Augsburger
Zweite Jahreshälfte.
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SZ. Nov. t84S
Das Blut des heiligen Januarius
(Aus Hurters „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bändchen.)(Schluß.)
Stellen wir nun alle Berichte, von dem neapolitanischenArzt Matthäus SilvaticuS im fünfzehnten Jahrhundert bis aufdenjenigen des englischen Natu> f>>rschers Wattrton in letzter Zeitauf die eine Seite, auf die andere Alles,,was seit Masson bisauf den neuesten Tou'isten herab, vorgegeben, geklügelt und ge-witzelt worden ist, und würdigen wir die Summe von Beibcm,ohne alle Rücksicht auf die Erscheinung selbst, bloß nach ihremZusammenhang und nach ihrer Vcweiskra't an sich, welches Re-sultat gewinnen wir? Dort eine ununterbrochene Reihenfolge durch-aus übereinstimmender Zeugnisse, hervorgegangen aus genauer Er-kundigung, ruhiger Beobachtung, abgelegt mit Einst und Würde;hier dagegen Urthcile vom Hörensagen, aber mit der nacktestenZuversichtlichkcit ausgesprochen, aus der Luft gegriffene Verdächti-gungen, freche Verdrehung dcssen, was unter den Augen von Tau-senden vorgeht, und oft gemeine Sp^sse an der Stelle von erwar-teter befriedigender Erklärung. Das Milteste, was sich darübersagen läßt, ist jenes Wort: „und ihr Zeugniß stimmte nichtüberein."
Unerklärliches muß Jeder anerkennen, der unbefangen sehen,redlich urtheiln will. Die Kirche aber st llt den Glauben an einfortwährendes Wunder mit dem Blut des heiligen JanuariuS inso fern einem Jeden anheim, daß sie denjenigen, der dasselbe alssolches nicht annehmen mag oder kann, deßweg-n von ihrer Ge-meinschaft nicht ausschließt. Dagegen sollte man meinen, das ge-ringste Maaß von Ehrlichkeit würde es vorziehen, die Sache aufsich beruhen zu lass n, als, um hiezu nicht sich verstehen zu müssen,mit frecher Hand nach Äuökunftsmitt.ln zu greifen, welche einenganzen, immerhin acluenswerthen S'and durch eine lange Reihevon Jahren zu gewissenlosen Betn-gnn stempeln. Wenn derNeapolitaner die Abwendung der d-odendsten Gefahr des Vcsuv-Ausbruches vom 20. December 1631 der Fürbitte des heiligenJanuarius verdankt, der Protestant dagegen dieselbe dem zufälligenUmstand zuschreibt, daß die Lava einen andern Weg genommenund das Toben des Elementes ohnedem nachgelassen habe, so stelltsich Jeder auf einen Standpunct, den er mit Gründen vertheidigen
>kann; wenn aber der Letztere, um die Mangclhaftigkeit seiner Er-klärung dessen, was der Andere zweifellos annimmt, nicht cingc-stehcn und vor demjenigen, was dieselbe überragt, nicht sich beugenzu müssen, seine Zuflucht entweder zu Kindereien oder zu Unred-lichkeiten nimmt, dann weicht der Boden unter seinen Füße», under sinkt unter diejenigen herab, welche das Austreiben dcr Teufelnicht anders, als durch einen Bund mit Belzcbub, dem Oberstender Teufel, erklären wollten. In jedem Fall hat die abergläubi-sche Ungläubigkeit vor der abergläubischen Leichtgläubigkeit nichtsvoraus, als ihr pausbackiges Blasen.
Nach allcm, mit eigenen Augen Gesehenen und sodann ausglaubwürdigen Berichten in Bestätigung desselben Vernommenenmußte ich dem Urtheil von Sabbatino am Schlüsse einer Abhand-lung über das Blut des heiligen Januarius beipflichten, welchersagt: „Ich weiß gar wohl, daß viele Ausländer, selbst Katholiken,an dem Wunder zweifeln, oder, bevor sie es sehen, nicht daranglauben. Da ich aber Solche öfters in die Schatzcapelle begleitetund sie zu genauem Beobachten veranlaßt habe, überzeugten sie sich,daß hier nicht mehr zu zweifeln wäre, und daß der Vorgang aufkeine Weise einer natürlichen Ursache sich zuschreiben lasse. Nach-dem sie Augenzeugen geworden waren, hat Mancher gegen michsich erklärt: das Flüssigwcrdcn des Blutes sey wenigstens einewunderbare Sache; Keiner, der sie beobachtet, vermochte einenGrund aufzufinden, sie ferner zu bezweifeln." — Darum magwohl Solger, ob mich Mancher darüber die Achseln zucken dürfte,ein wahres Wort gesprochen haben, wenn er in seinen philosophi-schen Gesprächen sagt: „Es gehört ein weit stärkerer Geist dazu,ohne Krittelei und Erklärungssucht Wunder zu glauben, als Alles,was mit den gemeinsten Verstandesregeln nicht übereinstimmen will,matt mid feig hinwegzuläugnen."
Somit war nach wiederholter genauer, aber redlicher (in denAugen aller Gegner aus bloßem Widerspruchsgeist das Unverzeih-lichste) Beobachtung, die mich das Wunder, oder, wenn es mil-der lauten sollte, das Außerordentliche anzuerkennen zwingt, meinUrtheil festgestellt, als mir die Schrift das Abbate Luca zu Gesichtkam: 8c»j>ra ui>» eelebre eontiovLrsis iMattutü, in ^iixkil-teri-g, negli snni 1831 v 1832 intoino slla liciuesa^ioirede! 8snFuiz lti 8. Oonaro, Voseovc» o Älartiri.'. Ich entnahmderselben zu meiner größten Befriedigung, daß dreizehn Jahre