Ausgabe 
(1.5.1897) 24
 
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jüngste Gericht darstellend, wurde, ebenfalls gewöhnlichdem Adam Krafft und zwar als sein erstes (bekanntes),zugeschrieben. Zu dieser Annahme, meint ProfessorWanderer, -I führte wahrscheinlich die bestechende Zierlich-keit des stark an Manierirtheit streifenden Stückes. MehrAehnlichkeit hat es mit Veit Stoß 'scher Art.

Das folgende südwestliche Portal zeigt ebenfalls eine(ältere) Darstellung des jüngsten Gerichts, von bessererAbrundnng der Formen und sprechenderem Ausdruck alsdas am Lorenzportal, wenn es ihm auch sonst ähnlichist. Christus, Maria, Johannes, die Engel und Abraham,mit den Seelen der Gerechten im Schoße, sind milde,anniuthige Gestalten; die Verzweiflung der Verdammtenist von naivem Effekt. Wohl aus etwas früherer Zeitstammen die beiden großen Figuren des hl. Petrus undSt. Katharinas von schlanker Haltung und edler Be-wegung.

Einen durchaus neue», eigenartigen Charakter zeigtder mit einer gewissen idealisirendcn Naturalist!! be-handelte, geradezu herkulische, überlebensgroße Crncifixusam Westchor. Er ist in Erz gegossen, wurde 1482 vonden Brüdern Hans und Georg Stark gestiftet und brachte,im Laufe der Jahre dnnkelschwarz geworden, den Nürn-bcrgeru den Namen derHcrrgottsschwärzer" ein. Denndas Volk meinte, der früher vergoldete Christus sei inKricgszcit schwarz angestrichen worden, um die Raublustder Soldateska abzulenken. Man kann es kaum be-greifen, wie dieses auf dem genauesten Studium derNatur beruhende, durch die Wucht seiner realistischmächtigen und zugleich klassisch vollrnndigcn Formen desenergisch gestreckten Körpers sich hervorthuende Bildnißin die Zeit vor 1500 fallen soll. Lübkc möchte es gernauf jenen Eberhard Bischer zurückführen, der 1459Meister wurde und 1488 starb, und vielleicht ein Bruderdes ältern Hermann (Söhne des berühmten ErzgießersPeter Bischer) sei, und darin den Beweis eines realist-ischen Ucbcrgangsstadinms für die Vischer'sche Werkstattnoch vor den berühmten Grabmälern derselben erblicken.

Ein Werk Hans Dcckcrs vom Jahre 1447 ist dersteinerne St. Christoforns an der Ecke des südlichenThurmes, der zwar etwas derb behandelt, aber gut,'durch-geführt ist. Als vorzügliche Arbeit aus der Krafft'schenSchule erweist sich das Relief im Bogenfelde desselbenThurmes, die Kreuzprobe der hl. Helena dastellend.

lieber die reiche Ausstattung des Innern, derenallerprächtigstes Stück das Peter Vischer 'sche Grabdenkmaldes hl. Sebaldus ist, wird später einmal, wenn die Re-tzanrirnngsarbeiten abgeschlossen sein werden, berichtet.

Das Richthaus des Pilatns am Hügel Sion.

Von vr. Sepp.

Aus Anlaß des ArtikelsZur Geschichte des Kreuz-weges" (Beilage 16 ff.) sendet uns Herr ProfessorDr. Sepp eine Entgegnung, in welcher er ausführt:

Wir nehmen von dem Vorwürfe, den jetzt gütigenLeidensweg zuerst wissenschaftlich angefochten zu haben,Anlaß zur Rechtfertigung und überzeugenden Belehrungaller Leser, insbesondere des gelehrten Referenten inderPostzeitnng" über den Kreuzweg. Gilt es doch,eine hochwichtige biblische Frage endgiltig erledigt zuwissen.

Von Pilatns bezeugt Philo, der Zeitgenosse

*) Wanderer. Adam Krasst und seine Sehnte. Nürn-berg , Soldans Verlag.

