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derselben aus den Händen der Polizei. Gegen die knecht-ischen Schreiberseelen im Clerus, „die unter fortwährendenheuchlerischen Bücklingen vor der Staatsomnipotenz nachder josefinischen Pfeife tanzen", sendet er seine „Schreiber-knechte", denen obenstehende Probe entnommen ist.
Unter solchen Umständen war es natürlich, daßBrnnner keine Carriöre machte; er blieb Zeit seinesLebens Eaplan und au seinem siebenzigsten Geburtstagkonnte er mit vollem Rechte von sich singen:
„Ich hab' keinen Wagen und hab' keine Pferde,
Und bin nie gesessen am eigenen HerdeUnd hab' nie gegessen aus eigener KücheUnd war nie vergessen aus eigene Sprüche."
Freilich wollte er anch keine Carriöre machen:
„Ich habe nie verrenkt meinen RückenDurch gnadenbegchrendeö, tiefes Verbuchen,
Ich suchte gerade durchs Leben zu schreitenUnd spielte nie doppelt auf zweierlei Saiten."
Dies sagte er auch mit nackten dürren Worten einemjosefinischen Sekretär aus dem geistlichen Departement,dem er über seinen Nationalismus tüchtig die Levitenlas. Der Sekretär sagte ihm: „Junger Mann, Siewerden sich in dieser Weise Ihre Carriare verderben;es ist Schade um Sie, Sie hätten sonst keine üblenAnlagen." Darauf Brnnner: „Wenn ich mir vorge-nommen hätte, Carriöre zu machen, so würde ich diesin einem andern Stande angestrebt haben, denn imgeistlichen Stande, wo Leute über das Geschick einesGeistlichen mitentscheiden, denen ich ihres Systems willenmeine feindliche Gesinnung immer in's Gesicht sagenwerde, muß man diese paar Jahre lumpigen ErdenlebeusGott zum Opfer bringen."
Brnnner machte keine Carriere. Dafür sorgte nebenandern das damals tonangebende Jndenthum und dasverjudete Literatenthum, mit dem er ebenfalls Kriegführte bis auf's Messer, wie er auch die sogenanntenHeroen der deutschen Literatur, einen Göthe rc. rc., un-erbittlich ihres Nimbus entkleidete. Dafür erntete ervon den Juden und deren Gesinnungsgenossen allerleiEhrentitel. So schrieb die Breslauer Kleine Morgen-post: „Brnnner, ein fanatischer nltramontaner Humorist,dem der Scheiterhaufen zu seinen Satiren leuchtet, dieer statt mit der Feder mit den Torturwerkzcugen derInquisition schreibt, der soviel Schärfe der Kritik unddes Witzes hat, daß man deren Verbindung mit derägyptischen Finsterniß, der fanatischsten Intoleranz inseinem Kopfe kaum begreifen kann."
(Schluss folgt.)
Ruch seinem Leben und Wirken geschildert von A. G.
(Schluß.)
Stets war Mangel in Hebbels Kasse, überall suchteer zu verdienen, sr warf sich auf Geschichtsschreiberei,schrieb viel und erhielt wenig Honorar. Zu dieser Zeitschenkte ihm zu allem hin Elise einen Sohn, dessenGebnrt er mit einem „Gebet" begrüßte, das folgender-maßen schließt:
„Also bet' >ck>, weil ich schmerzlich wünsche,
Daß für mich, alö ich geboren wurde,
So ein edler Mensch gcbeter hätte."
