Ausgabe 
(4.1.1894) 1
 
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Unter den vier ersten Königen Bayerns . NachBriesen und eigenen Erinnerungen von Luise v. Kobell.Zwei Baude mit 4 Pbotogravurcn und einer Chromo-lithographie, geh. 10 M. u. geb. 12 M.

-C. Geleitet von dem Streben nach schriftstellerischer Be-rühmtheit hat Luise v. Kobell aus ihrem umfangreichen, vier-jährigen Tagbuch über verschiedene Dinge, Lebensverbältnisse,Männer und Frauen von allerlei Ständen und BerufszweigcnAuszüge gemacht, sie in zwei kleinen, elegant ausgestattetenBänden chronologisch zusammengestellt und mit Redensartenaus den neueren Sprachen und dem Lateinischen gespickt, umsich mit einem Gelehrtennimbus zu umgeben. In der Ein-leitung theilt die Verfasserin dem Leser eine Reihe von Briefenmit, welche einen Einblick in das Familienlchen und die künst-lerische Thätigkeit ihrer Ahnen gewähren und Streiflichter aufdie Aufführung der französischen Emigranten in Deutschland und den Feldzug 1792 werfen. In einem Briefe ist ein edlerZug der Gemahlin des Psalzgrafen Max Joseph von Zwei-brücken, des künftigen Kurfürsten und Königs von Bayern ,erwähnt, indem sie den Augnstincrmönchen in Spcyer, welchewegen der von den Franzosen geforderten Brandschatzung indie grösste Bedrängnis) gerathen waren, Hilfe leistete. In demnächsten Kapitel über die ersten RcgicrungSjahre Max I. Joseph und den Rheinbund werden die Festlichkeiten während desAufenthaltes des französischen Kaisers Napoleon I. in München (1606), die Vermählung der Prinzessin Anralie Auguste, desKronprinzen Ludwig von Bayern (1810) und die Geburt einesNapolconischen Prinzen (1811) mit weiblicher Vorliebe aus-führlich besprochen, jedoch nichts Neues vorgebracht. Die her-vorragenden Männer der Wissenschaft und Kunst, sowie dasLeben und Treiben in der Stadt München nach dem WienerCongreß und die Festlichkeiten, welche bei der Verkündigungder Verfassungsurkunde (1818) und bei dem 25jährigen Nc-gicrungsjubiläum Max Josephs veranstaltet wurden, sind mitgewandter Feder geschildert. In der wahrheitsgetreuen Dar-stellung der Persönlichkeit des Königs Ludwig I. , seiner Kunst-liebe und Kunsthauten ist eine vortrefflich ausgeführte Photo-gravnre von einer Weinschenke in Rom hcigefügt, in welcherder bayerische Kronprinz Ludwig (1824) inmitten der damalsberühmtesten Künstler in ungezwungenem, heiterem Gesprächeverweilte. In dem kurzen KapitelBayern und Griechenland "hatte Luise v. Kobell wieder Gelegenheit, an die Erzählung vonihrem Großvater, dem StaatSrath und NegentschaftsmitgliedeAegid v. Kobell, anzuknüpfen, dessen Briefe über den AufenthaltLudwigs I. in Griechenland (1836) sie veröffentlichte. Miteiner Skizze über das gesellschaftliche Leben in München unterKönig Ludwig I. , über die Vermählung bayerischer Prinzessinnenund die Revolution 1848 vereinigte die Verfasserin die Erleb-nisse in ihrer Kindheit und Mittheilungen ihrer Freunde undVerwandten aus jener Zeit; sie erzählt auch von Lola Montez ,geht aber über das Verhältniß der spanischen Tänzerin zu KönigLudwig I. und über deren Einfluß auf die Staatsgeichästc mitStillschweigen hinweg. In der kurz bemessenen Abhandlungüber die allgemein bekannten Bestrebungen und Verdienste desKönigs Max II. auf dem Gebiete der Wissenschaft werden diegesellschaftlichen Abcndunterhaltungen der aus Norddeutfchlandberufenen Gelehrten besprochen und der Weggang mehrererdieserBerufenen" aus München beklagt; allein diese hattensich durch ihre Selbstüberschätzung und ihren Hochmuth in ganzBayern so verhaßt gemacht, daß für sie der Aufenthalt in derHauptstadt unbequem wurde. Die Briefe des gemütbvollcnDichters Scheffel, welcher mit dem Juristen August Eisenhart,dem Bräutigam der Luise v. Kobell, Freundschaft geschlossenhatte, werden zum ersten Mal veröffentlicht. Der EintrittEiscnharts in'ö königliche Kabinet (1866) wird in Kürze be-richtet. jedoch mit keinem Wort berührt, daß der Kabinctschefv. Pfistcrmcister wegen seiner conservativen Gesinnung vonder liberalen Partei am und außer dem Hofe von der Seitedes jungen Königs verdrängt wurde. Durch die ErnennungEiscnharts zum Ministcrialrath und Kabinctschef (Januar 1870)kam Luise v. Kobell in die Lage, die Erbaulichkeiten der kgl.Residenz zu besichtigen und sie in fließender Sprache zu be-schreiben. Von historischer Bedeutung ist das folgende Kapitel,welches die Entschließung des Königs Ludwig II. zur Mobil-machung des bayerischen Heeres (1870) behandelt. Mit leb-hafter Phantasie sind der Einzug der bayerischen Truppen inMünchen (1871), das vorjährige Jubiläum der Münchener Universität und die Vermählung des Prinzen Leopold mit derkaiserlichen Prinzessin Gisela beschrieben. Die Memoiren der >Luise v. Kobell schließen mit einer weitläufigen Erzählung eines !

