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ab. Erst später traten sie in den Verband des VatersSt. Vinzent v. Paula als Schwestern zum heil.Joseph und standen unter der Leitung des Oberndieses Ordens in Frankreich .
Der Ruf dieser Anstalten verbreitete sich bald inallen nordamerikanischen Unionsstaaten. Viele Freundeund Verwandte Mutter Elisabeths, welche sich, wie er-wähnt, von ihr abgewendet hatten, konnten nicht anders,als die außerordentlichen Eigenschaften, mit denen sieso Vieles erreichte, anerkennen, und die meisten tratenwieder mit ihr in Verkehr.
Ihre Schwägerinnen Henriette und CäciliaSeton zogen zu ihr, nachdem ihre drei Töchter Anna,Nebekka und Katharina schon länger bei ihrerMutter weilten. Der Zeitpunkt, wann letztere demBeispiele ihrer Mutter folgend auch zur katholischenKirche übertraten, ist nicht angegeben.
So wuchs und gedieh die Anstalt, zur Ehre Gottesund den armen Mitmenschen Zum Besten, fort. Dochrecht trübe Tage sollten noch über Mutter Elisabethkommen. An einem herrlichen Morgen machte MutterElisabeth mit einigen Schwestern und Kindern einenSpaziergang in die schöne Umgebung Emmitsburghs.Sie hatte schon einigemal ihr Bedauern ausgesprochen,daß die Anstalten keinen eigenen, geweihten Kirchhof be-sitzen, aber die Mittel erlaubten nicht die Erwerbungeines theueren Platzes.
An einer besonders schönen, von herrlichen Bäumenumgebenen Stelle rief Henriette Seton: „Ach hier ist esso schön! Hier möchte ich begraben sein!" „Ich auch"erwiderte ihre Mutter.
Einige Tage später erfuhr Mutter Elisabeth, daßeben dieser Platz unter günstigen Bedingungen käuflichsei. Sie war nicht die Frau, eine solche Gelegenheitachtlos vorübergehen zu lassen. Sie trat sogleichin Unterhandlungen, die auch bald Erfolg hatten.
Kaum war der Platz gekauft und zum Kirchhofeingeweiht, erkrankte Henriette Seton. Sie war die erste,die dort begraben wurde, auf jener Stelle, wo sie denWunsch aussprach. Unvermuthet schnell rief Gott sievon dieser Welt ab.
Der Leidenskelch war noch nicht geleert. AuchMutter Elisabeths Tochter Anna, 17 Jahre alt, einEngel an Schönheit und Liebreiz, bereitete sich eben mitvollster Inbrunst vor als Novize in ein Kloster zu treten,als auch sie erkrankte. Ihr stand eine lange, schmerzvolleKrankheit bevor. Es ist leider des Raumes wegen nichtmöglich, auch nur Auszüge aus Mutter Elisabeths Briefenüber die Krankheit und den Tod ihrer Tochter mitzu-theilen. Nicht die Kranke, sagt sie, sondern die Gesunden,welche sie umgaben und pflegten, benöthigten und empfingenTrost von der Sterbenden. Ihr Antlitz erstrahlte schonvor ihrem Tode in einem fast überirdischen Glänze. VierJahre später folgte auch ihre jüngste Tochter Nebekka imTode ihren Schwestern, auch erst nach vorangegangenenschweren Leiden.
Eine große Freude nach so vielem Kummer sollteMutter Elisabeth noch erleben. Es war einer derschönsten Tage ihres Lebens. Der Druck, zum Theildie Verfolgungen, unter denen die katholische Kirche ,auch nachdem die nordamerikanischen Staaten sich vonenglischer Vormundschaft „freigemacht" hatten, lag, wurdegesetzlich durch den Congreß gehoben, und sie konnte sichso frei und mit demselben Rechte entfalten, als dieevangelischen Kirchen und deren Secten.
