Beurtheilung dessen geneigt seyn möge«, was vielleicht in mehrals einem Fall den Lärm nothwendig dämpfen müßte?
Es ist vor wenigen Jahren vorgekommen, rcisz mehrere nicht-katholische Sträflinge längere Zeit in einer Gefangenschaft zu Rom sich befanden. Von diesen gingen Einige, ob aus innerer Ueber-zeugung, ob in Hoffnung, ihr Loos zu verbessern, ob in vollkom-men freiem Willen oder überredet, weis; ich nicht, zur katholischenKirche über. Das wurde bekannt, und augenblicklich begab sich derHausprcdigcr einer Gesandtschaft, der in aller Zeit rorher niemalsum diese Menschen sich bekümmert hatte, in die Gefangenschaftund ließ dieselben zusammen kommen. Denjenigen, welche katho-lisch geworden waren, machte er darüber Lorwürfe, erhielt aberdie Antwort: wenn sich um die religiösen Bedürfnisse der Gefan-genen diejenigen nicht bekümmerten, welche im Fall wären, darumsich erkundigen und Beistand leisten zu können, wenn der Gefangenealler Mittel zu seiner Belehrung und Tröstung sich beraubt sehe,so dürfe eS Niemand befremden, daß er zu denjenigen Mittel»seine Zuflucht nehme, die ihm freundlich dargeboten würden. DießWäre die Ursache, weßwegen sie katholisch geworden wären. —Den Andern nun, welche deren Beispiel nicht gefolgt waren, gabder Prediger Namens seines Fürsten eine Geldunterstützung.Darüber beschwerten sich nun jene Erstern, indem sie meinten, siewären, trotz ihres Ueberlrittes zu der katholischen Kirche , Unter-thanen ihres Landeöherrn, so gut als jene Anvern, zumal dieZahl der unter seiner Regierung stehenden Katholiken keine geringesey. Das hatte die Folge, daß von dem Staatssecretariat desInnern mchtkatholischen Geistlichen der Eintritt in die Gefängnisseuntersagt wurde. War dieses Verbot nicht dmch jenen Vorganggerechtfertigt? Diente aber das Geschenk als Mittel, Jene inihrem nichtkatholischen Glauben zu festigen, ist es ein prciswürdi-gercs, als dasjenige, durch geweckte Hoffnung besserer Behandlungoder schnellerer Entlassung einen Gefangenen zur Annahme einesandern Glaubens zu bewegen?
Bei manchen ungesuchten und unbeabsichtigten Bekehrungenselbstständiger Personen würde man nicht selten auf die überraschend-sten Veranlassungen und Einwirkungen stoßen; auf Einwirkungen,Wenn nicht gerade so unerklärlich und wunderbar wie diejenige,welche Theodor Ratisbonne in die Kirche hineinführte, doch immerso auffallend, daß in ihren ersten Anfängen wenigstens der FingerGotics nicht verkannt werden könnte; wie in jenem RegenschirmWelchen ein Engländer in einem Beichtstuhl zurückgelassen hatte,was zur Veranlassung wurde, ihn sammt einem Freunde wiederin die Kirche zurückzuleiten, wie Solches in Abbe Rohrbacher's„Ucberblick über die vornehmsten Bekehrungen" zu lesen ist.
Einen nicht minder merkwürdigen Gang nahm die Bekehrungeiner deutschen Dame, welche vorzüglich alle die Abneigung gegendas Papstthum und die Pe.son eines Oberhauptes der Küche mitsich nach Rom brachte, welche so häusig den deutschen Protestan-tismus aller Schattirungen und Abarten durchdringt und stachelt.Eines Tages begegnete sie unfern des Stadtthores dem Papst, dereben eine Spazierfahrt machte. Da zwang es sie mit unwider-stehlicher Gewalt, gleich Andern, auf die Knie zu fallen und denSegen des ehrwürdigen Greisen zu empfangen; was augenblicklicheinen so tiefen Eindruck auf sie machte, laß sie beinahe in Thrä-nen zerfloß und lange noch, nachdem der Papst schon vorüber-gefahren war, in ihrer knicenden Stellung verblieb. Als sie end-lich sich aufraffte, lehrte die vorige Gesinnung zurück und siemachte sich über ihre ungeziemende Schwachheit selbst bittere Vor-würfe. Sey doch, kam es ihr hierauf zu Sinn, derjenige, beidessen Erscheinen sie sich auf die Kniee gelassen, und der sich
Oberhaupt der Kirche nenne, ein sündiger Mensch gleich Andern;warum denn ihm solche Ehrerbietung beweisen?
