Diese Zeilen mögen aber dienen als vorläufige Ankündigungeiner ausführlichen Darstellung des Lebens und Wirkens des großenStyliten, die der Unterzeichnete mit Zugrundelegung der syrischenActen aus den bewährtesten Quellen, z. B. Theodoret, den Bol-landlsten u. s. w., zusammenzustellen versuchen wird.
Der Convertite Newman
(Neue Sion.)
Hat von vr. Puley, Professor der hebräischen Sprache, die»nglokatholische Partei ihren Namen, so ist Newman die Seelederselben. ") Beive Männer stehen in den kräft-gsten Jahren.Pusey wurde 18W geboren. Nachdem er im Jahr 1Z22 seinenersten Grad in lilteris Kumsnioridus erhalten hatte, wurde erzum l^lellov) Mitglied des Kollegiums von Oriel gewählt. ImJahr 1328 wurde er zum Professor der hebräischen Spiache er-nannt, eine Stelle, mit der zugleich ein Kanonicat verbunden ist.Herr Newman, etwas jünger als Pusey, ist nicht Doctor, sondernbloß BaecalaurenS der Theologie und obwohl Mitglied i^sLllov)der Universität Oxford , ist er nicht Professor. Seine Stellungist die eines kellc^v oder Mitglieds des Kollegiums von Oriel undPfarrers an der Kirche der heiligen Jungfrau Maria. In letzterEigenschaft wirkte er besonders einflußreich aus die studirende Ju-gend durch seine Predigten, die er, so wie m-hrcre andere Schäf-ten theologischen Inhalts, im Druck herausgab und dadurch baldauch in weiteren Kreisen als tie'er Denker und frommer Geistlicherbekannt wurde. Einige verknöcherte A->glicaner suchten zwar dieJugend von seinen Predigten feine zu halten und eadurch seinenEinfluß zu schwächen, es schlug jed ch zu ihrem Nachtheil aus,sofern die daraus entstandenen Streitigkeiten die Zahl seiner Schü-ler vermehrten.
Mit dem Erscheinen der „Abhandlungen für die geg?nwärt!geZeit" (ti-acts kor tlis times) im Jahr 1833, wurde der litem-rischen Thätigkeit Ncwmans ein neues Feld eröffnet, sofern er hierals thätiger und eifriger Mitarbeiter auftrat. B.kannt ist die 98.und zugleich letzte Abhandlung, die im Jahr 1841 erschien undderen Verfasser Newman ist. In dieser Abhandlung nämlich suchteNewman die 39 Artikel der englischen Kirche mit den Bestimmun-gen des Concils von Trient in Einklang zu bringen. Um zu zei-gen, wie Newman htcbci verfuhr, wollen wir eine kleine Probegeben. Wie so manche Scctc, nennt auch die englische Knche dieBilververehrung eine Bildcranbetung. Wenn nun in den 39 Ar-tikeln von Bilderanbetung gesprochen und diese verdammt wird, sosagt Newman, das habe auch die Kirchenver>ammlung von Trient gethan und die 39 Artikel verwerfen also bloß einen in jenerZeit bei den Katholiken sich findenden Mißbrauch, nicht aber dieBilderverehrung überhaupt. Mit der Lehre der katholischen Kirche war nämlich Newman schon in f.üher Zeit ganz einverstanden under suchte dem absterbenden dürren Baum der englischen Kirche da-durch gleichsam aufzuhelfen, daß er lebenskräftige Sprossen, die erder katholischen Kirche entlehnte, jenem einpfropfte. RömischerKatholik will Newman um diese Zeit noch um keinen Preis seyn.
