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5 (14/12/1845) 50
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beurtheilt» zu können, in wie fern seine Gattin den ertheiltenUnterricht auffasse, erbat sich der Mann zugleich einige Bücherüber diesen Gegenstand, die er nicht allein erhielt, sondern auchmit großer Aufmerksamkeit las, also, daß der halberwachsene Sohn,der inzwischen die Mutter besuchte, die Frage: wie der Vater sichbefinde? dahin beantwortete: er sitze beinahe Tag und Nacht überden Büchern, wett mehr als sonst. Begreiflich konnte derUnterricht nicht schwierig seyn; der ausgestreute Saame fiel aufeinen Boden, der schon seit zwanzig Jahren nicht nur bereitetwar, sondern der Aussaat harrte. Nach wenigen Wochen konnteder Mann die Anzeige erhalten: es stehe der Aufnahme seinerGattin in die Gemeinschaft der katholischen Kirche nichts mehrentgegen, diesilbe hänge einzig noch von seiner Zustimmung ab.Auch diese erfolgte, und zwar mit freiem und freudigem Willen.Darauf wurde der Tag und der Ort verabredet, wo diese Auf-nahme vor sich gehen sollte; und zwar, damit Aufsehen vermiedenwerde, in einer kleinen Stadt, unfern der Hauptstadt. Dochnicht lange hernach bemerkte der Mann: er sehe eben nicht ein,warum eine andere Stadt gewählt werden sollte, als diejenige, inwelcher der Geistliche, der den Unierricht ertheilt habe, und inder sie sich gerade befänden. Auch das wurde beliebt, und sobrach endlich der Tag an, an welchem das vieljährige stille Sehnender Frau an das so heiß gewiinschte Ziel gelangen sollte. Alleswar bereitet; da trat unerwartet der Mann zu dem Geistlichenund fragte: ob es nicht anginge, daß auch er, gemeinsam mitseiner Gattin, das Bekenntniß deö katholischen Glaubens ablege?Die Mittheilungen aus dem erhaltenen Unterricht, i» Verbindungmit dem eifrigen Forschen in den empfangenen Bücher», hättenihn M der gleichen Ueberzeugung geleitet, und in dieser sey auchsein Entschluß zur Rückkehr in die Kirche unerschütterlich begrün-det. In so wunderbarer göttlicher Gnadenhcimsuchung »lochte diebeglückte Frau an diesem Tag, der nun beide Eheleute mit derKirche vereinigte, mit dem dreifachen Ehrenkranz veS Glaubens,der Geduld und des Goltvertrauens sich geschmückt sehen un^> einesLohnes sich freuen, den vor kurzem noch ihre kühnste Hoffnungnicht hätte erwarten dürfen. Je größer, entschiedener unv b<har»licher die Vorurlheile waren, die den M.rnn vorher der Kirchegegenüberstellten, desto glänzender ist auch der Sirg, den dieselbeüber ihn davon getragen hat; je edler dann sein Charakter ist, jeweniger das reine Licht erkannter Wahrheit durch untergeordneteRücksichten bei ihn: konnte getrübt werben, desto größern Werthmuß auch sein freies Bekenntniß dieser Wahrheit ihm verleihen.

Ich theile hierin nicht Etwas aus Hörensagen mit, nichtEtwas, was durch den Lauf von Mund zu Mund entstellt oserausgeschmückt worden wäre. Ich könnte Zeit, Ort und alle Na-men nennen; ich habe nicht allein das Glück gehabt, diese leben-digen Glieder der heiligen Kirche kennen zu lernen, sondern habeden ganzen Verlauf der Sache aus dem Munde des Geistlichen,der den Unterricht ertheilte und von dieser zweifachen RückkehrZeuge war, selbst vernommen.

tigen gesucht hat. Sie sind wahrhaftig etwas B-ssercS und Edleres.Frage jeden gcmüthreichen, wahrhast christlichen Menschen, obnickt in zarter Kinderzeit gerade bei diesen Krippen in die Däm-merung seiner jungen Seele die schönsten Lichtblicke religiösen Auf-schwungs gefallen sind?

