dem Sternfelde (6snwo äs la lstrolla) den verehrungs-würdigen Leib des hl. Apostels Jakobus entdeckt hatte,wuchs' die Andacht zu unserem Apostel in solch hohemGrase, daß die bescheidene, auf den Ruinen der ursprüng-lichen Kapelle erbaute Kirche, die stets den kostbaren Schatzhütete, sich in eine prächtige Kathedrale verwandelte undauf der Stelle des uralten Solovio die prächtige StadtCompostela erstand. Gott. der in seilten Heiligen wunder-bar ist. gefiel es, das Grab des ersten Blutzeugen ausder Schaar der Apostel und des ersten Verkünders desEvangeliums in Spanien dadurch zu verherrlichen, daßer Tausende von Pilgern aus allen Völkern, die von denauf Fürbitte des Heiligen den Spaniern erwiesenen Wohl-thaten wußten uns herbeiströmten, zu demselben hinzog.Könige uns Fürsten , Hohe und Niedere, Reiche und Arme,Einheimische und Ausländer wanderten auf der altenRömerstraße nach Compostela . Die zahlreichen Pilger-schaaren und immer häufiger werdenden Wallfahrtenhatten zur nothwendigen Folge die Erbauung von Pilger-häusern uird Hospitälern an verschiedenen Punkten derKönigreiche Castilien, Leon und Galizien . Ja, eine solcheBedeutung erlangten diese Pilgerzügc, daß man von allenEnden des ganzen christlichen Erdkreises zur Verehrungdes berühmten Heiligthums und zur Erfüllung der in derfernen Hcimath aus Andacht und Vertrauen zum glorreichenSchutzherrn Spaniens gemachten Gelübde herbeieilte. —Noch nicht der vierte Theil eines Jahrhunderts war seitWiederausfindung der Reliquien (813) verflossen, da be-richtet bereits Walafried Estravon von den zahlreichenPilgerfahrten nach Compostela und von dort geschehenenstaunenswcrthen Wundern. Im Jahre 896 fand die Ein-weihung der vorn König Alphons III., dem Großen?) er-bauten Basilika statt, wobei die hl. Ceremonien mit außer-ordentlicher Feierlichkeit in Anwesenheit des Königs selbst,der Königin (Dona Jimeua), der kgl. Prinzen, in Gegen-wart von siebzehn Bischöfen, elf Grafen, aller Obrigkeitenund einer unermeßlichen, aus allen Nationen der Christen-heit zusammengesetzten Volksmenge vollzogen winden.
Im ersten Drittel des zehnten Jahrhunderts (915—928)sandte Papst Johann X . den Priester Zanelo zum Gnaden-orte, damit er Zeuge der zahllosen Menge von Pilgern amGrabe des Apostels und der auf dessen Fürbitte dort ge-wirkten Wunder sein könnte.
Im Jahre 1040 kam nach Compostela als Pilger dergriechische Bischof Stephan, der nach Verzicht auf seilt
Apostels Jakvbus, sein vorn Rumpfe getrenntes Hauptund daneben einen Pilgcrstab. Ferner fand man eineUrkunde, welche die Echtheit des kostbaren Fundes bezeugteund angab, daß die beiden anderen Gräber den Begleiterndes Apostels Athanasins und Theodor gehörten. Vollheiliger Freude warfen sich Bischof, Priester und Volk aufdie Knie und dankten Gott . Theobomir ließ darauf diedrei Gräber iviedcr verschließen und berichtete persönlichvon der seltsamen Begebenheit dem damaligen KönigAlphons H. von Astnrien (791—842). Sofort begab sichder König selbst in Begleitung seines Öofes nach.demBerge Libre-Don, bezeigte den Reliquien seine Verehrung,erbaute über denselben eine kleine Kirche und beschenktedas Hciligthnm außerdem mit sämmtlichem Lande auf dreiMeilen im Umkreise. Auch dein damaligen Papste Leo III. (795—616) meldete Bischof Theodomir die wunderbareWiederanffinduug des Leibes des hl. Apostels Jakobns.Der Papst machte die Nachricht den übrigen Bischöfen derChristenheit kund, und von da an datiern die Wallfahrtenzum Grabe des Apostels. — Soweit die spanische Ueber-lieferung. Recht glaubhaft klingt sie allerdings geradenicht, namentlich im ersten Theil.
. *) Alphons UI. König von Astnrien 866—910. DenBeinamen „des Großen" erhielt er wegen seiner Siegeüber die Mauren. Am Abend seines thätcnreichen Lebenswallte er noch einmal zum Grabe des hl. Jakobns. Vondort zurückgekehrt bat er seinen Sohn um ein Heer. umzum letztenmal gegen die Sarazenen ins Feld zu ziehen.Er wollte offenbar für den Glauben als Sieger sterben.Mit Zustimmung seines Sohnes zog Alphons an der Spitzeseines Heeres noch einmal gegen die Mauren und erfocht,ohne rcdoch den ersehnten Heldentod zu finden, mehrereSiege. Im Jahre 910 starb er an einer Krankheit inZamora. Vergl. Weiß, Weltgeschichte. (III. Anst.) B. V.S. 236.
