aber die bescheidene Frage erlauben, warum denn in diesem Fallejene verjährte Gesetzgebung nicht modificirt, warum sogar diesenbarbarischen Gesetzen die Constttution geopfert wird, in welcher sie,wie Nilssons Advocat klar bewiesen hat, bereits abgeschafft sind?Der Rnchstag von 1845 hat sogar einstimmig die den Katholikenim Toleranzedicte von 1751 gewährten Rechte beschränkt, er hatz. B. den katholischen Klerus auch bei der Einsegnung reinkatholischer Ehen der Controle des lutherischen Consistoriumsunterworfen, er hat den katholischen Klerus genöthigt, Jeden, derzur katholischen Kirche zurückkehren will, dem Consistorium zu de-nunciren, um gegen einen Solchen eine gerichtliche Klage einzu-leiten, die Geistlichkeit muß zu diesem Zwecke alljährlich eine Listesämmtlicher Katholiken in Schweden einreichen und endlich ist derhochwürdige apostolische Vicar für alle Handlungen seines Klerusverantwortlich gemacht. Gegen Letzteren ist im Augenblicke wirk-lich ein Proceß von Seiten des Consistoriums anhängig, weil er1) zugegeben, daß Nilsson in den Schooß der katholischen Kirche aufgenommen wurde und 2) daß drei Kinder lutherischer Vätc.„in der katholischen Schule, dem Gesetze entgegen, Nahrung undKleidung," ja vielleicht auch eine Erziehung empfangen, welchedie katholischen Mütter ihnen nicht geben konnten und um welcheder lutherische Klerus sich nicht bekümmert hat. Ja man hat unssogar ein Verbrechen daraus gemacht, daß wir ein Kind einerarmen katholischen Mutter aufgenommen haben, obgleich sie schonlange vor der Geburt dieses Kindes von ihrem lutherischen Ehe-manne verlassen worden war, obgleich das Consistorium den vierandern Kindern dieser Frau, welche es derselben vor vier JahrenWeggenommen, keine andere Versorgung hatte angedeihen lassen,als daß es dieselben aus der katholischen Schule weg in dieBergwerke geschickt hatte! Eines dieser Kinder ist indessen vorjetzt ohngrfähr zwei Jahren zurückgekommen und hat sich seit dieserZeit, wie so viele andere, einem Raubvogel gleich in den StraßenStockholms herumgetrieben, ohne daß das Consistorium oder diePolizei sich darum bekümmert hätten, bis der junge Verwahrlostevor Kurzem wegen Diebstahls zu Gcfängnißstrafe vcrurtheilt wurde.Es wäre nun wirklich der Untersuchung werth , ob man vielleichtzum Vortheile der Societät auch seinem jüngsten Bruder eine ähn-liche Erziehung angedeihen lassen will, da man dem katholischen Klerus ein Verbrechen daraus gemacht, daß er die Absicht ge-hegt habe, ihm eine christliche Erziehung zu geben? Nach solchenThatsachen wird man mich wohl nicht für parteiisch halten, wennich sage, daß in Schweden solch ein blinder Haß gegen die katho-lische Religion herrscht, daß selbst Leute, die sonst in allen übrigenDingen ganz vernünftig und tolerant sind, in eine Art von Ver-rücktheit gerathen, wenn sie nur den Namen katholisch hören.Kein Blatt, mochte es nun der liberalen oder conservativen Parteiangehören, hat auch nur ein Wort zu Gunsien der Gewissens-freiheit gesprochen, obgleich dieselbe durch die jüngste Entscheidungder Gerichtshöfe wieder in die unglücklichsten Zeiten des sechzehn-ten und sicbcnzehnten Jahrhunderts zurückgeworfen worden ist,eben weil es sich nur um einen Katholiken handelte! Ja dieliberalsten Blätter weigerten sich sogar, nur ein Inserat vonNilsson aufzunehmen, in welchem dieser alle Jene, welche etwanoch ein Geschäft mit ihm abzuthun hätten, aufforderte, sich bin-nen drei bis vier Tagen zu melden, weil er nach Verlauf dieser6"st das Land verlassen müsse. Auf dem Dampfboote floh, mitAusnahme einer französischen Dame, alle Welt vor ihm, wie voreinem Verpesteten. Auf dem Reisepasse war nicht angegeben, daßder Inhaber ein rechtschaffener und tadelloser Mann sey, wohl«der, „daß er durch gnädigen Beschluß Sr. Majestät vom 27.
