Ausgabe 
(4.12.1894) 98
Seite
763
 
Einzelbild herunterladen

763

Fürwahr", bestätigte er,das ist mein viellieberVerwandter, der treue Bruder meiner Hausfrau. Ichsah den Tapfern nicht mehr, seit wir deutschen Edelntrauernd die Leiche Ottos unter vielen Mühseligkeitenüber die Alpen geleiteten. Kein Held ist herrlicher ausden siebentägigen Kämpfen mit den tückischen Römernhervorgegangen, als er. Die Undankbaren wollten unsja die Kaiserleiche streitig machen. Mit geschlossenemHelm und blankem Schwert eroberten wir jede SpanneWeges, so wir fürbaß schritten. Tammo in seiner Helden-kraft hat uns mit seinen Mannen den Rücken gedecktvor dem welschen Raubgesindel. Auf der Burg Paternohat er einst in Treue den Kaiser zu schützen gelobt undden Schwur begeistert und wüthig gehalten bis über denTod Ottos hinaus. OhneTammo hätten wir unsermOtto nicht den letzten Wunscherfüllen und ihn neben Karldem Großen bestatten können."

Graf Altmann nickte zu-stimmend und sprach traurigsinnend:

Das goldene Kreuz vonder Leiche Karls hat dem jun-gen Otto kein Heil gebracht."

Diethelm lenkte ab. Ererzählte:

Graf Tammos TöchterleinHathumod, eine liebliche Maidvon fünfzehn Jahren, wirdden Kaiser mit dichterischemGruß am Eingang der Stadtempfangen." Er lächelte.

Unser junger MeisterHeri-bert hat das holdselige Jung-fräulem gemalt als heiligeAgnes. Das Bild ist just dasschönste im Dommünster."

Graf Bardo horchte auf.

Berichtete man mir nicht,daß der Kunstschüler Klausunter BischofBernwards Leit-ung den Dom mit prächtigenGemälden ausgeschmückethabe?"

Recht so, Graf Bardo; dasthat Klaus vom Rheine . Erhat sich als Künstler vollGeist und Kraft erwiesen. Daseine Bild aber, die heiligeAgnes, malte Heribert, der, wiealle Künste versteht," antwortete Diethelm.

Mächtiges Geläute von allen Glocken übertönte seineWorte. Alle Insassen der Domschenke wurden lebendig.

Ich sagte es, der Kaiser nahe. Die Glocken rufenzum Sammeln, auf daß mir im Festzug ihm entgegengehen," sprach Liudolf und erhob sich.

Bardo fuhr eilig, anstatt mit einer rechtschaffenenBürste, vermittelst der flachen Hand über sein prächtigesKriegskleid.

Besser staubbedeckt zur Stelle sein, als glanzüber-gossen fehlen," erklärte er lachend und schritt an Diet-helms Seite hinaus.

Das dauerte aber eine geraume Weile, ehe die

Ordnung sich herstellte. Herr Bardo hatte vollauf Zeit,an den viellöblichen Meister Diethelm überflüssige Fragenzu richten:

Als ich vor etwa dreißig Monden bei Euch war,da schien's mir, als ob Eure Jungfrau Klothild Gefallenan dem jungen Herrn Klaus, so bei Euch wohnt, ge-funden hätte. Täusche ich mich hierin oder weigert IhrEuern Segen, daß die beiden noch kein Bündniß ge-schlossen haben?"

Unfreudig berührt, schaute Diethelm den harmlosenFrager an. Da er aber aufs Neue dessen Wohlwollenund Gutherzigkeit aus jeder Falte seines ehrlichen Antlitzeshervorlugen sah, reichte er ihm die Hand und svrach:

Graf Bardo, ich weiß, Ihr nehmt Antheil an uns,und darum erzähle ich Euch,was ich noch keinem Menschenvertraut habe. Ja, ich würdemein einziges Kind dem ein-armigen Klaus zum Weibegeben, nicht weil er ein Künst-ler ist, dem Gott wahrhaftseine Gnade geschenkt hat, son-dern weil mein armes Kindihm anhängt mit allen Fasernseines Herzens. Klaus aberlebt nur für seine Kunst undwird niemals aus irdischerNeigung eine zum Weibe be-gehren."

So?" sprach Graf Bardound versicherte:Mit demKünstler werde ich ein Wört-lein reden. Wer sich demDienste Gottes am Altarenicht widmen will, der mußein Weib nehmen; und fürKlaus zur Hausfrau geeignetist Niemand besser als Klo-thild."

Das hatte Herr Bardo nichtnöthig, nämlich zu einem zag-haften Brautwerber zu reden.Klaus, der thätige, ganz seinerKunst hingegebene, hatte längstgeahnt, daß Klothilde ihmgut war, auch hatten die stillenZeichen verflossener Minnetiefen, gar rührenden Eindruckauf ihn gemacht.

Als die Glocken läuteten,da wandelte Klothild im Gärtlein des Hauses; sie neigtesich und pflückte, was der Lenz darbot. Gar zierlichformte ihre Hand ein duftiges FrühlingssträußleiinSchnee-glöcklein, Primeln und Veilchen, rundum einen Kranz vonImmergrün.Das ist die Treue," sprach sie leise.

Ein Kräutlein sproß am Wege; sie pflückte es rasch.

Wegewart, Du mußt dabei seirsi" flüsterte sie.Sag' ihm, o sag' ihm, ich warte auf ihn." (F. f.)

--SS8XWS

Alls dem Leben Alitonio's van Dyck.

Wiedererzählt von O. Landsmann.

O bester Nuys!" sagten eines Nachmittags desMonats Juni 1616 ein Dutzend junger Leute zu einem

Kudung II. in Murnaü.

'MM

AM-

MAN

MASS

MMM-

W

Denkmal für Konig

^ d'

unser bischöflicher Herr,