Leider fing Hebbel wieder eine neue Liebschaft anmit einer Patrizicrstochter, Namens Emma, und gingso weit, diese Liebe seiner Elise in glühenden Farbenzu schildern. In einer der Quellen, die dem Verfasser
zu Gebote standen, hat ein Leser früherer Zeit zu diesemBrief mit Bleistift die Randbemerkung gemacht: „Ab-scheulicher Kerl!!", ein gewiß sehr herber Ausdruck, aberdoch wohl füglich berechtigt und gerechtfertigt; wir selbstmöchten beisetzen: „Rücksichtsloser Mensch I"
Als zweites Drama dichtete Hebbel seine „Geno-
vefa", welche schon vorher von Tieck und Nampach be-arbeitet war, im kurzen Zeitraum von einem halben
Jahre war sie fix und fertig, in siebertscher Hitze undEile wurde gearbeitet, sogar bisweilen das Mittagessenvergessen, und was kam heraus? ein ziemlich verfehltesStück trotz mancher Schönheiten. „Auch hier", sagtKönig," that er seinem Urbilds Gewalt an. Seine
Genovcfa ist eine über alles Maß wortkarge Heilige,
die selbst für das Schändlichste keine Aeußerung desAbscheues und der Entrüstung übrig hat; Golo eineallmählig zum Teufel gesteigerte Mischung der DonJuan- und Faustnatur. Zum Schluß gibt der Schurkesich freiwillig den Tod, anstatt ihn, der Sage gemäß,von Henkershand zu erleiden". Fr. Dingclstedt sprachsich in mehreren Briefen an Hebbel anerkennend überdieses Stück aus, wie er denn auch die Ausführungdesselben sehr angelegentlich betrieb.
Nun warf er sich auf ein früher begonnenes Lust-spiel „Der Diamant", um alsbald wieder eine Novelle„Mattes" zu schreiben, das als ein Nachtstück bezeichnetwerden muß. In diese Zeit fällt der große Brand vonHamburg , über den Hebbel schreibt: „Mir war es, alsob ich nichts Gegenwärtiges sähe, aber die ungeheuerstenBilder der Vergangenheit standen vor meinem Blick: ichsah Carihago mit dem zerschmelzenden Moloch, ich sahPerfepolis und die tanzende Thais, ich sah Moskau undden Imperator, wie er unwillig und finster den Kremlverließ, bei dem nüchternen Tageslicht besah man sichmit Schauder und Entsetzen den Leichnam einer Stadt."Das gleiche Jahr führte ihn in Hamburg mit Uhlandund feiner Frau zusammen, und er sagt von dem schwäb-ischen Dichter: „er war sehr herzlich und liebevoll, alsob wir alte Freunde wären, nicht starr und kalt, wiedie meisten ihn finden und wie ich ihn selbst 1836 auchfand. Aeußerst anspruchslos, schwer im Reden, aberauf eine naive, rührende Weise. Freue mich." Aller-dings, Müssen wir beisetzen, dauerte der Besuch Uhlandsnur einige Augenblicke, da der Wagen mit seinen Damenvor Hebbels Hause hielt.
Dann ging's planlos auf Reisen, nach Kopenhagen ,Paris, Italien, Wien , wohin auch wir den ruhelosenMann kurz begleiten wollen.
Er fuhr nach Kopenhagen , die See ging hoch undstürmisch, worüber sich Hebbel folgendermaßen ansläßt:
„Ich ahnt' cö längst! die grollenden Titanen
Sind aus dem Schlummer wieder aufgestört,
Und haben, an die alte Nacht zu mahnen,
Jedwedes Element der Welt empört."
Das Hotelleben war ihm eincstheils zu theuer,anderntheils zu nobel, so daß er alsbald ein Privat-zimmer bezog, Besuche bei hohen Würdenträgern wurdengemacht, er erhielt Einladungen von vielen Seiten, wasihm mitunter sehr unangenehm war, da es ihm an derHandhabung der gesellschaftlichen Formen ordentlich fehlte.Endlich erhielt er Audienz bei dem König Christian VIII.und ging dabei dem Hofmarschall nach, „wie die Jolledem stolzen Jagdschisf". Er bat um eine Professorats-stelle für Aesthetik und Literatur, dann gab er sich zu-frieden mit einer Privatdozentenstelle — es wurde nichts