und die politischen Blätter der Stadt sprachen sich schon in dennächste» Tagen belobend über unser Werk und über die Erhaben-heit einer solchen Feierlichkeit in der katholischen Kirche aus. Alles,was bis jetzt am Bau geschehen ist, ist mcistcntheils nur durchunserer eigenen Leute Händearbeit geschehen. Die Zeit ist aberjetzt schon da, wo wir, um vorwärts zu kommen, bedeutendeGeldausgaben machen sollen. Woher das nöthige Geld nehmen,weiß ich selbst noch nicht. Meine Ansicht ist jedoch diese, durchunsere eigenen Kräfte so weit zu gehen, als wir können, hoffend,daß der Herr, ver das Anfangen gab, auch das Vollbringengeben wird. Gedrängt durch unsere Noth und aufgemuntert vomhochwürdigstcn Bischos, habe ich bereits nach Wien an den hoch-würdigsten Erzbischof und Präsidenten des Leopvldinen-Misstons-Vereins geschrieben, und um Unterstützung gebeten. Ich nähre dietröstende Hoffnung, daß unsere demüthigen Bitten nicht unerhörtbleiben werden.
Ich habe bis jetzt in meinem Schreiben nach Deutschland noch wenig oder gar keine Aeußerungen gethan, um Aufforderun-gen an meine Freunde und Bekannten, und besonders an Schle-siens Klerus ergchen zu lassen, uns hiehcr zu folgen, und ihrenWirkungskreis in diesem »och so dürftig versorgten Theile desWeinberges Christi aufzuschlagen. Die Ursache war keine andere,als weil ich gewissermaßen fürchtete, für Das Schicksal Andererverantwortlich zu werden da, wo ich mich selbst noch von so man-chen Schwierigkeiten umgeben sah. Es gibt hier so Manches,was uns zu Anfang des Hierseyns nicht gefällt; unser sinnlichschwaches Her; finvet sich vielleicht in vielen Dingen und Erwar-tungen getäuscht, so daß leicht Einer, der nicht von ganzem Her-zen den Willen hat, zur Ehre Gottes und seiner MitchristenHeile, so wie nicht minder auch zu seinem eigenen hier zu wirken,sich leicht getäuscht glauben, und unzufrieden werden könnte. Ichhielt eö daher für rathsam, mit dergleichen Aufforderungen behut-sam zu Werke zu gehen, um uns nicht den Vorwurf, aufzubürden,Andere in eine unangenehme Lage verlockt zu haben. Da sichaber der Mangel an deutschen Priestern immer eher mehrt als»lindert, und die Umstände an manchen Orten schon bereits so sind,daß für einen Priester, der sich daselbst niederläßt, wenig Schwie-riges mehr zu befürchten ist; so nehme ich jetzt keinen Anstandmehr, Diejenigen unter meinen Freunden und Bekannten, undbesonders unter dem jüngern Klerus Schlesiens, die Eifer fürMissionen und Liebe sür ihre Mitbrüver im Herzen fühlen, aufzu-foidcrn, sich unserm Werke anzuschließen und uns hicher zu folgen,wo nicht blos; einzelne Seelen, sondern ganze Gemeinden ihrerwarten und bedürfen. Es haben sich bereits an mehreren Ortendeutsche Gemeinden gebildet, die Willens und fähig sind, einenPriester für sich und die Umgegend zu unterhalten. Abgesehenvon Cincinnati , wo dieses Frühjahr der Grundstein zu einer drittendeutschen (katholischen) Kirche gelegt worden ist, die bis nächstesSpätjahr fertig werden soll, sind es besonders die Orte Clcveland,Canton, Chilicote zc., wo sich deutsche Gemeinden bereits förmlichgebildet haben, und die sehr nothwendig deutsche Priester brauchen.—Auf meiner vorjährigen Reise mit dem hochwürdigsten Bischofdurch die Diöccse wurde ich von deutschen Katholiken oftmals er-sucht, ihnen zu helfen, und dahin zu wirken, daß sie einen Prie-ster erhielten, der beständig bei ihnen bleiben könnte. Ich versprachcS, und äußerte öfter, ich will »ach meinem Vaterlande schreiben,und dort meine Mitbrüdcr auffordern uns Hieher zu folgen, damitEure Wünsche befriediget werden. Der hochwürdigste Bischof selbstersuchte mich, ich möchte dieß thun. Wenn ich es bis jetzt noch
nicht besonders gethan habe, so geschah es eben aus den obenangegebenen Rücksichten. Jetzt aber, wo ich mit den Umständendes Landes und der Diöccse selbst schon mehr bekannt bin, kommeich mit der Aufforderung offen heraus, und bitte und beschwöreglaubenseifrige, fromme und thätige Priester, Hieher zu kommenund uns zu helfen. . . ."
