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denen wirklichen Sklave», deren Zahl zwei Millionen be-tragen soll, kann jeder „freie" Siamese, der heute hundertSklaven vor sich hertreibt, morgen selbst ein Sklave sein: sosieht es aus mit den „freien" Männern und denRcchtsgesetzendieses Reiches. Das folgenschwerste Gesetz ist das Schuld-gesetz. Dasselbe gebietet, daß eine Schuld, und vor Allem dieSteuer, pünktlich bezahlt wird. Ist das nun einem Bürgernicht möglich, so kann er in die Lage kommen, gezwungen zusein, Weib und Kind zu verkaufen. Hat er weder das Einenoch das Andere, so wird er selbst zum Sklaven. Und in dieseunglückliche Lage können die Siamesen gar nicht selten gerathen;denn die Staatsabgaben sind zahllos und die Kopfsteuer sehrhoch, und werden von einem Heere herzloser Beamten unerbitt-lich eingetrieben. Diese ziehen mit Roß und Reiter und Ele'phanten selbst in die Schluchten der fast undurchdringlichenWälder bis zu dem armen LaoSvolke und nehmen ihm nichtselten das letzte Honigtöpfchen, das letzte Wachs, das letzte Thier-ell. Das Traurigste bei dem Verfalle in die Sklaverei ist, daßarme, unschuldige Kinder, welche von ihren Eltern Schuldenhalber oder in anderer Nothlage verkauft werden, nie mehrloögckauft werden können, also Sklaven bleiben müssen, währenddie andern Sklaven, selbst die Kriegsgefangenen, sich die Frei-heit erkaufen können. Ach ja! Thai, das Reich der freienMänner! Dort, in den Straßen des stolzen Bangkok , kannman auch einem Mann begegnen, abgemagert und gehüllt inLumpen, auf den Schultern eine Axt; er ist Holzhacker und —ein Prinz des königlichen Hauses mit seinen achthundert Frauen.Das ist auch einer der freien Männer. Der kleine Prinz derersten königlichen Gemahlin — wie sticht er ab gegen seinenStiefbruder, oder Stiefonkel! Das „HimmckSsöhnchen" ist soschwer mit Goldschmuck und Edelsteinen beladen, daß es ob derLast kaum gehen kann. Und die höchsten „freien Männer"— die Minister des „großen KönigS" — sie haben in demreichen Lande keine Prachtwohnungen, oder gar Villen, wiez. B. im armen Deutschland . Dort wohnt der höchste Würden-träger, der Kanzler des Reichest), in einem „elenden Bretter-gebäudc aus hohen Baumstämmen, mitten im Schlamme undUnrath". So ist es wahr, was die Kenner des Landes be-haupten, nämlich: „daß Siam daS Land der größten Gegensätzesei, wie kein anderes der Erde ". Was die Rechtspflege unddas VerwaltunzSwescn überhaupt betrifft, so bietet Siam das-selbe traurige, trostlose Bild, wie dicßbezüglich China mit denhabsüchtigen, das Volk auSsangendcn, parteiischen und tyranni-schen Beamten, und vergebens haben sich einige wirklich edleKönige Siam'S in der jüngsten Zeit bemüht, die schweren Miß-stände zu beseitigen.
Recensionen und Notizen.
Theologisch-praktische Monats - Schrift, Central-Organ der katbol. Geistlichkeit Bayerns . Unter Mit-wirkung zahlreicher Gelehrter und Seelsorger heraus-gegeben von vr. Pell, Dr. Linsenmayer und Psr.Krick. Passern, Rudolf Abt.
Nr. Mit dem Kalenderjahre 1893 schloß die von den Pro-fessoren vr. Pell, vr. Linsenmayer und Pfarrer Krick heraus-gegebene theologisch-praktische Monatsschrift, das Centralorgander katholischen Geistlichkeit BayernS , den dritten Jahrgangab. Wer während der drei Jahre des Bestehens genannterMonatsschrift sowohl den theoretisch-wissenschaftlichen, wie denpraktischen Theil derselben aufmerksam verfolgte, muß sich wohlzum Geständnis; gedrungen fühlen, daß die verehrte Redactiondie im Programm gemachten Versprechungen redlich eingelösthat. Auf Grund zahlreich eingesandter Originalartikel wurvcden Lesern eine solche Fülle im großen und ganzen durchauswissenschaftlich gediegener Abhandlungen wie praktisch bedeut-samer Fülle und seelsorglichcr Winke geboten, daß der bayer.Clerus nur mit großer Freude und gerechtem Stolze auf seinCentralorgan sehen kann. Speziell aus dein letzten Jahrgange
