Ausgabe 
(30.1.1897) 5
 
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gerade Gegentheil von dem, was ihm Stiebe und Krebsunterschieben. Beide Historiker haben offenbar die Aus-lassungen des schlagfertigen, zu Spott und Satire ge-neigten Jesuiten nicht gelesen; sonst wäre eine derartigeVerdrehung der historischen Wahrheit unerklärlich. Jetzoaber, fährt Vetter gegen Heilbrunner fort, nenne duden Jesuiten , so du kannst, der diese Frage proponirtoder fürgehalten und auf solch fürgehaltene Frag denja sprechenden Theyl dcfendirt und verfochten habe. Bell-armin (Os ioma.no ponkitioo Iit>. V oap. VII.) lehrtnicht, was man ihm unterschiebt.^) Dein gantz Fürnemen,schließt Vetter (S. 20), aber ist nichts anders als alleinschänden und verleumbden, holippen und die Auflägen,so allbereit widerlegt und zu nichte gemacht, repetirenund widcrholen und solches mit unersättlichem Neid widerdie Jesuiten , welcher einiger Ursache halber, da sonstgar nichts wär, du dich selbst für einen Heillosen undboshaftigen Menschen angibst und erklärst. (VergleicheP^rannioiäium anotors ckaoodo Lslloro, 8. ll. LIo-vaoüii 1611. pax. 1936.)

Diese Ausführungen Vetter's erweisen die An-schuldigung Stieve's als völlig unzutreffend und mahnenüberhaupt zur Vorsicht, wenn es sich um Vorwürfe gegendie Jesuiten handelt. Denn auch der belesenste Geschicht-schreiber ist der Täuschung und dem Irrthume zugänglich.

Schönfeld. Hirschmann.

Franz Schubert .

Zu seinem 10Ojähr. Geburtstag (31. Jan. 1797)von A. G.

Zur Zeit sind alle Tagesblätter voll von Schubert-Feiern; alles, was singt und musicirt, will den größtenMeister des deutschen Liedes bei der Wiederkehr seineshundertjährigen Geburtstages ehren, und zwar mit vollemFug und Recht. So ist es auf der Welt: so lange dasGenie lebt, kümmern sich oft wenige um dasselbe; wennsein Körper verfault ist, dann sieht man ein, was derVerstorbene war. So erging es schon Hunderten, ganzund gar so Franz Schubert, den die Welt meist darbenließ. Freilich, er war auch ungemein bescheiden unddemüthig die Welt liebt Radau! Dann starb er auchfrüh, obwohl er sehr viel gearbeitet und geleistet, trotzseiner nicht vielen Lebensjahre; sein Leben verlief sodannruhig, die Großen der Welt kümmerten sich nicht um ihn,

gegangenen Vergleich und ohne daß man eine richterlicheSentenz oder den Auftrag eines Richters abzuwartenbrauchte."

2) In der angezogenen Stelle ((vispntationss äscontrovsrÄw dn'i8tiavks üäsi, Insolstaäii 1890 xa§. 1067)lehrt Bellarmin: Den Christen ist es nicht erlaubt, einenungläubigen oder häretischen König zu ertragen, wennjener Versuche macht, die Unterthanen zu seiner Häresieoder zu seinem Unglauben herüberzuziehen; jedoch zu be-urtheilen, ob der König zur Häresie verleite oder nicht,kommt dem Papste zu, dem die Sorge für die Religionübergeben ist: demnach ist es Sache des Papstes, zu ent-scheiden, ob der König abgesetzt werden solle oder nicht..Wenn die Christen ehedem einen Nero, Diokletian, JuliusAvostata, einen Valens nicht absetzten, so geschah dieses,weil den Christen die irdische Gewalt hiezu fehlte. Einenhäretischen oder ungläubigen König ertragen, welcher dasVolk zu seiner Secte verführt, heißt die Religion eineroffenkundigen Gefahr aussetzen, wie die Kirchengeschichtein der Vergangenheit und in der Gegenwart beweist:UsAis sxsmplnm to1n8 eompouitur orbi8. Bellarminspricht wohl von der Absetzbarkeit häretischer und un-gläubiger Könige, aber nicht von dem Rechte, solche Fürstenzu morden.

