Ausgabe 
(11.5.1894) 38
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und der Art und Weise des Verkehrs gänzlich mit jenemcontrastirt. Jedenfalls aber wird derjenige, der Brüsselbesucht, nicht mit weniger Befriedigung an die dort ver-lebten Tage zurückdenken, als derjenige, den seine Schrittezur Bavaria und den Franenthürmen und nicht zu-letzt auch zum Hofbräuhause führen.

(Fortsetzung folgt.)

--sr-v-es--

Ein nruer Apostel der Aussätzigen aus demVencdl'ctiuer-Ordrn.

(Von k. M. K., Archivar im Benedictinerstifte Raigern .)

Wen erinnert nicht diese Aufschrift schon an denheldenmüthigen Apostel Pater Damian , der sich im Dienstefür diese Unglücklichen geopfert und zum Märtyrer ge-worden ist? Eines gleich heldenmüthigen Apostels derchristlichen Liebe kann sich auch der Benedictinerordenin der Gegenwart rühmen. Es ist dies Dom Sauton,Mönch von Ligugs in Frankreich . Eine kurze Notizüber denselben in der Augsburger Postztg. Nr. 44 vom22. Februar d. I. berichtete unlängst:D. S., einMönch des Benedictinerordens, der medicinische Studiendurchgemacht hat, ist von der französischen Regierung be-auftragt worden, Untersuchungen über den Aussatz inScandinavien, Finnland, der Türkei, Kleinasien, Griechen-land und Aegypten anzustellen. Nach Beendigung der-selben soll er nach Paris zurückkehren und die von ihmniedergelegten Resultate dem Professor Pasteur überliefern,damit dieser, wenn möglich, ein Heilmittel gegen dieKrankheit auffinde." Die Ehre unseres Ordens, sowiedie Gerechtigkeit, dem hochw. Herrn Sauton gegenübererfordert eine Berichtigung und Ergänzung dieser Notiz,zu der wir einen längeren Artikel desLullsiin äs1'^88Sointion äs Lainb-ÜIartin" (herausgegeben vonder Benedictinerabtei in Ligugs) im Januarhefte 1894,Seite 35 und folgende, benützen, der sich wieder aufeinen in der Revue Gsnsrale von Brüssel vom 1. De-cember 1893 unter der RubrikGuussris soisubiLius"von Abbs Lefebure geschriebenen Artikel beruft.

Der junge, damals vierzehnjährige Joseph Sautonsah im Verlaufe des Krieges 1870 mit Bewunderung,wie sich sein Vater, ein ausgezeichneter Katholik, vr.Sauton, ganz der leiblichen und geistigen Pflege derarmen Verwundeten hingab, und half ihm hierbei emsigdamals schon im väterlichen Hause, das zu einem Spitaleeingerichtet worden war. Sein Entschluß stand fest, aucher wollte Mediciuer werden, um sich ganz der leidendenMenschheit widmen zu können. Er studirte mit bestemErfolge Medicin und fand dann Verwendung als Assi-stenzarzt in einem Pariser Hospitale. Im Jahre 1884erkannte der junge Doctor plötzlich, welch' höheren Werthund welch' schönere Aufgabe der Arzt der Seelen habe,und entschloß sich, die Heilung der leiblich Kranken zu-gleich mit der der leidenden Seelen zu seiner Lebens-aufgabe zu machen der Mediciner wurde Mönch.Zehn Jahre lang widmete er alle seine Seelenkräfte demGebete, der Betrachtung und der Vorbereitung für feinenihm von Gott gesetzten Beruf. Am Vorabende seinerfeierlichen Profeß sprach sein Oberer zu ihm:Der Mönchist ein Diener der Kirche, Sie werden Ihr Doctordiplomdem Dienste der Kirche opfern." Im Verlaufe der Jahreerkannte Sauton fortan seine Kräfte wachsen, seinen Be-ruf sich stärken, seine Projecte immer klarer werden.