Am 20. September starb im 7lsten Jahre der Erzpricstcr,Krcisschulen-Jnspector und Stadtpfarrer Johann Völkel vonZiegenhals , Archipresbyterat Neiße. Ehe er seine thätige undtugendreiche Laufbahn beschloß, sollte ihm noch eine ganz unge-wöhnliche Freude und Anerkennung seiner Verdienste zu Theilwerden. Als nämlich der Herr Fürstbischof in Breslau dieKunde erhielt, daß zu Ziegenhals ein würdiger Priester auf schwe-rem Krankenlager darniedcrliege, beschloß derselbe in seiner hold-seligen Milde und Herablassung bei seiner vorhabenden Durchreisenach Freiwaldau , diesen frommen Diener des Herrn mit einemBesuche zu beglücken und mit dem apostolischen Segen zu begna-digen. Am 26. September Nachmittags 4 Uhr kam dieser edle undfromme Entschluß zur Ausführung. Wiewohl der Kirchenfürst sichalle Empfangsfeierlichkeit verbeten hatte, so konnte doch nickt verhin-dert werten, daß sich die Gläubigen zufolge der erst zwei Stundenzuvor bekannt gewordenen Nachricht des nahen Besuches auf ven Ruf derGlocken in der schönsten Ordnung unv Ruhe um den Wagen des ankom-menden Obcrhirten schnarren und der Magistrat und die Honoratiorenibre Verehrung denisclbcn bezeigten. Auf die besondere Bitte und Ein-ladung von Seiten des Archipresbyterat? durch einen Nachbar Pfarrerberuhte derselbe den Wagen zu verlassen, durchschritt segnend die Mengeund begehrte vor seinem Eintritt ins Pfarrhaus, das Hciligthum desHerrn erst zu betreten. Erfreut sah cS die Menge, wie der Hvchwürdigstemit und unter den Andern am einfache» Kcm^eUuin niederknicte unv inbrün-stig betete, und dann zu>- höchsten Freude Äller den Altar bestieg, von demer an die andächtige Menge die unvergeßlichen Wvrte sprach: „Ich bingekommen, Euren kranken Pfarrer zu besuchen, und fordere Euch als seineGemeinde auf, für ihn zu beten, damit Gott ihn entweder gciund weiden-lasse, um noch lange unter Euch Gutes zu wirken, oder aber, wenn es seinheiligster Wille seyn sollte, ihn von snn n Erdenleiden zu erlösen, ibmdas'bessere Jenseits schenke." Darauf ertheilte derselbe den apostolischen Se-gen und schloß mit den Worten: „Der Friede ley mit euch! Gelobtsey'Jesus Christus !" worauf die beglückte Menge freudig ihr „ in Ewigkeit,Amen!" erwiderte. Unteideß hatte sich der Kirchhofroum mit unzähligenGläubigen angefüllt, als der Hochwü.digstc die Ki ehe verließ uuv derPfarrwohnung zueilte. Wer kann aber erst das freudige und trostreicheGefühl beschreiben, als der Kirchcnfürst die schichte Wohnung des eben-falls einfachen und frommen Priesters betiat und dem Schwerkrankenseine Hände reichte, sie ihm auflegte, ihn tröiiete und seine Freude überdessen Würdigkeit und Geduld aussprach, mit dem apostolischen Segenihn beglückte und unter Thränen und Bruderkuß herzlich von ihm schied.Der Kranke hatte bei seiner große» körperlichen Schwache keine Worte,sondern nur Thränen der Freude und des Da»keS über diesen hohe» und^beglückenden Besuch, und auch die A wescnven vermochten nur mitj Thränen zu danken. Sichtbai gerührt, rciließ der Fürstbischof das Pfarr-!hauS und eilte seinem Wagen zu, segnend die kniccnde, zahlreich versam-melte Menge, und nahm unter freundlichen Bcgiüßungen von den Gläu-bigen Abschied, die indeß seinen voidern Wagcnsitz mit einem schönenBlumenkranz geschmückt hatten und dem dadurch freudig überraschtenOberhirten auf die Frage: „Wer dieß gethan?" die Antwort zuriefen:„Gehorsame und fromme Kinder ihrem Vater."
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.