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Augsburger
Zweite Zahreshälste.
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Die Redemptoristen in den vereinigten Staatenund die deutsche Colonisation.
(Katholik.)
Bekanntlich ist dcr religiöse Zustand der deutschen katholi-schen Kolonisten in Amerika oder wenigstens in den vereinigtenStaaten zur Zeit noch dcr bedauernswcrlhcste, den man sich denkenkann. Ueberall auf der großen Fläche jenes Erdtheils zerstreut,gehen sie sittlich und national unter der übrigen Masse der Bevöl-kerung zu G>undc. Schon lange ward daher das tiefste Bcriuf-uiß gefühlt, für diese Unglücklichen in leiblicher und geistiger Hin-sicht Sorge zu tragen. Wer aber könnte eine so schwierige, beinahe unüberwindliche, mit d,r größten Selbstaufopferung verknüpfteAufgabe lösen? Etwa unsere deutsch - begeisterten langbärtignJünglinge oder jene Literatcn, die fortwährend von deutscher Ein-heit unv deutschem Fortschritte träumen, denen es aber nur daraufankommt, mit aller Gemächlichkeit Stellen, Geld und Popularitätzu erhalten? Nein, wahrlich nicht! Denjenigen war es vorbehalten,deren geistliche Voreltern einst a»ch die rauhen Steppen und Wäl-der Deutschlands niit ihrem Schweiße und allen Tugenden derhclvcnmüthigstcn Selbstverläugnung anbauetcn unv lichteten. Wiedamals die Söhne Vcnedicts, so auch heute sind es deutsche katho-lische OrdcnSmanner, welche ihre Brüder in Amerika , die dorthilflos zerstreut und im Elende umherirren, zu einem großen deut-schen Nationalleben der iuigen wollen. Die seit einigen Jahrennach Amerika hinübergcsicdelien Väter des Ordens dcr Re-demptoristen , die geistlichen Söhne des heiligen Liguori,haben diesen großartigen Plan gefaßt. Einer meiner Freunde,der bei diesem so höchst wichtigen und heilbringenden Unternehmen,obgleich ein Laie, mitbethciliget ist und dafür gleichfalls nach allenKräften zu wi ken sucht, hat mir folgenden Bericht über die ganzeLage der Sache zur Veröffentlichung übcrsandt, und ich hoffe, daßseine Mittheilung sowohl die Aufmerksamkeit, als das Interesse desganzen katholischen Dentschlands für das große Unternehmen, washier in Neve steht, anregen wird.
Vom Delci Ware. Da ich glaube, daß es nicht ohneInteresse für unser deutsches Mutterland seyn dürfte, etwas überden Zustand der katholischen Kirche unter den nach Nordamerika ausgewanderten Deutschen ;n erfahren, so sey es mir erlaubt, hierEiniges von dem mitzutheilen, was ich auf meinen Reisen durch
die vereinigten Staaten in Bezug darauf antraf. Ich kann alsLaie nur das mittheilen, was äußerlich vor Augen liegt, da nurder Missionär selbst im Stande ist, über das höhere Verdienstseiner Arbeiten, den innern Anbau der Seelen, zu berichten.Dazu fehlt aber unsern unermüdlichen Arbeitern theils die Zeit,theils sind sie zu'bescherten und demüthig, um ihre herrlichen Er-folge selbst zu bemerkcn, geschweige darüber vor der Welt zu reden.Wie tapfere Kämpfer schauen sie niemals wohlgefällig hinter sich,sondern haben unermüdlich und rastlos nur die unermeßliche Arbeitoor sich im Auge, so noch zu beschaffen; und dafür lohnt denfrommen Helden Gottes nur Entbehrung aller Art, kaum einanerkennendes Wort vergilt ihre Mühen, ihren sauern Schweiß.Ich sah unsere geliebten Hirten, von Krankheit heimgesucht, ohnelie Mittel zu besitznr, sich die nothwendigsten, den Gesunden un-entbehrlich scheinenden Vedürsn sse zu verschaffen, ohne anderesLbdach, als e nen elenden Brcticroe, schlag, der Kälte eben so zu-gänglich, wie dcr erstickenden Sommerhitze; ich sah unsere gelieb-ten Missionäre in aller dies-r Entbehrung freudig von ihremStrohlag r ausspringen, worauf sie das Fieber in entsetzlichemFcosie hin und her warf, im Augenblicke, wo ein Kranker oderein Beichtlind ihrer begehrte; ich sah sie, die kaum die Kräfte be-saßen, ihren eigenen krar.ken Körper zu tragen, wie sie in diesemZustande Meilen weit zu F^ße ibrem göttlichen Berufe nacheilten,freudig alle Schmerzen, alle Schwache, alle Krankheit verachtend,in dcr leiblichen Hoffnung, einer Seele Linderung und Trest zubringen. Es ist unmöglich, diese nlc ruhenden Arbeiten der f-om-mcn, vom Geiste der ersten Apostel beseelten Söhne des heiligenAlphonS dc Liguori zu sehen, ohne von Bewunderung undLiebe s>r sie erfüllt zu werden u»d vom wärmsten Dankgefühlegegen Den, der ihncn allein die Kraft gab, solches zu erdulden,solches zu leisten. Nach dem Urtheile Aller, welche die Vcrhält-! issc des Landes kennen, sind wohl wenige Orden mehr geeignetfür Nordamerika , wenige arbeiten mit solchem Erfolge, wie der derRedemptoristen . Wenn andere Orden eine besondere Gnade fürdie Missionen unter den Wilden haben, so hat die Vorsehung denNedemptonsten offenbar ein gewiß eben so großes Maaß dieserG»ade für die Missionen unter den civilisirtcn Ansiedlern Amerika'S ertheilt. Dieselben charakteristischen Merkmale, welche in Italien ,in Tirol, Oesterreich, in Belgien, Frankreich und England die