Als Religiöse, Priester und Mediciner widmete Dr. Sautonoder Dom Sauton, wie er fortan hieß, sein Studiumund seine Liebe immer mehr einer der schrecklichsten Krank-heiten, die die Menschheit verheeren, dem Aussatze. Beiall' dem wollte er aber Mönch bleiben und seine ganzeKraft auf den Gehorsam stützen. Und in der That, dieErmuthigung seitens aller seiner Oberen und der Ge-horsam gegen sie lieferten ihm hinreichende Bürgschaftdafttr, daß Alles gut von Statten gehen werde.DasWerk des Aussätzigen", sagt er selbst,ist ein Act deSGlaubens, ein Act des Gehorsams."

Endlich legte sein Abt den ganzen Plan deS Mönch-Doctors dem Papste vor, und Leo XIII. segnete dasWerk und dessen Unternehmer; er sprach ihm Muth zuund ertheilte ihm ein apostolisches Jndult als Mönch-Missionar, der jedoch stets dem Abte von Ligugs unter-stehen soll ssrvatis rnormstieus xrolssmonis vinoulisst xrivilsAÜs. Bald hierauf empfahl ihn auch einBreve der Propaganda an alle Bischöfe und apostolischenVicare. Die gleichen Dispensen und Empfehlungen er-hielt auch Dom Sautons Bruder, der Abbs Carl Sauton,Vicaire von Nogent le Natron, der sich an demselbenWerke betheiligen wollte. Nachdem so die religiöse Seiteseiner Mission gesichert war, mußte Dom Sauton auchdie Menschliche Seite sichern. Von vielen Seiten wurdenihm öffentliche Unterstützungen zugesichert, warme An-empfehlungen gab ihm der Präsident der medicinischenAkademie und mehrere Mitglieder derselben. Der be-kannte Dr. Pasteur schrieb am 3. Mai 1893:Ich binvoll Bewunderung über die Opferwilligkeit und Hingabedes Dr. Sauton; eine Unterredung mit ihm hat michdavon überzeugt, daß dieser junge Doctor ganz gut unter-richtet und festen Willens ist, sich einer fast heiligenMission zu widmen; ich spreche hier gerne meinen innigenWunsch aus, es möchten diesem beherzten Missionär allemöglichen Erleichterungen zu Theil werden!" Bald hierauferhielt Dom Sauton auch von der französischen Regierungeine formelle schriftliche Unterstützung für seine wissen-schaftliche Mission, wodurch ihm freundliche Aufnahmeund der Schutz der auswärtigen Mächte gesichert wurde.Alle diese Ehrungen waren wohl nützlich und werthvoll,aber die schlimmste aller Schwierigkeiten, die Geldfrage,wurde nun dringend. Das Werk christlicher Liebe, dasder Missionär unternehmen wollte, mußte nothwendiggroße Kosten verursachen: Der Gelehrte benöthigte fürsich ein tragbares Laboratorium für Mikroskopie undBacteriologie, abgesehen vom Gepäcke und den Medica-menten. Auf der Insel der Aussätzigen, zu Molokai,wo sich Dom Sauton und sein Bruder niederlassen wollten,mußten überdies beide im Vireine mit den Nachfolgern?. Damian's Alles aufbieten, um ein Hospital und einVersuchslaboratorium einrichten zu können. Beide Brüderwaren gerne bereit zu Kosten für ihre Person, aber un-möglich war es ihnen, Alles zu bestreiten aus eigenemGelde. Sie riefen daher die christliche Nächstenliebe an,um ihnen beizustehen. Leider ist es nur zu bekannt,wie solche Bitten im Allgemeinen Aufnahme finden, daman da stets arm und überbürdet zu sein vorgiebt.Einiges Almosen erhielten sie doch; überdies wiegt beiderartig großartigen Unternehmungen der Muth das Geldauf, und diesen besaßen sie. Hiervon gab Dom Sautongleich einen Beleg ab, als er am 8. August 1893 seineReise nach Norwegen antrat, wiewohl er kaum den viertenTheil der nothwendigen Kosten noch beisammen hatte.