Damit schien das Tagewerk Mutter Elisabeth Setonsbeendet zu sein, ihre körperlichen, aber nicht die geistigenKräfte gingen zur Neige. Am 4. Januar 1821 starbsie, in einem also keineswegs hohen Alter. Aber vondiesen 47 Jahren waren mehr als 20 Leidensjahre ge-wesen. Ihre Leitung der Anstalten, die auch mancheSorgenstunde für ihre Insassen zur Folge hatte, nahmenihre vollste körperliche und geistige Kraft in Anspruch, sodaß man sagen kann, sie starb auf dem Felde der Ehre,als Streiterin Gottes. Ihre Werke aber bleiben. Eineinfacher Stein bezeichnet ihre Ruhestätte, und im ärm-lichen Zimmer, das sie in der Anstalt inne hatte, miteinem fast armseligen Bett, zeigt eine Inschrift, wer dortwirkte und starb.
Gewiß war Elisabeth Seton eine edleFrau!
(Schluß folgt.)
S i a in.
Von I. G. Fußcuccker.
(Schluß.)
Zur Geschichte SiamS.
Die crstcn unö bekannt gewordenen historischen Ur-kunden von Siam stammen anö dem dritten Dccennium des7. Jahrhunderts n. Chr., anö der Zeit von 635—638. Im13. Jahrhundert war daö Reich, nach langen und schwerenKämpfen zwischen den Ureinwohnern und den AngedrungenenMongolen, Chinesen und Hindn, unter Königen zur Blüthe ge-langt; hatte aber dann Jahrhunderte hindurch viel von denraubgierigen Nachbarstaaten, besonders von Birma , zu leiden.Das war hauptsächlich der Fall um die Mitte dcS vorigenJahrhunderts. Damals hatte ein Emporkömmling, ein bir-manischer Bauer Namens Alombra, sich zum HecrcS-führer emporgeschwungen und durch seine Kriegsmacht die Land-schaften Pegu, Ära und Arcann erobert und mit Birmavereint.
Dieses neue Reich Birma trat i. 1.1759 mit dem ReicheSiam in Krieg, bei welchem letzteres außerordentlich vielgelitten.
Es war ein „siebenjähriger", blutiger Krieg, wobei die alteHauptstadt SiamS — Ajuthia — nach zweijähriger Be-lagerung von den Birmanen erobert und zerstört worden. Da dieBirmanen jedoch einsahen, daß Siam zu weit ausgedehnt sei, umihre Herrschaft über dasselbe dauernd begründen zu können, be-gnügten sie sich mit Plünderung, Zerstörung der Städte unddem Fortschleppen der Gefangenen in die Sklaverei.
Da erhob sich im trauernden Siam das Näubcrwesen undein gegenseitiger Vernichtungskrieg. In diesem jammervollenZustand, welcher das herrliche Land dem Barbarismus preis-zugeben drohte, erstand endlich ein Netter. Dieß war der HeldPin-Tak, ein geborener Chinese, der zuerst in seiner Vater-stadt Tiak und dann im nördlichen Siam als Unterbcamterdes letzten KönigS gedient hatte. Pin-Tak, der sich späterPhay-Tak nannte, sammelte den Nest der siamesischenStreitkräfte im Süden des Reiches, überfiel an der Spitze vonzehntausend Mann den birmanischen Feldherrn Phaya-Nakongbei Bangkok , tödtcte ihn, zerstreute sein Heer und nahm ihmdie ganze ungeheure Kriegsbeute ab. Er wählte Bangkok zurneuen Hauptstadt und befestigte sie. Die verlorenen Provinzeneroberte er zurück, stärkte seine Herrschaft durch ein Bündnißmit Annam und Cambodscha, bevölkerte daö Land wieder undschuf ein neues, reges Leben durch Kolonisation, Handelund Völkerverkchr.
Phay-Tak war in der That der Netter SiamS und seingroßer Wohlthäter; dennoch aber endete seine Herrschaft nicht