Ausgabe 
5 (7.12.1845) 49
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drehe sich somit in einem nichtigen Kreise herum. Denn Lutherselbst habe, um für den wesentlichsten >satz seines Systems einenAusspruch der göttlichen Schrift anfuhren zu können, zuerst dieseIn Röm. III., 28. geändert; wie er denn dessen alsbald sichüberzeugen werde, wenn er seine Uebersetzung mit der Urschriftvergleichen wolle.

Mit dieser Nachweisung, die damals für ihn eigentlich eineEntdeckung gewesen sey, habe er sich nach Hause begeben, undnimmer von dem Gedanken sich losmachen können, daß es mehrals ein Wagnis; genannt werden müsse, die heilige Schrift alsobersten und allgemeinen Nichter in Glaubenssachen zu proclamiren,dann aber, damit der AuSspruch dieses Richters den eigenen Mei-nungen eine untrügliche Sanction verleihe, eben diese Schrift zuändern. Hiedurch sey Luthers Beruf als angeblicher Kirchen-verbesscrer vor seinen Augen in ein bedenkliches Licht, sey zugleichan die Stelle der bisherigen Gleichgültigkeit der Zweifel getreten;Habe er die frühern Entwicklungen des Jesuiten , die sonst eindrucke-los an ihm vorübergegangen wären, in seiner Erinnerung wiederhervorgenommen, die Unterredungen nunmehr mit Ernst und wah-rem Verlangen nach Licht und Belehrung fortgesetzt. Aus einemkalten und widerspruchsrcichcn Dialectiker sey er in einen Wahrheitsuchenden Schüler umgewandelt worden, dabei die Gnade GottesIhm zu Hilfe gekommen. So habe die Nothwenvigkeit des Glau-bens zum wahren Leben ihm fortwährend fühlbarer sich gemacht,habe er immer mehr, immer Heller und tiefer erschaut, daß alleinder katholische Glaube der wahre seyn könne, habe es ihn mitunwiderstehlicher Geistesmacht in die katholische Kirche hineingezogen.Je mehr und mehr sey ihm die Ueberzeugung aufgegangen, das;er in ihr nur das Licht finden könne, nach welchem er zuvor garkein Verlangen gehabt, die Seelenruhe, deren Entbehrung er bis-weilen nur allzu schmerzlich gefühlt, und den Trost, dessen Segens-fülle er bis anhin niemals gcahnet. Wie er dann sein Bekenntnißabgelegt, sey er in jeder Beziehung inne geworden, daß eine wahreWiedergeburt in ihm vorgegangen sey.

(Schluß folgt.)

Nekrolog des S°. Palmatius Dietz von Altötting .

6. November 1845.(Kirchenztg, f. d. rath. Deutschland .)Einer der letzten Veteranen jener Helden-Schaar der Söhnedes heiligen Franciscus aus dem Capuzincr-Orden der bayerischenProvinz, die alle Stürme der französischen Revolution, die Schre-cken der Kriegsjahre, die Gräucl der Säcularisation, den Vanda-Zismus der Deportation, die schwärzesten Verleumdungen, Verach-tung, Mangel und Entbehrung mit christlicher Tugendstärke, miteinem unbeugsamen Muth und mit bewunderungswürdiger Ausdauerund Ergebung in den Willen des Allerhöchsten ertrugen und niedas Ordenskleid ablegten, unser guter Vater, l>. PalmatiusDietz, ist nun auch seinen LndcnSbrüdern in die Ewigkrit nach-gefolgt, in der Nacht vom L. auf den 7. November in ein besse-res Leben hinübergegangcn. Wer ihn kannte, liebte ihn wegenseiner Ansprnchlofigkcit und frommer Einfalt, und weil sein langesund unermüdcteS Wirken im Weinberge des Herrn zum Theil ineine so bewegte und unruhige Zeit fiel, so dürfte es der Mühewerth seyn einiger Züge aus dem verdienstvollen, an schwerenPrüfungen reichen Leben dieses biedern Jubelgreises hier zu geben-ken, um so mehr aiö sein Andenken in den Herzen Vieler, dieihn näher kennen zu lernen Gelegenheit halten, noch nicht e»loschen seyn wird. Auch glauben wir nicht anzustoßen, wenn wir

den Namen des Seligen dem Verzeichniß der Männer von vorzüg-licher Tugend und von besonderen Verdiensten aus dem Orden derCapuzincr in Bayern anfügen.