Christi, ausdrücklich (leZat. sei Onjnm pgF. 38), daß erin der Königsburg des Herodes Residenz hielt. Also die Finger davon! Der König baute, in-dem er den Asmonäer-Palast am Sion verließ, auf derHöhe der Oberstadt, wo frische Luft und Gärten mitspringenden Brunnen, genährt vom Gihon oder Maccilla-teichc, ihn der schwülen, dumpfen Unterstadt vollends ent-rückten, sich ein neues Herrscherschloß im 13. Jahre seinerRegierung, 24 Jahre vor Christus. Herkömmlich nahmendie römischen Statthalter und Landpfleger von den Resi-denzen der verdrängten KLnigsgcschlechtcr Besitz; ivirerfahren dies auch aus Cicero's Rede gegen VerresII, 5.- Der Prätor in Sicilien hatte den Palast desKönigs Hierome; dasselbe lvar der Fall in Syrien undPalästina. Im Prätorium des Herodes zu Cäsarea wird Paulus in Begleitung von 200 Legionären in Ver-wahrung gebracht und dann den Landpflegern Felix undFestus vorgeführt. Apostelgesch. XXIII, 35. Der Herodes-palast am Burghügel Sion schloß einen prachtvollenAugnstus- und Agrippasaal ein; nach feinem Tode nahm-darin sofort der syrische Statthalter SabinnsWohnung; , da aber dieJuden ihn angriffen, bestieg derProkurator -die höchste Spitze der Davidsburg, den ThurmPhäsael, nm dem Straßenkampse zuzusehen, und als derKönigspalast unhaltbar geworden, zog die Besatzung sichin die nahen drei noch heute stehenden Thürme" zurück.Der Civil-Gouverncur commandirte ja dieTruppen nicht selber (Joscphus stall. II. 3, 1).DerStuhl des Landpflegers" kommt als be-' stimmte Oertlichkcit schon bei Nchemias III, 7 vor. Erhieß Gabbatha oder stha-x und lvar von Stein mit Stufensestgerammelt in den Boden, wie auch der TalmudLstocla, aara. I, 7 meldet. Ihn bestieg Pilatns, wiesein späterer Nachfolger Florus, und setzte sich auf dasTribunal der Davidsburg oder heutigen Citadelle gegen-über, nach der Angabe des jüdischen Geschichtsschreibersstall. II. 14, 8. Von hier aus ließ Florus sogarRitter geißeln und aus Kreuz schlagen. Die Gei Hel-ling ssänle stand auf der Hauptwache am Forum oderObermarkte, und kommt, in die Sionskirche versetzt, nochin den ältesten Pilgerschriftcn vor. , ,

Beini Beginn des jüdischen Krieges, 65 n. Chr.,steckten die Kikarier den Palast des Agrippa und derBerenice in Brand, nämlich die alte Makkabäer»Burg, wo Christus vor dem Vicrfürsten Herodes , seinemLandesherr», stand, im weißen Kleide verspottet und mitDornen gekrönt wurde. Aber die Königlichen flüchtetenmit dem Hohenpriester Ananias in denoberen Pa-last", ja Berenice brachte die Nacht auf der Wache»austoäin, zu und stand andern Morgens bloßfüßig vordem Richterstuhl des Florus. Dieser beeilte sich, ausdem Königshof nach dem Castcll zn entkommen, fandaber die engen Gassen mit Barrikaden versperrt undmußte wieder zurück. Hier nahmen 1800 Personen ihreZuflucht, so groß waren die Räume, abgesehen vom Hof-garten; indeß rückten Kohorten aus Cäsarea zum Ent-setze heran.

Bei der Eroberung Jerusalems setzten die Römersich in denköniglichen Thürmen" fest und pflanztenihre Batisten und Katapulte znin Ansturm gegen dieKönigsbnrg auf. Die Sturinwidder stießen die Mauernüber den Haufen und demolirten den Prachtbau,daß kein Stein auf dem andern blieb (stell. VI. 7» 1. 8)und noch Cyrillns Onteost. 39 von der Wüstclegung desNichlhanscs Pilatidurch die Macht des Gekreuzigten"