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Augsburger
Zweite Jahreshälfte.
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Ppstzeitmtg.
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Zur Erinleerung an den 13. December
(Münster 'schcs SonntagSblatt.)
Einen Tag von hoher Bedeutung für die ganze katholischeChristenheit und auch wobl für so manche außer ihr, welche indieser Zeit, wo alles reißt und bricht, einer geheimen Sehnsuchtnach einem festen Haltpunct sich nicht mehr erwehren mögen, bringtuns noch der Schluß dieses viclbcwegten Jahres, — den drei-hundertjährigen Gcdächtnisztag der am 13. December 1545geschehenen feierlichen Eröffnung des allgemeinen Conciliumsvon Trtent, einen Tag, der den unendlich reichen Keim einergroßen Zukunft rettete und an der Marke einer von dort an im-mer trauriger sich verwickelnden, immer mehr von unnatürlichenKämpfen zerisscnen, immer tiefer in die schrecklichen aber unver-Mridlichcn Folgen eines großen Fehlgriffes hineingezogenen Geschichtestehend, Wie ein Leuchtthurm auf Fclsengrund am MecrcSsicmd indie gährende, schäumende, sturmzerrissene See schaut. Wir dürfennicht ohne eine ernste Erinnerung an diesen großen Tag vorüber-gehen und was wir als Lohn für unsere Mühe vom Leser begeh-ren, das ist vor allem ein Gebet der Liebe zu dem Lenker seinerheil. Kirche, daß er die Augen der in den Fluthen Ringendenauf dieses RettungSzcichcn richten, dahin ihren Lauf zu nehmen,und ihre Hände stcnken wolle, nicht eher zu ermatten, als bis sieden Hafen erreicht haben.
Schon war' eine Reihe von Jahren seit dem Beginne derunglücklichen Kirchenspaltung verflossen, schon hatte der Abfall weithin in Deutschland und andern Ländern um sich gegriffen, dieGrundsätze der neuen Irrlehren standen in der Augsburg erKonfession <^153l)) und anderen Bckcuntnißschriftcn bestimmt aus-geprägt da, und auch die äußeren Verhältnisse waren bereits zumgroßen Theil geordnet, ehe die Maaßregel der Einberufung einesallgemeinen Conciliums, von der die Heilung der klaffendenWunde allein schien ausgehen zu können, zur Ausführung kam.Die Gründe dieser langen Verzögerung zu beurtheilen, ist nichtunsere Sache, aber so viel können wir mit Sicherheit behaupten,daß eben durch diese Verzögerung, wenn wir nicht bloß auf dennächsten Zweck, sondern auf die unermeßliche Wichtigkeit diesesConciliums für die Zukunft sehen, die Sache der Kirche eher ge-wonnen als verloren hat. Der nächste Zweck des Conciliums, die
Zurückführung der Abgefallenen, würde nach menschlicher Bcrech-nung um nichts besser erreicht worden seyn, wenn eS auch früheretwa in den zwanziger Jahren wäre gehalten worden. Denn nach-dem die Glaubcnsneucrer den Grundsatz, daß daö Wort der Bibelausgelegt von jedem Einzelnen über den AuSsprüchcn der Kirche stehe,einmal vollständig ausgebildet hatten, mußten sie jeden ihrer Aus-legung der heil. Schrift zuwider laufenden Ausspruch der Kircheals unbiblisch verwerfen, ein rechtmäßig unter dem Papste versam-meltes Concil, war ihnen als ein papistisches eben durch denPunct ein Gräuel, der es allein zu einem rechtmäßigen machenkonnte und als ein allgemeines Concil waren sie nicht gemeint,ein solches anzuerkennen, worauf nicht auch ihnen eine entscheidendeStimme gegeben war. Aber für die vollständige Lösung seinerunendlich wichtigen Aufgabe für die Zukunft wurde das Conciliumeben durch die eingetretene Zögcrung erst recht befähigt. Dennmit dem förmlichen Abfall eines großen Theiles der Christenheitvon der wahren Kirche war der Kampf, den das Ungöttliche mitdem göttlichen in der Geschichte der gefallenen Menschheit führt,in eine neue, entscheidende Periode eingetreten, und in diesemgewaltigen Kampfe, der um so durchdringender werden mußte, jenäher am Hecrde der göttlichen Offenbarung er entsprungen war,sollte durch das Concilium von Trient eine feste Grundlage, einunwandelbarer Haltpunct für die Kirche gegeben werden, die gött-liche Wahrheit mußte zu dem Ende gerade Vcn Grundsätzen derNeuerer gegenüber bestimmt ausgeprägt dargelegt werden und daskonnte da am besten geschehen, als die Grundsätze der neuenIrrlehre selbst sich bestimmt ausgesprochen hatten. Gerade so also,wie das erste allgemeine Concilium von Nicäa durch seine unan-tastbaren dcigmatischcn Bestimmungen über die Gottheit Jesu Christi die Ketzerei der Arianer kirchlich freilich entschied, aber deßhalbder Kamps mit den Ariancrn noch keineswegs beendet war, dieservielmehr erst an jenen dogmatischen Bestimmungen recht sich ent-wickelte, so hatte das Concilium von Trient , welches wir vorallen andern d.'in von Nicäa an Wichtigkeit wenigstens an dieSeite stellen müssen, die Bestimmung in dem noch gewaltigerenKampfe, der mit dem Protestantismus jetzt begonnen war, einenunerschütterlichen Haltpunct für die Kirche zu bilden und wir tra-gen keinen Augenblick Bedenken, von all-m Begebenheiten, welche,die zweite Hälfte des fünfzehnten und die erste des sechzehnten