Die Neue über ihre Schwachheit stachelte sie zum Grimm,und sie beschloß dadurch Genugthuung für dieselbe sich zu ver-schaffen, daß sie dem Papst seine Anmaßlichkeit, bei gemeinsamerUnvollkommendeit mit allen andern Menschen, geradezu vorhalte.Zu dem Ende ließ sie um eine Audienz bitten, gleichzeitig aberPostpferde bestellen, um unvcrweilr nach ihrer kühnen That wenig-stens dem Bereich des Beherrschers des Kirchenstaates sich zu ent-ziehen. Es war nicht schwer, die Audienz zu erhalten. DieDame hatte wirklich den Muth, ihr Vorhaben auszuführen unddem Papst zu bemerken: wie er sich den Stellvertreter Christi aufErden nennen könne, da er ein sündiger Mensch sey? Mit seineranerbornen Milde antwortete er ihr: „Ungeachtet er selbst tagtäg-lich dieses sich sage und Gott anflehe, daß er, unangesehen dessen,zu Führung des schweren Amtes mit seiner Gnade dennoch ihmbeistchen wolle, freue es ihn, wenn er auch durch Andere hieranerinnert werde, damit er stets desto lebendiger und dcmuthSvollcrdessen gedenke."
Diese Antwort entwaffnete die Dame. Sie fühlte sich wie-der eben so betroffen, als an dem Tage, da sie dem Papst aufoffener Straße begegnet war. Man versicherte mich (und es fälltmir bei der Persönlichkeit Gregors XVI . gar nicht schwer, eS zuglauben) der Papst sey hierauf gleich einem Katecheten in einigeder wesentlichsten Puncte des katholischen Glaubens mit ihr ein-getreten, und habe die Audienz verlängert, um über verschiedeneDifferenzen die Dame zu belehren. Dieß Alles habe aus dieselbesolchen Eindruck gemacht, daß sie die Postpferde abbestellt, hieraufum einläßlichere Unterweisung sich umgesehen, endlich die volleUeberzeugung gewonnen habe, daß der katholische Glaube derwahre, sie somit zu diesem übergetreten sey.
Ein deutscher Edelmann, dem ich die Nachricht über diesegewiß höchst merkwürdige Rückkehr in die Kirche verdanke, erzähltemir, wie er in seinen frühern Jahren durch die Eitelkeiten undZerstreuungen des Hoflebcns geradezu um allen Glauben gekom-men sey. Die protestantische Lehre, in der er mit aller lebcnlosenKälte des norddeutschen Nationalismus erzogen worden, habe ernur allzubald über Bord geworfen, die katholische dagegen garnicht gekannt, oder höchstens nach den wegwerfenden Urtheilen,Welche in seinem Heimathlandc gewvhnheitsgemäsz über sie gefälltwürden. So sey er auf Reisen nach Rom gekommen, mit demVorhaben, länger daselbst zu verweilen. Leichtfertigkeit und Ncu-gierde hätten ihn getrieben, einen Jesuiten um Unterricht in derkatholischen Glaubenslehre anzugehen, nicht um in dieser sich um-zusehen, als vielmehr, um von dein Standpunct des Rationalis-mus und des Protestantismus, bei sonstigem Mangel an aller innererUeberzeugung, demselben zu widersprechen, also gewissermaßen bloßunfruchtbar den Verstand beschäftigende Dialectik zu treiben. Mitbewundernswerther Klarheit habe der Jcsuite die wesentlichsten Leh-ren des Christenthums ihm dargelegt, und mit noch größerer Ruheseine Einwendungen angehört, mit schlagenden Gründen sie zuentkräften gewußt, ohne jedoch einen andern Eindruck, als den-jenigen der Achtung vor der Geistesschärfe des Mannes, dem ergegenüber stund, in ihm hervorzurufen. In seiner Rolle als ent-schiedener Protestant habe er sich immer wieder auf die heiligeSchrift zurückgezogen und dieselbe als Schild allen noch so schla-genden B.weisen des Jesuiten entgegengehalten. Da sey ihm einstvon demselben mit aller Gelassenheit bemerkt worden: sofern erdabei auf die Lutherische Übersetzung sich stütze, so führe er das-jenige, waS er beweisen wolle, zugleich wieder als Beweggrund an,