*) Wir halten uns hiebe! besonders an die von Gvndvn verfaßteSchrift,' „vie religiöse Bewegung in England vver die Fe-rlschniledes Kuihvlicismus und die Rückkehr der anglicanischen Kirche zurEinheit.« - Diese Sehnst, die interessante Ausschlüsse über Eng-lands gegenwäniae Lage gibt uns darum empichlenswenh ist, wurocms Deutsche uversetzl, Äiainz, Verlag von C. G. Knnze 13^5,
In den Schriften, die vom Jahr 1833 — 37 von ihm erschie-nen, nennt er die römische Kirche eine verlorene. Rom ist ihmketzerisch und hat sich mit der Sache des Antichrists verbunden,es hat die Lüge an die Stelle der Wahrheit gesetzt und muß dahergeflohen werden, wie die Pest. So redet Newman i» den dreißi-ger Jahren! Auch in den Streitigkeiten, die durch die 9vste Ab-handlung entstanden, zeigt sich noch eine große Abneigung gegendie katholische Kirche . Doch ist die Ahnung, daß in dieser Kirchejenes verlorene Paradies sey, nach dem sein Herz und G.ist somächtig verlangt, viel stäiker und klarer. „Das Jahrhundertstrebt, schreibt er, ich weiß nicht nach w-lchem unbekannten Etwaöhin, und was außerordentlich ist, die einzige religiöse Gemeinschaft,welche im Verlauf dieser letzten Jahre sich unter uns im Besitzedieses Unbekannten zeigte, ist die Kirche von Rom. Sie alleinhat, trotz ihier Irrthümer und der Unbequemlichkeit ihres prakti-schen Systems, den innigen Gefühlen der Anbetung, der G.hcim-nisse, der Zärtlichkeit, der Ehrfurcht, der Andacht und so vieleranderer, welche man insbesondere katholische Gefühle nennen kann,eine freie und regelmäßige Entwicklung gegeben."
Daß in der katholischen Kirche die volle und ungetrübteWahrheit sey, wenigstens in der Thcvrie, das dräng/ sich ihmvom Jahr 1841 immer unabweisbarer auf und bringt ihn so weit,daß er alle Schmähungen, die er in unklarem Eifer auf sie ge-wälzt, öffentlich widerruft. Er kann cS kaum begreifen, daß erals einzelnes Individuum gegen eine so alte, so verbreitete Gemein-schaft, die so viele Heilige erzeugte, solche Dinge sagen konnteund entschuldigt sich damit, daß dieses eigentlich nicht einmal seineeigenen Worte seyen, sonde n die aller englischen Theologen, die,so gelehrt, so ausgezeichnet sie auch waren, sich doch in Schmähun-gen gegen Rom überboten. Sodann wünschte er auf diese Weisedie Anschuldigung des RvmaniSmuS zurückzuweisen.
Seit dieser Wiverruf bekannt wurde, erhob sich natürlich dasGeschrei seiner Gegner über Romanismuö noch ärger und lauter.Man muß sich auch wirk.ich fragen, warum Newman nicht in dieKatholische Kirche zurückkehrte, die er doch als die Trägerin deriWahiheit und Gnade c.kannt hatte? Eine offene, volle Antwort^hierauf gibt ein Schüler Ncwman's in einem Schreiben, das an^das Univers gerichtet war, um die Franzosen über den Puscyismuslzu oricntiren.
„Meine Herren, schreibt dieser junge Anglvka'holik, die De-muth, die erste Bedingung jeder gesunden Verbesserung, mangeltunS nicht; wir seufzen über die Sünden, die unsere Vorfahren
^begingen, indem sie sich von der katholischen Welt trennten; wirempfinden ein heißes Verlangen, uns mit unsern Brüdern zu ver-einigen; wir l eben mit ungehcuchelier Liebe den apostolischen Stuhl,den wir als das Haupt der Christenheit anerkennen, und dieß umso mehr, als die Kiiche von Rom unsere Mutter ist, welche ausihrem Schoeße den glückseligen heiligen Äugustiu schickte, um unSihren unerschütterlichen Glauben zu übe.bringen. Wir erkennenauch an, daß weder unsere Formulare noch auch der 5Urchcnrath
^von Trient uns an einer Vereinigung hindern. Nach allen diesenZugeständnissen können Sie mich wohl fragen: warum kommt ihrdenn nicht, euch mit uns zu vereinigend — Vorerst, meineHerren, unterscheidet Herr Newman, wahrend er sich so bestimmtüber die Reinheit der von der Kirche Roms geltend gemachtenFormulare auSd>ückt, immer zwischen dem System der Kirchcnver-scunmlunz von Tiient und einem andern System, welches in dieserKirche besteht. Während er Gott dankt, daß er die Nirchenver-sammlung von allem formellen Irrthum in Glaubenssachcn bewahrtha>e, behauptet er zugleich, daß in Sachen der Ausübung Vcr-