Ausgabe 
5 (7.12.1845) 49
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Iweite Jahreshälfte.

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7. Dec. 18-45.

Conversionen zu Rom .

(Aus HuriersGcburr und Wlc!>ere>el'url", drittes Bändchen.)

Daß in Rom Konversionen häusiger vorkommen, als sonstirgendwo, ist begreifli ch. Feblt es ja nie an Solchen, welchemit zuvor schon gehegter Absicht oder angeregter Neigung nachdem Mittelpunct der Kirche sich begebe», dieweil cs sie hinziebt,an diesem selbst offen zu bekennen, wozu inneres Sehnen odervielleicht bereits gewonnene Ueberzeugung sie geleitet hat. Außerdem sind der Veranlassungen, der nicht zu berechnenden Einwir-kun>en, welche dergleichen anbahnen, fördern, bewerkstelligen, garmancherlei. Ganz Rom ist für den, welcher Ohren hat, zu hören,gleichsam eine nie vc stumme« de, in dn mannichfaltigsten Rede-weise an einen Jeden sprechende Pred'gt zu Bertuiidung des indas Leben einget-ctenen christlichen Glaubens. Auf Rom läßt sichdas Wort des Psalms anwenden:Der Tag übergibt dem Tagdas Wort, und eine Nacht thut kund das Wissen der andern.Es gibt keine Sprache und keine Rede in der ihre Stimme nichtgehört wurde. Ihr Schall geht aus in alle Lande und an dieEnde des Erdkreises ihre Wotte."

Wohl möchte es nichts Anziehenderes, nichts Lehrreicheresgeben, als wenn die Beweggründe, die Veranlassungen, die Ein-flüsse könnten zusammengestellt werden, welche während des Ver-laufs bloß eines einzigen Jahres aus die verschiedenen Individuenzu deren Rückkehr in die Kirche eingewirkt haben. Ohne allenZweifel würde man daraus sich überzeugen können und überzeugenmüssen, daß bei den Bedeutendem und in jeder Beziehung Selbst-ständigen unter denselben nichts weniger unterlaufen sey, als das-jenige, was man gewöhnlich Proselytenmachcrei nennt, und vonder man so gerne ganz Rom angesteckt wähnt; indeß man gewiß,wenigstens in den höhcrn Class.n, so der Geistlichen als der Laien,hier derselben so ferne steht als irgendwo, eben so viel Zartgefühlbesitzt, um in die inncesten Herzensangelegenheiten eines Drittenunberufen sich nicht einmischen zu wollen, als anderwärts.

UebrigenS gibt cS eine zweifache Proselytenmachcrei; und csist die größte Frage, welche von beiden schwunghafter betriebenwerde, ind ß diejenige, welche von beiden die würdigere sey, weni-ger zweifelhaft ftyn kann. Es gibt eine Proselytenmacherei, welchein festbegründcter Ueberzeugung wurzelt und die Liebe als Agenshat, eine andere, welche, wenn nicht aus Wanken und Gleich-

gültigkeit hervorgeht, doch die Abneigung, wo nicht den Haß,zur bewegenden Kraft macht; eine, welche, glücklich im Besitz rei-cher und kostbarer Habe, jeden Andern zu deren Mitbesitz einladen,mit demselben ihn ausstatten möchte, eine andere, welche, auf»bre Entblößung stolz, denjenigen, der diese nicht theilt, beredenmochte, auch seines Besitzes als eines werthloscn Dinges sieh zucntschlagcn; die eine theiet mit, die andere entzieht, denn sie kannnichts geben, im besten Fall dem Menschen nur dasjenige lassen,was der, welchen sie gewinnen möchte, längst schon gehabt hat.Die eine weiß, Daß sie das Individuum, welches sie zum Gegen-stand ihrer Bemühungen wählt, in eine, über alle Zeit und allenRaum sich erstreckende und von dem Himmel zur Erde reichendeVerbindung einfügt, die andere, daß sie von dieser eS losreißt,um es in eine solche zu bringen, der keine andere Bürgschaftgegeben ist, als diejenige des (immerhin wandcibarcn) guten Wil-lens einer größern oder genngern Anzahl von Personalitäten.Jene hat einen positiven, ja mehr als positiven, einen unerschüt-terlichen Ausgangspunct und faßt eine positive Wirksamkeit insAuge (wiewohl cs gutmüthigem Eifer leicht begegnen mag, daßer in dieser Beziehung allzuleicht sich täusche), jene, von Negati-vem ausgehend, ist außer Standes zu berechnen, wo das Endzielder Negation gesteckt sey.

Aber gerade da, wo die Proselytenmachcrei aus dem Be-wußtseyn des vollen Besitzes und auö einer anerkannten Verpflich-tung hervorgeht, zu dessen Theilnahme auch Andern zu verhelfen,kann in untergeordneten Verhältnissen die Anwandlung zu einergewissen, die natürlichen Gränzen leicht überschreitenden Bethäti-gung derselben nahe liegen. Ich will gar nicht bezweifeln, daßmancher Priester in einfacher Gutmüthigkcit seines Herzens sichverpflichtet glaubt, dieselbe versuchen zu sollen, wo nur immerGelegenheit dazu sich darbieten mag; daß daher in Gefängnissenoder in Spitälern oder an andern derartigen Orten Mancher ausden untern VolkSclasscn in die katholische Kirche hinübergezogenwird, der sonst vielleicht nie daran gedacht hätte; daß sogar zwi--schencin auch Mittel mögen angewendet werden, deren Rechtferti-gung schwer fiele. Eine Frage aber wäre cs, ob diejenigen,welche bei vorkommenden Fällen alsbald Lärm zu schlagen bereitstehen, auch immer die Umstände kennen und, wenn sie dieselbenkennen, vor Uebertreibung sich frei halten und daneben zu richtiger