Blick in die blaue Bucht, während die einsame Kirchevon Potage schon wieder Felsenberge krönt. Eine großeBiegung zwischen Ort und Station Draga von Buchweizen-feldern getrennt, bringt uns zur höchsten Steigung derBahn; dann durch viele Tunnels, an Kastanienwäldernvorüber, nach Station Herpelje. Eine eigenthümlicheBeschuhung der Bewohner der benachbarten slovenischenOrtschaften fällt hier auf: die Opanken, einfache Leder-sohlen mittelst Riemen am Fuße befestigt. Rodik ist einhübscher Ort mit hohem Thurm am Fuße eines bewal-deten Bergkegcls. Hier zeigt sich, wie an manchen andernStellen des Karstes, z. B. bei Adelsberg, die glücklicheAufforstung des Terrains, die hier ein Pfarrherr vor30 Jahren trotz vieler Mühe mit Erfolg bewerkstelligte;wo indeß Bora herrscht, ist der Baumwuchs wie abge-schnitten. Wir kommen nun zur Station Divaca mitden oben beschriebenen St. Canzians-Höhlen und findenuns andern Tags in Nömerbad.
(Schluß folgt.)
--«-z-WU-«-
Wichtige Berkehrsiverke.
Von Fer. Neu Heck.
- (Nachdruck verboten.;
Eine mächtige, folgenreiche Errungenschaft unseresJahrhunderts sind die neuen Verkehrs werke. Durchsie sind die geographischen Schranken gefallen, welche dieVölker, ja, die Welttheile verschlossen. Was die einzelnenVölker in Urproduktion, Fabrikation und Gewerbe durchIntelligenz, Fleiß und Kunst zu Tage fördern, kann jetztGemeingut der Welt werden. Es handelt sich abernicht bloß um die Verbreitung und Gewinnung nurmaterieller Güter, sondern auch — und nicht etwa neben-sächlich — um die geistigen Güter, welche den mate-riellen erst die Weihe und ihren wahren Werth verleihen.
In Schaffung von Verkehrsmitteln hat die neueZeit eine erstaunliche Thatkraft und Opferwilligkeit ent-faltet, und thut es noch; große Unternehmungen sindeben noch im Werke, namentlich im Bereiche der prakti-schen Kolonialpolitik, wie z. B. dem Bau von Eisen-bahnen. Schon längere Zeit vollendete Vcrkehrswcrkebieten jetzt einen sehr interessanten Einblick in den durchsie in bedeutendem Maße geförderten internationalen Ver-kehr. Wir wollen z. B. heute in dieser Beziehung anden Suez-Kanal erinnern, und in Bezug aus dasEisenbahnwesen au die im Bau begriffene Bahn inBelgisch-Kongo (Wcstafrika).
Den Suez-Kanal (Nordafrika ) frequcntirtm imJahre 1893 3341 Schiffe. Dieselben enthielten an Fahr-gütern ein Ge ammtgcwicht von 7,659,000 Tonnen.Eine Tonne enthält 40 Lasten — die Last — 25 Kilo-gramm, somit 1 Tonne 20 Neuccntner („Zvllcentner?").*)Der 7,659,000 Tonnengehalt entziffert also die respectableSumme von 153,180,000 Centner. — Von der Ge-fammtzohl der Schiffe gehören: England 2405 (!), Deutsch-land 272, Frankreich 190(1), Holland 178, Oesterreich-Ungarn 71, Italien 67, Norwegen 50, Türkei 34,Spanien 29, Rußland 24, Portugal 10, Aegyvtcn 5,Nordamerika 3, Belgien, Japan, Brasilien je 1.
Die Frachttaxe der Durchfahrt ist für jede Tonne
*) Man berechnete im Schiffswesen die Tonne mit 20 Cent-nern, weil dieses Gewicht der mit Meerwasser gestillten Tonneentspricht. D. V.
Ladung (Nettogewicht) 10 Franken. — Pcrsonentoxe— ebensoviel — für 1 Passagier. Der Passagiere warmes 186,495.
Die Länge des Kanals beträgt 160 1cm; die größteBreite an der Sohle 22 w, am Wasserspiegel 58—100 m;die Tiefe 7—9 m. — Die mittlere Zeitdauer der Durch-fahrt währt 20 Stunden 44 Minuten.
Durch den Suezkanal und die Dampfmaschine istder Weg nach Ostindien und dem fernsten Ostasien iufabelhafter Weise abgekürzt. Einst brauchten wir, umnach Ostindien, China, Japan zu gelangen, ein Jahr,bei großen Hindernissen an zwei Jahre; heute genügen28—32 Tage und nach dem südlichsten Theile Japans 39—42 Tage. — Einen besonderen Gewinn zieht darausdas erhabene Misfionswerk zur christlichen Civilisation.
In sehr rühmlicher Weise verbindet Belgien in seinerKolonialpolitik im Kongostaat eben das christliche Civili-sationswerk mit seinen materiellen Zwecken — voran derhochherzige König Leopold . Was unter seiner Aegide derkleine Staat Belgien im Kongoland schon geleistet, istwirklich erstaunlich; und eben ist es an einem ungcmeinschwierigen und kostspieligen Werke — am Bau einerEisenbahn für die nicht schiffbare Strecke des Unterkongo.Der Kongo ist der Laufweite nach der vicrtgrößte Niesen-strom der Erde; seiner Wassermenge nach aber der dritte.Die Rangfolge ist: 1. der Amazonenflnß in Südamerika ,2. der Aang-tsc-kiang in China, 3. der Nil in Nord-asrika, 4. der Kongo; in der Wasserfülle kommt der Kongo vor dem Nil. Dieser hat eine Länge von 5600 km,der Kongo von 4900 km; der Nil mündet in derSecunde 8500 obm in daS Meer (Mittelländisches); derKongo dagegen (in's Atlantische Meer) in der Secunde54,000 obiQ (I); das beträgt in einer Stunde 200 Mil-liarden Liter. Der Kongo erreicht eine Tiefe von100 m, im Mündungsgebiet 300—400 m, "^) und anmanchen Stellen dehnt er sich aus zu einer Secbrcite.
Die mächtige Wasserfülle des Kongo bildet sich durchseine großen Nebenflüffe, von denen mehrere selbst Niesen-ströme sind. Der Laus des Kongo stellt einen kolossalenHalbkreis dar, dessen Becken — etwa in der Mitte desbelgischen Kongostaatcs, von Norden nach Süden — eineTiefe von 120 geographischen Meilen (240 Stunden)und dessen Breite unten im Süden 160—195 geogra-phisch- Meilen hat. — Im Osten — tief im Südenentspringend, von mehreren Seen gespeist — fließt er ineiner dreigliedrigen Vogenlinie nach Westen. Die ersteoder östliche Linie steigt in nördlicher Richtung, etwasnach Westen geneigt, bis zu den Stanley-Fällen.Oberhalb derselben wird der Kongo schiffbar — fürgrößere Fahrzeuge. Nun biegt der Laus zuerst in strengnördlicher Richtung, dann fast in gerader nach Westenab: das ist die nördliche Bogeulinie, in welche vonNorden und Nordosten kommend mehrere große Flüssemünden, darunter der vielgenannte Aruwimi. Diese nörd-liche Linie hat eine Länge von 7 Breitegraden; bei ihrenBiegungen dürfen wir aber ein Zumaß geben, so daßsich etwa 113 geographische Meilen ergeben. Am 18.Grad östlicher Länge und unterm 2. Grad nördlicherBreite biegt der Laus jäh nach Süden ab: das ist die