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das Publikum war „in heiterer Laune", aber es ver-schwand alsbald auch wieder vom Repertoire. Anderekleinere Arbeiten können mit Fug und Recht über-sprungen werden. Der neue HofburgtheaterdirektorHeinrich Laube und mit ihm Andere waren dem Dichterzudem nicht gewogen, so das; er zur damaligen Zeitkein Glück hatte, „auf der Bühne erscheinen zu können",denn auch hiczu sind vielleicht mehr als anderswo Vetterund Basen von größter Nothwendigkeit.
Mehrere Gedichte aus damaliger Zeit athmenwiederum recht poetischen Geist aus, u. a. auch das aufdie Sixtiuische Madonna in der Gemüldegallerie zuDresden mit dem Anfangsvers:
„Das hätt' ein Mensch gemacht? Wir sind betrogen!
Das rührt nicht her von einer irdischen Hand!
DaS ist entstanden wie der Regenbogen,
Und auch, wie er, ein göttlich Unterpfand!"
Nach einem kürzeren Aufenthalt in Berlin kamHebbel wieder nach München , wo er in Ehren stand.Der kunstsinnige König entließ ihn nach einer sehrgnädigen Audienz mit den Worten: „ich wünsche, daßes Ihnen noch länger bei uns gefallen möge, und ichhoffe, Sie nicht zum letzten Male gesehen zu haben".Später sagte der König zu Dingelstedt: „ich bin seitlange von keinem Mann so angeregt worden, wie vonHebbel". Er arbeitete seine „Agnes Bernauer " aus,aber Melchior Meyer, der Bayer, war ihm mit seinemeigenen Opus gleichen Namens zuvorgekommen, er dichtetesehr fleißig, so spricht er die Arcaden an:
„O Park, sei mir gesegnet!
Bleib ewig frisch und grün,
Und wcnn's nur einmal regnet,
So sollst du zweimal blüh'nl
In jedem deiner GängeVerlier' ich mich mit Lust,
Denn jeder hat GesängeGehaucht in meine Vtnst."
Er war in München, was bei Hebbel sehr vielheißen will, zufrieden mit sich und der Welt, „ich steheauf der Höhe meiner Existenz und freue mich jedenTages". Allein wie der Schmetterling von einer Blumezur andern fliegt ohne Rast und ohne Ruh', so war auchHebbel der reinste Schmetterling und zog von München wieder nach Wien , obwohl er am letztgenannten Platzebittere Erfahrungen gemacht hatte. Ende des Jahres1854 starb Eltse, die er nebst seiner Frau stets unter-stützt hatte, er beklagte den Tod derselben bitter und„will niemand lieber als ihr in den reineren Regionenbegegnen, wenn sie sich dereinst mir erschließen". Seineerste Gönncrin Amalie Schoppe wanderte zu gleicherZeit nach Anierika aus, um bald darauf auch zu sterben.Anfang des Jahres 1856 begann er sein letztes Werk,die Trilogie der „Nibelungen ", welche trotz allzuvielenReflektirens und Moralisirens der Helden ohne Zweifeleine hervorragende Dichtung von hoher Schönheit ist,freilich ist das Werk ungcmein schwierig zum Aufführen.Doch es wurde aufgeführt und zwar an vielen Bühnen.In Wien wurde er nach der Aufführung im Burgtheatersozusagen der Löwe, der Held des Tages, er wurde ge-ehrt mit Gedichten, Geschenken, Telegrammen und neuenTiteln, er schwamm in Wonne; die Ehrungen wieder-holten sich an seinem fünfzigsten Geburtstage in ver-mehrter Auflage. So ernannte ihn der Großherzog vonWeimar zum Hofbibltothekar, die Großherzogin sandteeinen prächtigen silbernen Pokal rc. Daneben dichtete
Hebbel noch sehr viel, fast zu viel, er schonte sich zuwenig. In seinem „Sommerbild" singt er:
„Ich sah des Sommers letzte Rose steh'n,
Sie war, als ob sie bluten könne, roth;
Da sprach ich schauernd im Vorübergeb'n:
So weit im Leben ist zu nah am Todt"
Auch der Dichter war „nah am Tod", an seinem50. Geburtstag lag er zu Bett, sich freuend an denEhrungen; rheumatische Schmerzen, Gichtanfälle, „alteBekannte", plagten ihn bedeutend; „schwer ist der Kopf,steif ist das Kreuz, aber Geduld muß man haben", under hatte Geduld. Große Freude bereitete dem Leidendendie Nachricht, daß den „Nibelungen " der vom Königvon Preußen ausgesetzte Preis von tausend Thalernzugesprochen sei. Bei der Nachricht davon rief er aus:„Das ist Menschenloos, bald fehlt uns der Wein, baldfehlt uns der Becher." Auch Bäder konnten nichts mehrhelfen, die Qualen wuchsen und in den Qualen entstandnoch sein Gedicht „Der Brahmine", nach dessen Vorlesendie Frau des Dichters ausrief: „Friedrich! das ist deinTestament!" Und so war es, der Tod war nicht mehrabzuwenden, die Krankheit stellte sich heraus als Er-weichung der Wirbelsäule und der Nippen, und Hebbel starb am 13. Dezember 1863. Auf das einfachstewollte er beerdigt sein, wie er in seinem Testamente,das begann: „Der Tod ist gewiß, die Stunde aber un-gewiß", bestimmt hatte, „am liebsten wäre es mir, wennmein Leichnam den Flammen übergeben würde, kanndies nicht sein, so muß es davon sein Abkommen haben,jedenfalls keine Todesanzeige, keine Trauerzcttel, keinLeichengcfolge und keine Rede am Grabe." Universal-erbin war seine Frau. Das „Trauergefolge" war dochgroßartig, der akademische Gesangverein ließ seine Weisenertönen auf dem evangelischen Gottesacker zu Matzleins-dorf bei Wien, wo Friedrich Hebbels leibliche Ueberresteruhen bis zum allgemeinen Auferstehungstage.
Aus dem Leben zweier edlen kalhol. Frauen.
(Fortsetzung.)
Leider gibt ihr Biograph keine Andeutungen, welchePersönlichkeiten auf Elisabeth von maßgebendstem Ein-fluß waren. Die Erinnerung an ihre Freunde in Li-vorno konnte nicht wohl genügen.
In Nord-Amerika war damals die römisch-kathol-ische Kirche die unterdrückte. Sie genossen nicht mehrFreiheit als die Protestanten in katholischen Staaten.Englische Puritaner und Quäker, die ihre Heimath ver-ließen, weil ihnen die verlangte Cultusfreiheit nicht ge-währt wurde, hüteten sich wohl, in Nord-Amerika , wosie den größten Einfluß hatten, diese Freiheit den Ka-tholiken zu bewilligen, eine Methode, welche vielfach dieFreisinnigen unserer Tage befolgen.
In einer solchen Umgebung war Elisabeth Setonerzogen worden; solche oder ähnliche katholischfeindlicheGesinnungen herrschten in ihrem elterlichen Hause ohneZweifel vor; sie wurde von Persönlichkeiten getheilt, andenen sie mit der ganzen Gluth ihres feurigen Herzenshing. Leicht wurde ihr gewiß der Uebertritt nichtgemacht.
Einen solchen inneren Kampf wird sie wohl an dementscheidenden Tage gehabt haben. Sie sah diesen Mo-ment zeitlebens als eine besondere göttliche Fügung an. Sieging an einem Hause vorbei in einer entlegenen StraßeNew-Iorks, aus dem ein herrlicher Gesang ertönte. Bei
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