?. Palmatius war den 11. April 1772 von wohlhabendenEltern geboren, machte seine Studien rühmlichst zu Ambcrg undtrat auf das Gutachten weiser und geistvoller Männer, welche erzu Rathe gezogen, seinem Berufe folgend, schon sehr früh in denCipuziner-Orden, und machte zu Neumarkt sein Noviciat. ImJahre 1795 zum Priester geweiht, begriff er wohl die Aufgabe,die ihm dadurch gesetzt ward, und war mit der Lösung derselbenbei einer rüstigen und dauerhaften Gesundheit bis zum Ende seinesLebens rastlos beschäftigt. In den verschiedenen Klöstern, wohinihn der Gehorsam rief, z. B. zu Wasserburg, Straubing , Deg--gendorf, Schärding, München, Laufen, Burghausen :c. :c. leisteteer die ersprießlichsten Dienste, durch treue Aushilfe in allen Zwei-gen der Scelsvrge; besonders wird aber sein Andenken gesegnetbleiben an dem Gnadenorte Allötting, wo er eine Reihe von 30Jahren hindurch als eifriger Beichtvater uncrmüd-t thätig arbeitete.

Jene unselige Zeit, wo nach Gottes unerfo, schlichen Nach-schlüssel, sein heiliger Orden so schweren Prüfungen entgegenging,wo den Brüdern alle pfarrlichcn Verrichtungen untersagt, die Aus-länder heimgeschickt, die alten Laienbrüder als Pfründner in dieAbteien verwiesen wurden, wo allen die Pforte zum Weltpricster-stand geöffnet und die nicht wollten, in Centralklöster zusammen-gedrängt wurden, und da die drückendste Armuth und Noth erlit-ten; wo dem ?. Prvvincial die Visitation untersagt, Provincial-Capitel verboten wurden und innerhalb eines Jahres die bayerische Capuzincr-Provinz bis auf die Hälfte zusammengeschmolzen war,vermochte nicht sein festes, unerschütterliches Gottvertrauen zumWanken zu bringen. Aufwärts zum Himmel blickte seine frommeSeele und demüthigte sich unter der Hanv des Herrn. Deßhalbkonnte er auch bei allen späteren Schlägen, die ihn trafen, lächelndsagen: () psssi graviors, clsdit Heus Ki5 czuociue linem!

Als Napoleon nach Altötting gekommen war, ließ er sogleichden ?. Guardian rufen und fragte um die Ursache der Abreiseder Capuzincr aus Tyrol; warum sie hiehergekommen seyen undw.r sie abberufen habe. Dieser antwortete ehrerbietig und be-kannte, was er wußle. Zuletzt fragte ihn Napoleon : .Betet ihrnur für den Kaiser von Oesterreich?"Wir beten," antwortetejener,für alle christliche Fürsten und Potentaten."So betetauch für mich!" sagte Napoleon.

?. PalmatiuS war ein ächter Religiöse und entwickelte alsGuardian, Definitor und Provinzvicar sehr schöne Tugenden, Ge-wissenhaftigkeit in seiner Handlungsweise, Eiser für die klösterlicheZucht, verbunden mit Bescheidenheit und kluger Nachsicht, solideFrömmigkeit uns Eingezogenheil gepaart mit Heiterkeit und Froh-sinn, Abgezogenheit unv Flucht der Welt ohne dabei einen Son-derling zu machen; er war ein sorgfältiger Vater seiner Untc-gc-benen, seine Zelle stand allen off-n, die Rath, Trost und Hcksesuchten, und dieß geschah nicht selten, da er in der geistlichenK-iegSschule wohl geübt und erfahren war. Noch im hohen Allerhielt er die strenge Abstinenz, war immer der erste im Chor, dereifrigste im Beichtstuhl und Krankenbesuch und überhaupt bei allenFunctionen, die von ihm gefordert wurden.

Daß es hier an verschiedenen Prüfungen nicht mangelndurfte, versteht sich; aber eben diese machlcn seine Tugend nochvollkommener und bewährter. Alle persönlichen Kränkungen undBeleidigungen ertrug er mit Stillschweigen, wo es aber die EhreGottes galt, schwieg erricht, sondern ertheilte eine sanfte Zurecht-weisung.