Einer meiner Jugendfreunde, welcher selbst jetzt noch in rei-fen Jähren seinen Kindern mit kindlicher Freude alljährlich dieWeihnachtskrippe aufbaut, betheuerte mir, daß diese Kripvendar-stellungcn in ihm von seiner frühesten Jugend her den lebendigstenEindruck zurückgelassen haben; er führte mich im verflossenen Win-ter an diese Weihnachtskrippe, deren Ausführung von einem zart-fühlenden christlichen Geist zeugte; die Stellungen, welche er denHaupt- und Nebenfiguren gab, waren äußerst fromm und lieblich.Seit Jahren schon," sagte er mir, .wenn bei mir schon Alleszur Ruhe gegangen ist, stehe ich vor Schlafengehen vor dieserKrippe; draußen regiert der Wi-terstnrm, oder der Schnee fälltin Flocken leise herab; ich schaue hin auf das Kindlein, wie es inden Windeln liegt zwischen dem Hauch der zwei Thiere, umgebenvon schimmernden Engeln; vor ihm knieen Maria und Joseph,in der Entfernung die herbeigeeilten staunenden Hirten. Da beteich denn:,,O du Kind der Liebe, der Gnade und Erbarmung,biit' für uns; o du ewiges Licht, das du in die Welt gekommenbist, o du ewiges Wort, das du Fleisch geworden bist (hier beugeich meine Kniee) unv Gestalt genommen hast unter den Menschen,bitt für unö, erhöre unser Flehen, erbarme Dich unser! Hochge-lobt und gebenedeit sey Dein allcrheiligäer Name JesuS Christus jetzt unv in alle Ewigkeit! Amen!"" Aber auch wenn die Krippelängst abgebrochen ist, bete ich an derselben St.lle, wo sie stund,dasselbe Gebet tagtäglich, bis wieder Weihnachten kömmt, biswieder Alles um mich still ist, der Schnee an die Fenster rieselt,und ich wieder sinnend vor meiner Krippe stehe."

Die Ha«skrippen.

sAus den Spiegelbildern der Zeit von Dr. H, Carus.)

... Da ich eben die Weihnachtszeit berührte, muß ich auch derHanSkrippe» gedenken, die man so oft als nutzloses, oder weilaflcrmvstisch, als schädliches Spielzeug für die Kleinen zu verdüch-

Die katholische Mission in Norwegen .

Christiania , 15. Nov. Der gegenwärtige Zustand unsererkleinen katholischen Gemeinde ist höchst befriedigend, sowohl in Bezugauf vaS Privatleben und das ganze Verhalte» unserer Brüder, als inBrzug auf unsere gesammte Stillung dem Staate und den übrigen Con-f-ssionln geginüber, eine Stellung, die, wie Sie wissen, durch die neue-ste vom König sanctionirte Gesetzgebung anerkannt worden ist. DieZahl der Katholiken hat sich in dem Zeitraume von drei Jahren von 43auf 8t) erhoben und alle beweisen durch Wort und That, wie sehr ihnendie neue Gemeinde am Herzen liegt. Obgleich die Katholiken Norwegens im Allgemeinen arm sinv, und ihr Brov ini Schweiße ihres Angesichtesverdienen müssen, so haben sie dennoch durch ihre pecuniärcn OpferZeugniß abgelegt von dem Geiste, der sie belebt. Alle gehen regelmäßigin die Kirche die freilich b-s jetzt nichts Anderes ist, als eine arm-selige, elende Carcllc oder, besser gesagt, ein Zümncr, in welchem sichein Altar befindet und schicken alle Tage ihre Kinder in die Schuleund heilige Messe. Nur ein Einziger unter ihnen erzieht noch seineKinder in der lutherischen Religion. Diese bessere St.llung unsererGemeinde verdanken wir dem Religionsgcsctze von: 19. Juli 1845.Statt wie früher von dem guten oder bösen Willen abzuhängen,steht die katholische Gemeinde jetzt auf einem sicheren Rechtsbodcn,der von der Negierung bestimmt garantirt worden ist.

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