seien zur Erhärtung unserer Behauptung nachstehende durchaustüchtige wissenschaftliche Aufsätze und Abhandlungen hervorge-hoben: Die soziale Bedeutung der Eheschließung, eine Serievon Artikeln aus der Feder des Lycealprofessors vr. Hans inPassau ; Die Wirksamkeit der gefallenen Engel auf Erden vonDompropst vr. Pruncr in Eichstätt ; Die niederen Weihen undder Subdiaconat von Pros. vr. Specht in Dillingcn; Naiffciscn-sche Darlehenskassen von Pfarrer Kaiser; Hcilsnotbwendigkeitder hl. Communion von Pros. vr. Lehringer in Eichstätt ; DieGrabschrift des hl. Aberkios von Pros. vr. Weber in NegenS-burg; Die Früchte des hl. Meßopfers von Joh . B. Lobmann8. ll.; Die Visio beatitiea, von Militärcurat Grüner in Nürn-berg ; Der bayerische Franziskaner Kaspar Schahger über Primatund allgemeines Concil von N. Paulus in München u. s. w.Diese ebenso trefflichen wie zeitgemäßen Artikel bieten eine kern-gesunde theologische Nahrung und geben uns das Recht, dertheologisch-praktischen Monatsschrift das beste Prognosticonauf eine herrliche Zukunft zu stellen. An diese wissenschaft-lichen Abhandlungen reihen sich zahlreiche kasuistische Materienaus dem scelsorglichen Leben mit reicher Belehrung und frucht-baren Winken. Es ist mit besonderer Freude zu begrüßen, daßdieser praktische Theil der Monatsschrift im letzten Jahrgangeinen viel breiteren Boden gewonnen hat. Mit größter Sorg-falt wird sodann in unserer Monatsschrift das kanonistischeund pfarramtliche Verwaltungsgcbict bearbeitet. Wenn wirdie hier von Heft zu Heft mitgetheilten kirchlichen wie staat-lichen Entscheidungen durchgehen, so müssen wir uns geradevon dieser Sparte eine nicht unbedeutende Förderung derStellung des Klerus und damit auch seines Einflusses ver-sprechen und werden wir nicht selten an das Wort des ehe-maligen Kultusministers von Lutz erinnert: Wenn der bayer.Klerus sich stets vor Augen hielte, wie viele Rechte in Ge-meinde und Schule ihm noch geblieben sind, so würde er nichtsoviel über unwürdige Bevormundung durch die Staatöcuratelklagen. Es soll damit selbstverständlich der staatlichen Hinein-regicrung in kirchliche Verhältnisse nicht das Wort geredet sein,aber das muß sicher zugegeben werden, daß ein nicht unbe-deutendes Quantum Wahrheit in jenem Dictum liegt und vonSeiten des Klerus nicht in allwcg seine Rechte gekannt undwahrgenommen wurden. Möge auf diesem Gebiet die neueMonatsschrift eine stets fortschreitende Besserung bringen. WaSdie wissenschaftliche Novitätenschau anlangt, so möchten wirwünschen, es möchte daS kritische Messer vielfach etwas schärferund schonungsloser gehandhabt und den Recensionen über diewirklich ausgezeichneten Werke ein etwas breiterer Raum ge-gönnt werden. Besprechungen, wie diejenige über die Lehrevon den hl. Sakramenten der katholischen Kirche von vr. PaulSchanz , halten wir entschieden für zu knapp und eng zugemessen.Freilich müssen wir zugeben, daß die Monatsschrift nur eineNovitätenschau halten und ein literarisches Fachblatt keines-wegs ersetzen will. Wer aber nicht außer Acht läßt, wie wenigunserem fast durchwegs überbürdeten Klerus Zeit zur Lektürevon Literatnrblättern bleibt und wie wenige Seelsorgspricstersich darum solche Blätter halten, wird in der Novitätenschauein entsprechendes Surrogat dafür wünschen. So hat unsereZeitschrift in den wenigen Jahren ihres Bestehens sich bereitseine geachtete Stellung erobert. Wenn auch zugegeben werdenmuß, daß die Passauer theologisch-praktische Monatsschrift dievolle Höhe der gleiche Ziele verfolgenden Linzer Quartalschriftnoch nicht erreicht hat und sich der rcichgeschmückten edlenSchwester der benachbarten Donaustadt noch nicht ebenbürtigzur Seite stellen kann, so möge man bei gerechter Beurtheilungnicht aus dem Auge verlieren, daß die Linzer Quartalschristmit dem neuen Jahre in den 47., das Centralorgan des katholischcn Klerus Bayerns aber erst in den 4. Jahrgang eingetreten ist. Wer sich die Mühe nicht gereuen läßt, die erstenJahrgänge der österreichischen mit den Anfängen der bayerischentheologischen Zeitschrift zu vergleichen, wird nicht lange darüberzweifelhaft sein können, daß auch unser vaterländisches Organeiner herrlichen Blüthe entgegen gehen wird. Die Rührigkeitund Umsicht der vortrefflichen Redaction sowie das Vertrauenauf den tüchtigen Klerus BayernS sind nnö Bürge dafür, daßunsere Hoffnung uns nicht täuschen wird. Möge darum keinbayerischer Priester unterlassen, das Abonnement auf daSCentralorgan zu erneuern, sollte er aber bisher nicht Abnebmergewesen sein, als Abonnent neu einzutreten. Der Preis, 5 Markbei Bezug durch Post und Buchhandel und 6,20 Mark beidirekter Zusendung unter Kreuzband seitens der Verlagshand-lung, steht mit dem trefflichen Inhalte und der soliden Aus-stattung in keinem Verhältniß.