Ausgabe 
(4.1.1894) 1
 
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Friedlich bekämpfenNacht sich und Tag,

Wie das zu dämpfen,

>is das zu lösen vermag

Der mich bedrückte,

Schläfst Du schon, Schmerz?

Was mich beglückte,

Sagt, was war'S doch, mein Herz?

Freude, wie Kummer,

Fühl' ich, zerrann,

Aber den SchlummerFührten sie leise heran.

Und im Entschweben,

Immer empor,

Kommt mir das Leben

Ganz wie ein Schlummerlied vor."

Düster war sein Leben jetzt eine Zeit lang, keinrechter Schaffgeist wollte ihn erfassen, selbst der Umgangmit Freunden wurde gemieden:

Kommt mir das Leben

Ganz wie ein Schlummerlied vor."

Erthaute erst wieder auf", als er auf's neuein Hamburg wieder seinen Einzug hielt in die gleicheKammer, in der er drei Jahre vorher lateinische Vocabelnauswendig gelernt hatte, um später zwei hübsche Zimmer,hergerichtet von Elise, zu beziehen, wo er bald auf denTod krank wurde. Wieder gesund geworden, begann erim Oktober 1839 seine erste große TragödieJudith".Ob diese Tragödie in Folge einer Wette verfertigt wurde,ob sie innerhalb vierzehn Tagen entstand, mag dahin-gestellt sein. Hebbel hat seine große Freude an demWerk, er jubelte,daß Leben, Situation und Charakterein körniger Prosa frisch und kräftig hervorsprangen, dennvon der Prosa hängt mein Ich ab". Körnig ist aller-dings die Sprache, das Ganze der getreue Ausdruck desinnersten Wesens des Dichters,es ist nichts mehr undnichts minder als eine sinnlich-sensationelle Ausbeutungund Verzerrung der aus den Apokryphen des alten Testa-mentes bekannten jüdischen Volkssage. Aus Judith machteder Dichter ein wollüstiges Weib, aus dem tapferen Holo-fernes einen über Religion philosophirenden und morali-sirenden Tyrannen, der durch Judiths Schönheit über-wunden und zur Gluth entfacht wird," sagt König überdie Tragödie. Er sandte ein Exemplar des Stückes anUhland und eines an Tieck , beide gaben eine Antwort,eine Kritik nicht, obwohl Hebbel in dem Briefe an Uhlandbemerkte:an einem einfachen Wort von Ihnen, sei esgünstig oder nicht, liegt mir mehr, als an einem Trom-petentusch der gesammtcn deutschen Journalistik. Ich binauf jeden Ausfall Ihres Urtheils gefaßt, nur nicht aufIhr Stillschweigen, dieses würde mir unendlich wehe thun."Während diese beiden Dichter schwiegen, ist Amalie SchoPPe vonJudith" so begeistert, daß sie Hebbel schreibt:ichstelle Sie zum Shakespeare, damit ist, denke ich, allesgesagt". Das Stück wurde füglich in Berlin gegeben,eine Hauptschuld daran trug Auguste Crelinger , welchedie Titelrolle übernahm. Nach den Aufführungen schriebHebbel an Elise:es ist gut gegangen, aber meineFreude ist die Freude über den Pardon vom Spieß-rutenlaufen. Man hat keine Prügel gekriegt, das istrecht hübsch und ist Alles. Holofernes unter derKritik! Dennoch findet das Stück Beifall und wirdwiederholt. Zwei Kritiken gelesen. In der einen binich ein wahrer, geborner Dichter voll unerschöpflicherFülle, der aber die Kunst noch lernen muß und demRedacteur einen belehrenden Mehlbrei vorsetzt. In derzweiten habe ich nichts, als Phantasiereiche Sprache, die

jedoch aus dem Kopf, nicht aus dem Herzen kommt, er-halte jedoch zum Schluß die gnädige Erlaubniß, nochein paar Werke zu bringen. Ich ergötzte mich herzlichüber den ganz vollkommenen Widerspruch."

(Schluß folgt.)

Aus dem Leben zweier edlen kathol. Frauen.

Von Frhr . T. zu W.

^ (Nachdruck vrrboNn,)

Wie es die Ueberschrift sagt, einiges aus dem Lebenzweier katholischen Frauen möchte ich an dieser Stelleden Lesern mittheilen, da deren Namen meines Wissenswenig oder doch nicht so bekannt in Deutschland sind,wie sie es verdienen.

In einem Schreiben aus Paris vom 30. Oktoberv. Js. hat mir der Verleger der Werke des HerrnBaron Jmbert de Saint-Amand bereitwilligsein Einverständniß, daß ich es in einem katholischenBlatte thue, mitgetheilt. Ich bezeichnete als solchesdie Augsburger Postzeitung.

Herr von Saint-Amand hat mit Erfolg es unter-nommen, in einer Reihe von 10 bis 12 Bünden dasLeben der bekanntesten Frauen höherer Stände in Frank-reich zu schildern. Es heißt: I^ss äu XVIII

st XIX Liäols.*) Die eine Abtheilung ist: I^ss I?smins8äss st?ai1sris3; 1-S8 I'sinwss äs Vsrouillso, denenverschiedene Biographien folgen. Indeß halte ich michdiesesmal anI?ortruit3 äsCiranäss Hains 8".

Gerade die Lebensbeschreibung der ersten dieser zweiFrauen ist nicht eigentlich die einerOranäs Hains",wie man es im gewöhnlichen Sprachgebrauch versteht,d. h. die Dame ist nicht von fürstlichem oder hochadeligemBlute, wie eine Herzogin von Berry, eine Fürstin Lam-balle, eine Gräfin von Sabran, oder gar eine Marie-Antoinette u. A., deren Leben uns Herr von Saint-Amand bringt. In einem fließenden, eleganten Stil,der bis zu einem gewissen Grade spezifisches Eigenthumeiniger französischen Schriftsteller aus der älteren Schuleist, und bei aller historischen Treue gegenüber Episoden,die zu umgehen oder zu verschweigen der Wahrheit Ab-bruch thun würde, versteht es der Verfasser, das Ge-sehene auf eine Weise mitzutheilen, die es gestattet, un-besorgt seine Bücher in alle Hände, auch jugendlicherLeser, zu legern

Dieses Lob verdienen bekanntlich nicht alle Bücherin Deutschland, so wenig als in Frankreich , welche dasLeben an Fürstenhöfen schildern.

Elisabeth Anna Bayley, Tochter des RichardBayley , Arzt in New-Iork, und der KatharinaCharlton, Tochter eines anglikanischen Geistlichen,wurde am 28. August 1747 in New-Iork geboren.Ihr Vater stammte aus einer englischen Gentry-Familie,die nach Neu-England übersiedelt war, während ihreMutter Abkömmling einer schottischen Familie war, die,weil den Stuarts anhänglich, aus ihrem Vaterland hattefliehen müssen. Die Energie und CharakterfestigkeitElisabeths, ihr praktischer Sinn, waren vielleicht ein Erb-theil ihrer mütterlichen Ahnen.

Von ihren Kinderjahren berichtet ihr Biograph nichtsNäheres. Im Frühjahr des Jahres 1794 vermählte sichElisabeth Bayley mit William Seton, Sohn einesreichen Nheders. Es war eine gegenseitige Herzens-

') karis. D. Deutn: OursI, OougiZ et 6is. Oetavo3 !?r. 50 Is Votnms.