Umstandist die hcldenmüthige Uncigennüyigkeit, mit welcher di.se Männer
alle ihre materiellen Interessen dieser Erkenntniß aufopfern. Werdie Reichthümer der cmglicanischcn Kirche, die Einkünfte ihrer fettenPfründen, die glänzenden Dotationen der Kollegien an der Uni-versität Oxford kennt, wird die Bedeutung dieser Opfer zu wür-digen wissen. Und wenn wir diesen Schritt einen heldenmüthiguneigennützigen nennen, so übertreiben wir nicht, denn viele dieseranglicanischen Geistlichen, die zu uns zurückgekehrt sind, haben keineanderen Einkünfte als die ihres Amtes, viele haben durchaus keineigenes Vermögen und dabei für eine Gattin und eine oft zahl-reiche Familie zu sorgen, manche, die von ihrer Familie nochetwas zu erwarten hatten, werben jetzt enterbt, weil sie die Religiongewechselt haben. Unter so kritischen Umständen ist ein Rücktrittein Wunder und es geht daraus hervor, wie bedeutend jener Schrittist, den diese uneigennützigen mit allen Gaben des Geistes geschmück-ten Männer gethan, verzichtend auf einen sichern Reichthum undeinzig vertrauend auf die Vorsehung, sie, ihre Frauen und ihreKinder! Die englischen Papisten aber können ihnen trotz des bc-rüch'igten, in den deutschen Blättern eben wieder spukenden Jesui-tenschatzcs nichts geben, denn die katholische Kirche, die dort ebenerst aus ihren Trümmern wieder sich erhebt, hat Lasten zu tragen,die ihre Hilfsquellen bei wcit-m übersteigen und kaum das Brodfür ihre Diener. UcbrigenS ist das in England auch so aner->kannt, daß selbst unter den wüthendsten Gegnern des PuscyismuSsich nicht eine einzige Stimme erhoben hat, um die Reinheitder Absichten und das uneigennützige Benehmen Newman'S zu ver-dächtigen, so daß am Ende, um doch etivas zu sagen, das f>ilstealler englischen Blätter die Opfer, welche Newman und seineFreunde gebracht, für Narrhcit erklärt hat.
Die Neue Sion schreibt: Nicht nur macht sich bei unsfranzösischer Einfluß vielfach geltend, sondern cs finden sich auchbei uns Elemente und Nahrungen, wie sie nur in Frankreich zum Vorscheine kommen und nicht selten sind wir das getreueNachbild jenes größeren Vorbildes. Von diesem Standpuncteaus die Jesuiten -Angelegenheit betrachtet, dürfte es sich als wahr-scheinlich annehmen lassen, daß die frommen Väter der Gesell-schaft Jesu sich nicht in die Länge in der Schweiz mehr haltenwerden. Dafür sprechen Zeichen, von denen sich jetzt nicht redenläßt. Der Herr seiner Kirche läßt es zu, daß seine Kerntrup-pen auf eine Zeitlang da entfernt werden, wo sie nach unstrnBegriffen am unentbehilichstcn wären, daß ihnen auf die ver-schiedenste, aber stets unverschuldetste Weise äußere Mittel ihrerSubsistenz entzogen werden, nm sie gleichsam zur völligen Selbst-Entäußerung zu bringen, von wo aus sie lediglich zum stillenDulden vcrurtsteilt, aber eben damit gewürdigt sind, als Nachbildihres Herrn so mißhandelt und entblößt vor der Welt zu stehen,daß selbst da und dort ein Pilatus sagen muß: Seht, welcheMenschen! Darin erblicke ich, daß Gott mit ihnen ist. Dieersten und glücklichsten Vekämpfer des Protestantismus müssen aberjedenfalls so lange bestehen, bis sie durch ihr Gebet und ihrWirken seinen Bekennern den Rückweg zur alten, einen und eini-gen Kirche angebahnt haben.
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