Ausgabe 
5 (30.11.1845) 48
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Augsvurger

Iweite Jahreshälfte.

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Kurze Darsrellnna der se^enreichen Wirksamkeitdes heil. Simeon Stylites .

(Kah. Blätter aus Tirol.)

Die katholische Kirche dürfte unter den Tausenden ihrerHeiligen kaum einen zählen, der von den Weisen dieser Weltmehr als unnützer Schwärmer verlacht worden wäre und es nochwird, als der in der erste» Hälfte des fünften Jahrhunderts sohoch gefeierte und allgemein angestaunte heilige Simeon Stylites oder der Säulensteher, das Wunder und die hervorleuchtendsteErscheinung seiner Zeit. Gewohnt, die Wirksamk.it eines Men-schen nur nach dem lauten Rennen und Treiben in's Aeußere hinzu messen, schaut der kurzsichtig? Blick der in's Materielle versun-kenen Klüglinge mit Verachtung zum wunderlichen Heiligen aufder Säule empor, und kann in dem stillen Beter und Büßerhöchstens einen bemitlcidcnswerthen Thoren, oder vielmehr einendes Hohnes und Spottes würdigen Müßiggänger sehen.

Und doch war Simeon Stylites kein Müßiggänger!Seine Säule war ein hehrer Schauplatz weiinmfassender Thätigkeitund eines höchst segcnvlllen Wirkens zum Wohl unzähliger Men-schen, ja ganzer Bölkerstämme, und wir wagen es kühn zu be-Häupten: Eine Stunde seines edlen Lebens auf ihr trug Wohlreichere Fruchte für Gottes Ehre und des Nächsten Heil, als dasganze bewegte Leben vieler rastlos geschäftigen sogenannten Welt-bcglllcker. Im ersten Gesichte -), das er noch als Hirtenjünglingschaute, ward ihm von einer glänzenden Himmelögestalt gesagt:Der Herr will, daß sein Name durch dich verhcnlicht Werde.Viele sollst du vom Irrthume zur Erkenntniß der Wahrheit füh-ren; durch dich sollen die Gebote der heiligen Kirche ne e Krafterhalten. Könige und Nichter mit ihren Unterthanen werden dei-nem Worte gehorchen. Sey standhast, und trage Liebe gegenJedermann in dir!" Wiederum ward er in einer andern Erschei-nung bestellt, für alle Armen Sorge zu tragen, Bedrängte zu

") Erzählt vom Priester CoSmaS, einem Zeitgenossen des Heiligen undAugenzeugen vieler Tha'en und Wunder ees großen Mannes, ineiner weitläufigen Lebensbeschreibung dc°selbcu in syrischer Sprache,Sie steht unter dem Titel: ^cls s, Simeonis 8t)Iiti>«. als An.hang im zweiic» Bande der ^ct-> U-irl^ium (IriLiUslimn, her-ausgegeben von Stephan Eved, Asscmani.

schützen, Waisen und Wittwen beizustehen, Mächtige und Neicheohne Scheu zurecht zu weisen, und ihrem Ucbcnnuthe zu steuern.

So war ihm die Ausgabe seines L-bens von Oben bestimmt,und er entsprach treu und unermüdet mit übermenschlicher Beharr^lichkeit dem hohen Berufe, der ihm geworden. Ordnen wir dieverschiedenen Wecke, denen er sich him,cgeben, und die mannich-fachen Wohlthaten, deren die Menschheit durch ihn thcilhast ge-worden, so finden wir nach den Berichten des erwähnten syrischen Biographen, dann seines gelehrten Freundes Thcodvret, und ande-rer völlig glaubwürdiger Zeugen:

1. Er hielt täglich wenigstens zweimal belehrende Vor-träge an das von allen Seiten zahllos herbeiströmende Volk, mithimmlischer Beredsamkeit Alle aufmunternd, nach dem Ewigen zutrachten, GotteS und der heiligen Kirche Gebote zu halten, vomIrdischen sich loszureißen, und die Hölle zu fürchten. So bewirkteer eine Menge der auffallendsten Bekehrungen vom Laster zurTugend.

2. Er bekehrte eine Menge Heiden, ja ganze wanderndeVölkcistämme zum Christenthumc. Areber, Perser, Armenier,Jberier, selbst Britten, Gallier und Spanier vom äußersten Westender drängten sich, begierig nach der Lehre des Heils, zu dem aufder Säule stehenden außerordentlichen Manne im fernen Mvrgen-landc.

3. Er trug wachsame Sorge für die Sittlichkeit umliegenderGemeinden, wie z. B, der Kirche von Phanir in Cölesviien,d>ren Priester eben dieser Cosmas war, der uns die aussah lichcErzählung der Wundcrthaten des Heiligen hinterlassen. SolcheGemeinden ermunteite er sogar hie und da duich Briefe zu einemwahrhaft christlichen Lebenswandel.

4. Als Engel des Friedens legte er Zwiste bei, schlichtetedie Streitigkeiten vieler ihn zum Schiedsrichter Wählenden, undhörte eines Jeden Anliegen geduldig und liebreich an, um zuratv>n, zu trösten und zu helfen.

5. Von ungerechten Nichtern oder andern Unterdrückern Be-drängte fanden an ihm einen Vater und Netter, der seine Schütz-linge meistens durch auffallende Wunder der Strafe an ihrenträngcrn vertheidigte. Um des Wohles der Untergebenen willentrieb er saumselige Obrigkeiten zur eifrigern Erfüllung ihrer Pflich-ten an.