Juni zur Landesverweisung vcrurtheilt worden sey, weil er vomLutheraniSmus abgefallen und sich zu einer falschen Lehre bekannthabe." Man hatte ihm aufgegeben, die Stadt spätestens biszum 10. zu verlassen (der Paß ist vom 7.) und sich auf demCanal nach Gothenburg und von da mit erster Gelegenheit zuMeer nach Kopenhagen zu begeben, ohne Rücksicht auf den Zu-stand seiner Frau, die eben erst aus ihrem Wochenbette sich er-hoben, und der zwei armen Kinder, von denen das jünciste, selbstnach Angabe des Passes, kaum Mi Monate alt ist. Die Polizeivon Gothenburg , unter deren Aufsicht Nilsson gestellt worden war, solldie ihr gewordenen Aufträge sehr gewissenhaft ausgeführt haben.
Die Provincialblätter waren indessen nicht so schweigsam über^ die Verbannung Nilssons, wie die Blätter der Hauptstadt und habe»! sich bei dieser Gelegenheit die heftigsten Ausfälle gegen den hoch-würdigen apostolischen Vicar (Studach) erlaubt. „Wie ist cS mög-lich, fragte die Gothenburger Zeitung, daö liberalste Blatt Schwe-dens , daß dieser Mann einen solchen Weg betreten kann und Werwagt es, ihn gegen die öffentliche Meinung und das Einschreitendes Consistoriums zu vertheidigen? Zu unserem tiefen Bedauernmüssen wir eingestehen, daß Herrn Studach von einer Seite herSchutz und Unterstützung zu Theil wird, von welcher man amwenigsten eine solche Aussaat Lcr Zwietracht und Uneinigkeit erwar-ten sollte." So groß ist also, wie Sie aus Allem sehen, derFanatismus in Schweden , daß ein Mann, wie Nilsson, der trotzder gehässigsten Verfolgungen seiner Ueberzeugung treu zu bleibenwagt und, wie das genannte Blatt sagt, .sein Verbrechen durchdie Verbannung sühnt," das ganze Land in Bewegung bringenkann. Böswillige Menschen benutzen sogar dieses Phantom desProselytismus, um in dem Herzen des Volkes, wie dasselbe Blattsich ausdrückt, .einen tiefen Schmerz gegen eine Königin zu erre-gen, die, wenn sie nicht katholisch wäre, vom ganzen Volke an-gebetet werden würde," und man sprengt zu diesem Zwecke dasgrundfalsche Gerücht aus, das katholische Waisenhaus weide be-sonders durch die Beiträge Ihrer Majestät der Königin unterhalten.Sie können nun selbst errmsscn, mit wie viel Schwierigkeiten wir zukämpsen haben und welche Zukunft unserer armen Mission bevorsteht.
Der katholische Pfarrer W. Schonst zu Kolumbus imStaate Ohio schreibt an die Redaction des schlcsischen Kirchcn-blattes unter Anderm: „Der Grundstein zu unserer neuen Nircheist gelegt, und der Bau bereits drei Fuß von solidem Stcinwerküber dem Grund erhaben. Es war am Feste der heiligen Drei-einigkeit, als der hochwürdigste Bischof stlbst, von mir allein asst-stirt, die feierliche Ceremonie der Grundsteinlegung verrichtete. Eineungewöhnlich große Menge Volkes aus allen Ständen und Kon-fessionen war dabei gegenwärtig. Der hochwürdigste Bischof selbstpredigte dabei in eng ischer Sprache. Alle Bessergestnnt.n und dieweniger Vorurthcilsvollcn wurden durch seinen Vortrag sehr erbaut.Nach ihm sprach ich in einigen Worten (über Epheser 2, 19—21.)zu unsern deutschen Landeleuten, die sich mit freudigen Augen umuns schaartcn. Die ganze Handlung, unter freiem Himmel vorge-nommen, war ein Act des Triumphes unserer heiligen Religion.Bekannt mit der Bigotterie und der zügellosen Abneigung einesgroßen Theiles des hiesigen Volkes unv Pöl'clS gegen Alles, waskatholisch heißt, muß ich gestehen, daß ich zuvor etwas besorgtwar, man würde von gewisser Seite während unserer Ceremonieund Procession, die man noch nie zuvor hier gesehen, Stöcungverursachen. Allein trotz des großen Gedränges licf Alles gut ab,