kannten ihn nicht, Gönner hatte er keine, suchte auchkeine, Tag für Tag arbeitete er rastlos für sich, führteein ungemein einfaches, man kann sagen kleinbürgerlichesDasein. Auch nach seinem Tode, der viel zu früh er-folgte, blieb er noch ziemlich lange unbekannt. Währendheutzutage Biographien von Männern schon bei derenLebzeiten erscheinen, weitschweifig und übertrieben gehalten,blieb Schubert lange still und unbekannt, und Dr. Kreißlewar eigentlich der erste, welcher 1865 ihn und seine Werkeaus der Vergessenheit zog, auf dessen Werk dann andereaufbauten. Mit seinen Werken war es mitunter gerade so;so wurde, um nur ein einziges Beispiel anzuführen, seineherrliche II-moU-Syinphonie aufgeführt zum erstenmaleim Jahre 1865, volle 40 Jahre nach des genialen MeistersTod, und doch entstand sie bereits im Jahre 1822. Welchein Contrast mit der heutigen Zeit! Er führte ein Tage-buch, Schicksal desselben? Ein Autographen-Sammlerverkaufte Blatt für Blatt an Liebhaber, ja es ist ver-bürgt, daß kleine Kompositionen von ihm, Lieder alsFleißzettcl vertheilt wurden. Wie viel, wie viel Schönesmag auf solche Weise verloren gegangen sein! Und nunzum Meister selbst und seinen Werken!

Franz Peter Schubert wurde geboren am 31. Januar1797 nicht 1798, wie es öfters heißt in einerVorstadt der Kaiserstadt Wien. Seine Familie entstammteeinem Bauerngeschlechte aus Oesterr.-Schlesien. FranzensVater, ebenfalls Franz nach seinem Vornamen, hatte nichtweniger als vierzehn Kinder sein eigen zu nennen, vondenen fünf am Leben blieben, und war Franz der jüngsteSohn. Der Vater war Lehrer an einer PfarrschuleWiens, ohne eigentlichen Gehalt, da er nur freie Wohnungund Schulgeld bezog; das Einkommen betrug höchstensalles in allem genommen jährlich 400 Gulden österreich-ischer. Währung, dazu eine zahlreiche Familie und hiedurchmaterielle Sorgen. Nachdem die Mutter schon 1812 starb,ging der Vater eine zweite Ehe ein, der wiederum fünfKinder entsproßten.

Der Vater leitete selbst die musikalische Erziehungseiner Kinder, und wurde er bei der Erziehung der jüngstendurch die älteren unterstützt. Franz war, wie so vieleder großen Componisten, ein musikalisches Wunderkind,der bald seine einfachen Lehrer überragte, wie auch derPfarrei-Musiker Michael Hölzer, eine Auktorität zur da-maligen Zeit, bald erklärte, er könne den Knaben nichtsmehr lehren, so daß Franz vom achten bis zwölften Jahreohne eigentliche regelrechte Unterweisung aufwuchs. Ersang einen prächtigen Sopran, spielte Violine, Bratsche,Klavier und bisweilen auch die Orgel beim Gottesdienst.Im Jahre 1808 kam der Knabe als Sänger in diekaiserliche Hofkapelle in Wien und erhielt dadurch zugleicheinen Stiftsplatz im Stadtconvikt, wo er bis znm sieb-zehnten Jahre blieb. Es war diese Anstalt ein Gym-nasium, worin aber neben den Sprachen rc. auch fleißigMusik stndirt und geübt wurde, und aus diese warf sichFranz mit Feuereifer und erhielt das Zeugniß, und zwarsehr bald, daß er in den Symphonien von Mozart» Haydn, Beethoven trotz seiner Jugend die Violine muster-giltig spiele. An modernenlustigen" Symphonien derdamaligen Zeit fand er absolut keinen Geschmack undbezeichnete sie offen alsfad" und wunderte sich, wie mansolches Zeug überhaupt neben Haydn nur aufführen könne.Mozart's Ouvertüre zu der noWs äi Vigaro nannteer der Knabe!die schönste auf der ganzenWelt", fügte aber alsbald bei,fast hätte ich die Zauber-flöte vergessen". Schon damals hat er viel com-