Bisthum den Rest seines Lebens dort zubrachte und in derKirche des Apostels starb.
Wegen der großeil Bedeutung der Wallfahrten undda die Basilika oes Königs Alphons III. die Pilger nichtmehr zu fassen vermochte, begann der Bischof DiegoPelaez im Jahre 1078 mit dem Baue der gegenwärtigenBasilika, die Don Diego Gelmire?) vollendete. PapstUrban II. erklärte im Jahre 1089 die Diözese von Compo-stela , deren Sitz hieher verlegt worden war?) für exemptvon der Metropolitangerichtsbarkeit, und im Jahre 1102gewährte Papst Paschalis II. dem Bischof Gelmirez denGebrauch des Palliums.
Am Ende des 11. und am Anfang des 12. Jahrhundertsließ Santo Domingo aus Mitleid mit den vielen Beschwer-lichkeiten und Mühsalen, welche die Pilger von Compo-stela zu erdulden hatten, auf jener Seite des Flusses Rioja,auf welcher heut zu Tage die Stadt gleichen Namensliegt, die Sümpfe austrocknen, den Fluß eindämmen, dieStraße bahnen, ein geräumiges Pilgerhaus errichten undeine Kirche, die Kathedrale wurde und noch ist, erbauen.
Im Jahre 1109 kam nach Compostela als Pilger derErzbischof von Vienne aus der Dauphin« in Frankreich .Derselbe bestieg später unter dem Namen Calixtns II.den päpstlichen Stuhl und hat uns die Beschreibung jeneswundersamen Schauspiels, das jene Legionen von Pilgernaus allen christlichen Ländern in Santiago boten, hinter-lassen. In diesem äußerst interessanten, eingehenden Be-richte °) erzählt er uns unter anderem: „Man kann nichtumhin, mit staunender Freude das Schauspiel zu betrachten,welches die vor dem Grabe des hl. Jakobus wachenden Pilgerbieten. Auf der einen Seite stellen sich die Deutschenauf, auf der anderen die Franzosen , etwas entfernter dieItaliener, alle mit brennenden Kerzen in den Händen, sodaß die ganze Kirche wie am hellen Tage vorn Sonnenlichterleuchtet strahlt. Alle wachen und beten daselbst, singenund loben den Herrn. Die einen beweinen ihre Sünden,andere beten Psalmen; die verschiedensten Sprachen hörtman dort, Laute und Lieder von Deutschen, Engländern,Griechen und allen übrigen Stämmen und Völkern allerZonen. Keine Sprache, keine Mundart gibt es, derenLaut dort nicht wiederhabt. Die Nachtwachen werdenunter Gebeten mit größtem Eifer gehalten; die einengehen, die andern kommen, alle aber beten und spendenOpfergaben. Wer traurig hinzieht, geht fröhlich vonbannen, es herrscht dort eine ununterbrochene Feier, einfortwährendes Fest, das bei Tag wie bei Nacht nicht endet.Immerwährende Gesänge geben Zeugniß vom allgemeinenJubel, von der himmlischen Fröhlichkeit und der Be-geisterung der frommen Pilger zu Ehren des Herrn undfeines hl. Apostels. Niemals schließen sich die Thore diesesTempels beim Tage und bei der Nacht, deren Dunkel demglänzenden Kerzenscheine weichen muß. Wir sehen daArme und Reiche, tapfere Ritter, Kämpfer, die in denKrieg ziehen, Feldherren, Blinde und Lahme, Edelleuteund Vornehme, Laien und Priester, die auf eigene Kosten,oder mit Hilfe von Almoien kommend, die einen zumZeichen freiwilliger Buße mit Ketten beladen, die andern,wie die Griechen, Kreuze auf den Schultern tragend.Die einen theilen nach bestem Vermögen Gaben an dieArmen aus, die andern bringen eigenhändig Eisen undBlei zum Ban des Tempels. Viele tragen Fnßfesselnund Handschellen, weil sie von diesen und aus den Ge-fängnissen der Gottlosen erlöst wurden; das sind die,welche Buße thun und ihre Sünden beweinen. Das ist
Z Der Grundstein zu diesem majestätischen Tempelromanischen Stiles wurde am 11. Juli 1078 unter derRegierung des Königs Alphons VI. (1065—1109) gelegt.Gleich beim Beginn seiner Regierung gewährte diesermächtige König, der wegen seiner vielen über die Maurenerfochtenen Siege und wegen der unter ihm in seinemLande herrschenden Sicherheit den Beinamen „Schild undLeuchte Spaniens" erhielt, allen Santiago -Pilgern Zoll-freiheit. Vgl. Weiß, a. a. O., B. V S. 246—247.
ch Die Verlegung des Bischofssitzes von Jria-Flavianach Compostela geschah also durch Papst Urban II. (1088—1099) im Interesse der Wallfahrt im Jahre 1089.Davon weicht allerdings L. Gams (8si-ies spisooporumpnA. 26) ab, der um das Jahr 843 schon einen gewissenAtanlf I. als ersten Bischof von Compostela anführt.
H Vgl. I. N. lern. 8auebs/, 8antmZ'o, Isruealsv,Koma 1680.