Landaufenthaltes am Starnberger See , mit einer Schilderungder persönlichen Eigenschaften Ludwigs II. und mit der plötz-lichen Entlassung des Kabinetschcss von Eisenhart (1876).

»s» Fester (N.), Kurfürstin Sophie von Hannover .

Hamburg , Richter. 8°34S.

Verfasser, jetzt Privatdocent in München , bekannt als Heraus-geber des badifchen Ncgestenwcrkcs und durch einige historischeAufsätze, läßt hier in derSammlung gemeinverst. wissen-schaftlicher Vortrage, herausgegeben von Virchow und Wattcn-bach (vorher Holtzendorff), als Heft 179 den Vortrag er-scheinen, den er am 7. März 1893 im Münchener Chemischen Hörsaale gehalten hat. Es ist eine ansprechend geschriebene,inhaltsreiche Biographie der 1630 geborenen und 1714 gestorbencn Tochter desWinterkönigS", der Urenkelin der MariaStuart und (als Mutter Georg Ludwigs von Hannover , desI. KönigS Georg von England und Mutter der SophieCharlotte , der I. Königin von Preußen) gemeinsamen Stamm-mutter der Welsen und Hohenzollern , welche von ihremdeutschenAristoteles" Leibniz alsdie große Knrfürstin" gepriesen wurde;eine Fürstin, die dem Historiker ein lebhaftes Interesse abge-winnt, eine Dame vonjener aufgeklärten, man möchte sagenconfessionslosen französisch-holländischen Wcltbildung, welcheden Frauen dcS pfälzischen Hofes eigen war" (Erdmanns-dörffer, deutsche Gcsch. II, 130), ohne tiefer entwickeltes reli-giöses Bedürfniß gleichwie ihr Bruder Karl Ludwig von derPfalz und ihre Nichte, die berühmteLiselotte", die den Kircbcn-schlaf für den der Gesundheit förderlichsten hielt. Freilichmüssen wir fürchten, mit dieser Charakterisirungsweise demRaisonnement zu verfallen, womit der Verfasser noch auf einerder letzten Seiten seines Vertrags sich ebenso gesucht wie über-flüssig beeilt hat, den Gegnern JansscnS die Reverenz zu machenin der Anspielung:Wir haben in unseren Tagen die glänzend-sten Erfolge einer Geschichtsschreibung erlebt, die nur die Quellenreden läßt und sich dennoch, weil sie ihren Standpunkt derUeberlieferung zu nahe gewählt hat, zu einer reineren historischenAuffassung der Dinge nicht aufzuschwingen vermag."

Personal-Status der Lyceen im Königreiche Bayern nach dem Stande vorn 1. August 1893, zusammengestelltvon Dr. Adolf Jobannes, Lycealprofessor ältererOrdnung. Drillingen 1893. I. Kellcr'sche Buchdruckern.

LI Schon der Titel dieser Broschüre verkündet Interessantes;denn er besagt NcueS auf dem Gebiete der Statistik. Sichtman sich dann das Schriftchen selbst an, so findet man sichwirklich nicht getäuscht. Die erste Nummer:Das Allgemeineüber die Lyceen in Bayern " enthält bereits in kurzer und bün-diger Zusammenstellung die wichtigsten Daten in Hinsicht aufZweck und Unterricht der sieben bayerischen Lyceen und in Hin-sicht auf Rang und Gehalt der Rektoren und Professoren andenselben. Die übrigen 4 Nummern sprechen, wie fast jedeStatistik, hauptsächlich durch Zahlen und Namen. BesonderesInteresse erregt jedochIII. Personalstand", wo man n. A. diefrühere Stellung sämmtlicher Professoren zu erfahren Gelegen-heit bat, undV. Tabellarische Uebersichten". Hier ist indie Anzahl der Lehrkräfte zusammengestellt und ausfallenderWeise erscheint dabei von den sechs vollständigen Lyceen dasbischöfliche in Eichstätt als das mit den meisten (12) Professorenversehene, während das königliche Lyceum in Dillingen umein ganzes Drittel weniger als das genannte ausweist. Nichtminder von Bedeutung ist0", wo in genauer und klarerUebersicht gezeigt wirddie Anzahl der Wochcnstunden, in wel-cher die einzelnen Disciplinen in den philosophischen und theo-logischen Sektionen der Lyceen vorgetragen werden". WelcheVerschiedenheit tritt hier zu Tage in Bezug sowohl auf dieDiciplinen selbst an den einzelnen Anstalten als auch in Bezugauf die Zeit, die auf diese Fächer verwendet wird! Ein wahresMosaikbild bietet diese letzte sorgfältige Zusammenstellung. BeidenOorriZ'öucla," auf der Schlußicitc ist Einzelnes, jedoch nichtsSachliches, übersehen. Da auch der Preis der instrnctivcnBroschüre sehr niedrig gestellt ist, so dürfte sich dieselbe denInteressenten zur Anschaffung sehr empfehlen.

Berichtigung.

In ObronoloZin IVillibcrlüina, Nr. 52 S. 3 A.56ist zu lesen statt XI (6srm. srwra. III, 34); A. 59 stattHäuschen Herrschen, und A. 61 statt clio üioo.

Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas <L Grabherr in Augsburg .